R.C. Sproul: A Life

Rezension von Timon Kubsch
14. Dezember 2021 — 4 Min Lesedauer

R.C. Sproul ist ein Name, an dem man bei der Beschäftigung mit reformierter Theologie nicht vorbeikommt. Besonders in Amerika hat dieser Mann mit seinen packenden Predigten, den tiefgehenden Lehreinheiten und der passenden Prise Humor ganze Generationen von Christen geprägt. Er gründete ein Studienzentrum, eine Bibelschule, eine Gemeinde, schrieb über 100 Bücher und kämpfte an vorderster Front gegen die sich ausbreitende liberale Theologie und für das Evangelium. Sein Buch Die Heiligkeit Gottes ist schon jetzt ein Klassiker, den man gelesen haben sollte. Neben all dem war er Zeit seines Lebens ein liebenswerter Ehemann, Vater und Freund. Sproul war ein Mann, dem man nacheifern kann. Kein Wunder, dass sein Tod im Dezember 2017 die Christenheit weltweit bewegte.

Stephen J. Nichols, ein langjähriger Mitarbeiter und Freund von R.C. Sproul, erzählt uns in dieser über 350 Seiten langen Biografie, was Sprouls Leben geprägt hat und gibt uns einen Einblick in das, was ihn in seinem fruchtbaren Dienst angetrieben hat.

Nichols beginnt das Buch mit einem Einblick in Sprouls letzte Lebensmonate, sowie in seine letzte Predigt, die uns einen Mann vor Augen malen, der leidenschaftlich und mit großer Liebe für Gott und die Menschen in Krankheit und bis zum Ende auf der Kanzel darum rang, dass Menschen mit Gott versöhnt werden.

Ein Mann mit Mut und Tatkraft

Dann springt das Buch zum Beginn von Sprouls Leben und nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die prägendsten Ereignisse, die ihn zu einem gefestigten Diener Christi gemacht haben. Wir erfahren von seiner Kindheit in Pittsburgh, die von der Stahlindustrie und dem Zweiten Weltkrieg geprägt war; von seiner Leidenschaft für Sport und von seinem akademischen Werdegang, der ihn Stück für Stück weg von der liberalen und hin zur reformierten Theologie drängte. Wir lesen von seiner Bekehrung durch einen äußerst ungewöhnlichen Bibelvers, der ihm die Heiligkeit Gottes und seine eigene Verlorenheit deutlich machte; von der Ehe mit seiner geliebten Frau Vesta und von dem großen Meilenstein für Sproul – die Gründung des Ligonier Valley Study Centers, welches wie kein anderer Ort mit R.C. Sprouls Namen verknüpft ist.

„Wenn man sich Sproul und Luther anschaut, dann findet man zahlreiche Parallelen.“
 

Danach wechselt der Fokus des Buches mehr auf Sprouls Liebe zur Apologetik und auf ihm wichtige theologische Schwerpunkte, wie die Irrtumslosigkeit der Schrift oder natürlich die Heiligkeit Gottes, welche Sproul gewissermaßen für seine Generation wiederentdeckte. Außerdem schreibt Nichols über Sprouls wachsenden Einfluss im amerikanischen Evangelikalismus, der es ermöglichte, seine Denomination und viele anderen Gemeinden vor der sich einschleichenden liberalen Theologie zu schützen. Zum Schluss darf man als Leser über das große Erbe staunen, das dieser Mann uns hinterlassen hat.

In den Fußstapfen Luthers

Neben vielen großen Theologen und Freunden, die Sprouls Leben beeinflusst haben, fällt ein Name in dieser Biografie besonders häufig: Luther. Und das aus gutem Grund. Wenn man sich Sproul und Luther anschaut, dann findet man zahlreiche Parallelen: Beide waren Männer mit einem authentischen Glauben – sowohl privat als auch öffentlich. Beide öffneten ihr Haus, um den Studenten den Glauben und die Ehe vorzuleben, statt nur davon zu sprechen. Beide hatten eine große Ehrfurcht vor Gottes Heiligkeit. Beide verband der Wunsch, Theologie – insbesondere die Liebe zum Wort Gottes und die Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade, durch Glauben an Christus – zu den Menschen zu bringen. Und sie beide waren sprachgewandt und verstanden es, die Menschen mit klaren, präzisen und manchmal auch humorvollen Worten zu überzeugen. Natürlich kann man den Verdienst beider Theologen nicht gleichsetzen und doch wird an den Parallelen deutlich, dass Sproul den Fußstapfen Luthers gefolgt ist.

Leseempfehlung

„Die Biografie ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben und von großer Anerkennung für Sprouls Leben geprägt.“
 

Die Biografie ist mit viel Liebe zum Detail geschrieben und von großer Anerkennung für Sprouls Leben geprägt. Dabei lässt Nichols den Leser nicht nur einen zugeneigten Blick auf das werfen, was diesen treuen Mann Gottes geprägt hat. Vielmehr scheint es durch die privaten Details, die ausführliche Beschreibung des Lebensweges, die vielen Zitate von Sproul selbst und durch mehrere heitere Passagen fast so, als ob man R.C. Sproul selbst beim Lesen kennenlernt. Was dabei meiner Meinung nach etwas zu kurz kommt, ist die Frage, wie Sproul – neben all den theologischen Debatten – im privaten Leben mit Rückschlägen und Leid umgegangen ist. Außerdem könnte manch einen deutschsprachigen Leser nicht nur die englische Sprache, sondern auch das teils sehr spezifisch amerikanische Vokabular etwas abschrecken, welches eine gewisse Kenntnis des amerikanischen Kontextes voraussetzt. Nichtsdestotrotz ist R.C. Sproul: A Life eine lesenswerte Lektüre für jeden, der sich von dem Leben dieses gottesfürchtigen Mannes inspirieren und seinen Fokus wieder neu auf Gottes Heiligkeit und Größe ausrichten lassen möchte.

Buch

Stephen J. Nichols, R.C. Sproul: A Life, Crossway, 2021, 371 Seiten, ca. 30,00 Euro.

Timon Kubsch hat Theologie an der FTH in Gießen und am Martin Bucer Seminar in München studiert. Er ist mit Angelina verheiratet. Sie haben einen Sohn. Derzeit ist Timon als Pastor in der FeG München-Ost angestellt.