Musiker brauchen Ausbildung

Artikel von Thomas Hochstetter
16. Februar 2022 — 6 Min Lesedauer

Musik in der Gemeinde ist von zentraler Bedeutung. Darum tun wir gut daran, sie vom Wort Gottes her zu definieren und richtig zu verstehen.

Musik ist Teil von Verkündigung und Seelsorge

Auf der einen Seite ist die Musik in der Gemeinde ein Teil des Verkündigungsdienstes. In Kolosser 3,16 ist der Musikdienst einer von drei Werkzeugen, die dazu gebraucht werden, „das Wort des Christus reichlich“ in den Gläubigen leben zu lassen (durch „lehren“, „ermahnen“ und „singen“):

„Lasst das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander und singt mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern dem Herrn lieblich in eurem Herzen.“ (Kol 3,16)

Musik lehrt durch die Worte der Lieder – und zwar nicht nur am Sonntag, sondern an jedem Tag der Woche. Schließlich hat Gott uns so geschaffen, dass wir uns Worte, Konzepte und Ideen durch einprägsame Melodien viel einfacher merken können. Durch die Lieder am Sonntag geben wir den Gläubigen also Wahrheiten für die Woche mit auf den Weg, die in ihr Leben hineinsprechen werden.

„Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns Worte, Konzepte und Ideen durch einprägsame Melodien viel einfacher merken können.“
 

Auf der anderen Seite ist die Musik in der Gemeinde aber auch ein essenzieller Teil der allgemeinen Seelsorge (oder Jüngerschaft), die jeder in der Gemeinde seinem Nächsten bietet (Gal 6,1–2). Dies wird in Epheser 5,19 deutlich:

„Redet zueinander mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern; singt und spielt dem Herrn in eurem Herzen.“

Musik soll nicht nur lehren – sie soll auch erbauen, ermahnen und ermutigen. Wenn ich singe, dann singe ich nicht im Vakuum. Geschwister stehen neben, vor und hinter mir, deren Leben ich kenne und die auch meines kennen. Wir stehen miteinander in Beziehung, sodass Tim mich z.B. fragen kann: „Ist dir wirklich wohl im Herrn? Du siehst momentan nicht danach aus.“

Die Musik in der Gemeinde ist also sowohl Lehrer als auch Seelsorger – und als solche dient sie der Heiligung und dem geistlichen Wachstum der Gläubigen.

Musiker brauchen mehr als nur musikalische Qualifikationen

Die beiden Befehle aus Epheser und Kolosser stellen den Auftrag der Musik in der Gemeinde auf die Ebene der Gemeindelehre. Das bedeutet, dass wir über charakterliche, theologische und handwerkliche Qualifikation der Musiker sprechen müssen. Jeder Lehrer in der Gemeinde wird sowohl anhand seines christlichen Charakters, seines biblischen Wissens als auch an seiner Lehrfähigkeit (seines „Handwerks“) beurteilt.

Natürlich fallen gute Lehrer nicht vom Himmel. Vielmehr bilden wir die Gläubigen entsprechend ihrer von Gott gegebenen Begabung aus, damit sie der Gemeinde effektiv dienen können. Es findet also Ausbildung statt – oder besser gesagt: Jüngerschaft.

Dieses Schüler-Lehrer- oder Jünger-Meister-Prinzip ist weder dem Alten noch dem Neuen Testament fremd. Hierzu seien zwei kurze Beispiele genannt.

Erstens Paulus zu Timotheus:

„Und was du von mir gehört hast vor vielen Zeugen, das vertraue treuen Menschen an, die fähig sein werden, auch andere zu lehren.“ (2Tim 2,2)

Zweitens der Autor der Chroniken über die Sänger unter den levitischen Musikern:

„Und ihre Zahl samt ihren Brüdern, aller, die im Gesang für den HERRN geübt und kundig waren, betrug 288. Sie warfen aber das Los über ihr Amt, der Jüngste wie der Älteste, der Kundige wie der Schüler.“ (1Chr 25,7–8)
„Es ist Gott nicht egal, wer lehrt. Und es ist ihm auch nicht egal, wer musiziert.“
 

In beiden Fällen lesen wir etwas über eine Form von Jüngerschaft, die ausbildet und den Nächsten dazu befähigt, Gott mit seinen Gaben zu dienen. In beiden Stellen geht es auch um die Lehre von Gottes Wort. Bei Timotheus ist es offensichtlich. In 1. Chronik lesen wir in den Versen vorher davon, dass die Musiker mit ihren Instrumenten „weissagten“ (1Chr 25,2–3). Hier wird ein Begriff verwendet, der mit der Lehre oder Offenbarung von Gottes Wort in Verbindung steht. Es ist bezeichnend, dass Gott die Musiker für den Tempeldienst genau unter den Leviten ausgewählt hat. Schließlich waren diese für den Dienst abgesondert und im Verständnis von Gottes Offenbarung (Theologie) ausgebildet.

Ein Prinzip können wir in diesem Bericht also deutlich feststellen: Es ist Gott nicht egal, wer lehrt. Und es ist ihm auch nicht egal, wer musiziert. Genau das ist der Grund, warum wir über Jüngerschaft im Bezug auf Musik in der Gemeinde nachdenken müssen.

Musiker brauchen Ausbildung und Jüngerschaft

Wenn wir darauf achten, dass Lehrer in unseren Gemeinden sowohl charakterlich als auch theologisch und handwerklich qualifiziert sind, und sie dazu auch ausbilden lassen – wieso klammern wir unsere Musikern aus? Wenn ein Musiker in der Gemeinde an der öffentlichen Lehre und Seelsorge in der Gemeinde beteiligt ist – müsste dieser Musiker nicht in seinem Charakter, seinem Handwerk und seinem Bibelverständnis angeleitet und gefördert werden?

Was muss ein Gemeindemusiker können? Er muss ein biblisches Verständnis davon haben, was Anbetung (sowohl persönlich als auch gemeinschaftlich) nach Gottes Vorstellung ist. Er muss ein biblisches Verständnis davon haben, was Gott zum Thema Musik offenbart hat (was für Gott wichtig ist und was nicht). Er muss verstehen, was der biblische Auftrag der Gemeinde ist, denn daraus ergibt sich auch der Auftrag der Musik in der Gemeinde. Er muss verstehen, nach welchen biblischen Prinzipien sich sowohl der Diener als auch der Dienst ausrichten muss. Er soll auch verstehen, wie er mit seinem Instrument biblische Theologie und den Auftrag der Musik umsetzen kann. Er soll verstehen, was Musik ist und wie diese funktioniert. Er muss verstehen, was es bedeutet, ein Diener nach dem Vorbild Jesu zu sein. Letztlich muss er verstehen, welche Grenzen und welche Freiheiten er als Künstler im biblischen Sinne hat, damit er seinen großen Auftrag selbst umsetzen und weitergeben kann.

Kurzum: Er muss Musik, die Schrift und Heiligung verstehen.

Musiker können innerhalb und außerhalb der Gemeinde ausgebildet werden

Im Idealfall gibt es in jeder Gemeinde „Kenanjas“ – Menschen die sowohl musikalisches als auch theologisches Verständnis haben:

„Kenanja aber, der Oberste der Leviten beim Gesang, der unterwies im Gesang, denn er verstand es.“ (1Chr 15,22)

Diese sehen ihren Auftrag darin, die nächste Generation von Gemeindemusikern in der Jüngerschaft heranzuziehen. Ich kenne solche Menschen und preise den Herrn für Gemeinden, in welchen sie dienen.

Die Alternative zur Gemeindeausbildung ist eine Ausbildungsstätte, bei welcher der Fokus nicht hauptsächlich auf handwerklicher Ausbildung oder auf Bühnenperformance liegt. Wenn dich die Möglichkeit einer berufsbegleitenden Ausbildung interessiert, schau dir gerne den Lehrgang Musikdienst beim EBTC an. Unser Schwerpunkt liegt auf dem Erlernen von musikalischen und biblischen Prinzipien zur Musik in der Gemeinde. Das Ziel ist, dass Jünger zugerüstet werden, um in ihren unterschiedlichen Gemeindekontexten zu dienen.

Musik in der Gemeinde ist zu wichtig, als dass wir sie dem Zufall überlassen dürften. Lasst uns treue Brüder und Schwestern finden, die Gott durch natürliche Begabungen zu diesem Dienst befähigt hat. Und lasst uns sie ausbilden, ermutigen und befähigen!

Thomas Hochstetter dient in der Eckstein Gemeinde Berlin, arbeitet am Europäischen Bibel Trainings Centrum (EBTC) und unterrichtet dort sowohl Hermeneutik als auch Fächer in der Musikdienstausbildung. Thomas betreut beim EBTC die Softwareentwicklung, leitet den Musikdienst und ist für die Entwicklung der Musik beim EBTC verantwortlich.