Das verändert alles

Rezension von Hanniel Strebel
3. Februar 2022 — 7 Min Lesedauer

Das Buch Das verändert alles wurde für junge Menschen geschrieben – genauer für Christen, die keine geistliche Babynahrung mehr zu sich nehmen, sondern nach fester Speise verlangen. Es soll dazu anleiten, ein gottesfürchtiges Leben zu führen.

Keine Anleitung zur Selbstoptimierung

Zunächst rechnete ich damit, mit diesem Buch eine weitere Anleitung zur Selbstverbesserung in den Händen zu halten. Die Selbstoptimierung erscheint ja – christlich verpackt – als „Endlosschleife“ in der frommen Ratgeberliteratur. Würde sich dieses Buch davon abheben? Ja! Tatsächlich distanziert sich die junge Autorin schon zum Eingang von der weit verbreiteten Illusion, als Mensch die Dinge selbst in der Hand zu haben. Es heißt dort:

„Wir leben in einer Zeit der Selbsthilfe, in der es der zeitgemäße Weg zur Errettung ist, seinem Herzen zu folgen. Wenn du nur die Kraft und den Mut aufbringen kannst, dann schaffst du es. Du bist der Held, der Befreier und der Retter. Uns wird immer wieder gesagt: Glaub an dich selbst!“ (S. 16)

Jaquelle Crowe möchte dem Versuch der Selbstoptimierung eine biblisch gut begründete Alternative gegenüberstellen. Und das, obwohl viele meinen, Jugendliche „seien zu jung, … zu unerfahren, … könnten biblische Lehre oder die Theologie nie verstehen, oder sie wäre zu langweilig“ (S. 6).

Damit schließt das Buch an die „Rebelution-Bewegung“ an, einer von Teenagern unterhaltenen Onlineplattform, die es sich zum Ziel setzt, die besten Jahre des Lebens bezüglich freier Zeit, vorhandener Kräfte und Aufnahmevermögen mutig und unverdrossen zur Entwicklung der Fähigkeiten und zum Aufbau von Initiativen und Unternehmen zu nützen. (Auf der Plattform der Jugendarbeit Josia ist übrigens vor rund 10 Jahren eine Rezension zu einem übersetzten Buch von Alex und Brett Harris erschienen, das genau in diese Richtung geht.)

„Veränderung kommt aus dem Glauben an das Evangelium.“
 

Was macht dieses Buch also anders? Anders ist, dass Veränderung aus dem Glauben an das Evangelium kommt. Der Verweis auf Gottes Kraft zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Schon im Untertitel heißt es: „Wie das Evangelium die Jugendjahre verwandelt.“ Es geht also um einen andauernden Prozess der Veränderung, der aus der Kraft des Evangeliums gespeist wird. Es geht darum, „nach Freude, Zufriedenheit und Frieden in Jesus zu streben.“ Dabei ist Jesus derjenige, der das „Leben verändert“ und den Wunsch in uns weckt, „Gott wohlgefällig zu leben“ (S. 5).

Acht große Themen

Das Buch besteht aus acht klar umrissenen und gut strukturierten Kapiteln, die jeweils ein eigenes großes Thema behandeln: etwa Sünde, Wachstum und den Umgang mit Zeit. Anhand der Kriterien Problemdiagnose, biblische Wahrheitund Darstellung der Veränderung fasse ich drei Kapitel schlaglichtartig zusammen. Also: Wie sieht die Realität ohne Christus aus? Welches Licht wirft die biblische Wahrheit auf diesen Bereich? Und schließlich: Wie zeigt sich das neue Leben in Christus?

(1) Identität: Was macht mich aus?

Realität ist, dass wir trotz christlichem Bekenntnis oft ein unverändertes, gleichgültiges, angepasstes Leben führen. Die biblische Wahrheit holt uns aus diesem Trott heraus: „Jesus verändert alles im Leben eines Menschen, vom Offensichtlichen bis hin zum Verborgenen“ (S. 10). Und wie kann sich das neue Leben zeigen? Jaquelle Crowe schreibt:

„Wenn du für Jesus lebst, kannst du kein unverändertes Leben führen. Wenn das Evangelium wahr ist, wird es unausweichlich jeden kleinen Teil von uns verändern – was wir tun und denken und sagen und meinen, mit wem wir die Zeit verbringen, wen wir wertschätzen, wem wir zuhören und warum, und wie wir heute und morgen und für alle Ewigkeit leben. Es wird auf keinen Fall einfach, sicher oder immer bequem sein. Aber es wird gut sein.“ (S. 23)

(2) Gottes Geschichte: Wie steht es um mich?

Realität ist, das wir uns ständig selbst erfinden. Wir lassen uns selbst „in die Mitte eines lebendigen und aufregenden Abenteuers treten“ (S. 28). Die biblische Wahrheit nimmt uns jedoch aus unser Selbstzentriertheit heraus und in Gottes Geschichte und sein Handeln hinein. Das Evangelium verändert alles: Wir werden Teil von Gottes großer Geschichte. „Dies bedeutet, dass wir eine neue Weltsicht haben, d.h. eine neue Art und Weise, wie wir alles um uns herum wahrnehmen – Gut, Böse, Leiden, Sünde, die Gesellschaft, Schönheit, Schande, Zeit, Beziehungen. Dein Leben wird anders sein, weil du das glaubst“ (S. 41–42).

„Die biblische Wahrheit nimmt uns aus unser Selbstzentriertheit heraus und in Gottes Geschichte und sein Handeln hinein.“
 

Das neue Leben zeigt sich, indem wir uns von der Gnade Gottes prägen lassen. Die Gnade befreit uns aus einem Konzept der Selbstrettung. Die Autorin zitiert 2. Korinther 8,9, wo es heißt: „Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet.“ Crowe illustriert an ihrem eigenen Kampf mit dem Perfektionismus, wie Gnade die Dinge verändert:

„Gott muss den Perfektionisten in mir immer wieder abtöten, um meine Augen für die überwältigende und befreiende Wahrheit von der Gnade Gottes zu öffnen. Das geschieht immer und immer wieder. Ich setze mich mit hohen Erwartungen selbst unter Druck (z.B. in der Schule, beim Kochen, bei der Arbeit, beim Schreiben), und wenn ich sie nicht erfülle, bestrafe ich mich selbst. Dann pflege ich mein verletztes Ego, indem ich mich selbst davon überzeuge, dass ich würdig sein werde, wenn ich es nur besser machen kann und besser bin.“ (S. 39)

(3) Unsere Gemeinde: Wo gehören wir hin?

Realität ist, dass wir gern unser eigenes Ding machen und das Gemeindeleben oft nur ein Randthema ist. Jaquelle schildert das Familienleben von Manuela. Abgesehen von gelegentlichen Gottesdienstbesuchen zu Weihnachten oder Ostern nahm die Gemeinde kaum Raum ein (vgl. S. 46). Die biblische Wahrheit weckt in uns jedoch eine tiefe Zuwendung zu den Geschwistern:

„Das Evangelium verwandelt unser Herz und gibt uns die Sehnsucht, uns miteinander zu vereinen in einer Gemeinschaft von Gottes Volk.“ (S. 47)

„Es ist unmöglich (oder bestenfalls widersprüchlich), Jesus zu lieben und die Gemeinde zu hassen. Nachdem wir gerettet wurden und Teil der weltweiten Gemeinde geworden sind (die alle Christen überall mit einschließt), liegt es in unserer Verantwortung, uns einer Ortsgemeinde anzuschließen.“ (S. 47)

„Nachfolge Christi ist keine Sache für Einzelgänger, sondern etwas, das wir gemeinsam als Jesu Leib praktizieren.“
 

Das neue Leben zeigt sich darin, dass wir gemeinsam Gott feiern. Nachfolge Christi ist keine Sache für Einzelgänger, sondern etwas, das wir gemeinsam als Jesu Leib praktizieren (Jaquelle Crowe erörtert hier Röm 12,4–5 und 1Kor 12,24–26).

Klare Leseempfehlung

Jaquelle Crowe liest die Bibel und gute Bücher. Sie respektiert ihre Familie. Sie ist aktives Mitglied einer Gemeinde. Sie ist am Boden geblieben. Obwohl ihr Buch gerade nicht zur Selbstoptimierung ohne Evangelium auffordert und für verschiedene Lebensbereiche ausformuliert, was dies bedeutet, merkte ich beim Lesen schnell, dass diese Art von Buch den Ehrgeiz meiner alten Natur dennoch kitzelt. Diese ruft mir zu: „Noch schneller – noch mehr – noch besser!“ So wurde die Lektüre zu einer Form der Selbstprüfung.

Die Autorin unterlegt ihre Argumente durch den Band hindurch biblisch. Man spürt ihr ab, dass sie ihre Überlegungen nicht einfach aus dem eigenen Kopf oder ihrer Subkultur heraus entwickelt hat. Ich habe mit meinem 16-jährigen Sohn über das Anliegen und den Stil gesprochen. Wir sind uns einig, dass das Anliegen löblich und Evangeliums-zentrierte Bücher nötig sind. Wir fragten uns jedoch, ob es nicht genügt, allgemein über Heiligung – unabhängig vom Alter – zu schreiben und ob es ein solches Buch von einer jungen Autorin speziell für die junge Leserschaft braucht. Ich behaupte allerdings: „Ja!“ Ich kenne kaum junge Erwachsene, die in einer solchen Konsequenz mit Jesus leben möchten. Die wirkungsvollste Umsetzung sehe ich für den Einsatz in Jugendgruppen und für Kindern-Eltern-Lesezeiten. Vor allem wünsche ich mir, solche jungen Erwachsenen in unseren Gemeinden zu sehen. Man kann sie nicht „heranzüchten“. Sie sind das Resultat eines erweckten Herzens. Worauf ich als Vater mit einem Seufzer bete: „Herr, wecke mich auf. Heute. Jetzt!“

Buch

Jaquelle Crowe, Das verändert alles: Wie das Evangelium die Jugendjahre verwandelt, Reichshof-Mittelagger: Voice of Hope, 2021. 184 S., ca. 14,90 €

Hanniel Strebel hat an der Fachhochschule Betriebswirtschaft studiert und arbeitet in der betrieblichen Erwachsenenbildung. Nebenberuflich studierte er Theologie (MTh, USA) und promovierte über die Theologie des Lernens bei Herman Bavinck (PhD, USA). Er und seine Frau haben fünf Söhne. Hanniel bloggt unter www.hanniel.ch.