Emil und das geheime Bild

Rezension von Julia Bär
22. November 2021 — 6 Min Lesedauer

Vor ein paar Jahren hat eines unserer Kinder in der Vorweihnachtszeit heimlich in eines der bereits verpackten Geschenke hineingeschaut. Kurz danach verkündete das Kind, dass es wisse, was es zu Weihnachten bekommen würde. Da wurde mir sofort klar, dass mein Kind in das Geschenk hineingeschaut hatte. Aber es leugnete hartnäckig die Tat und bestand darauf, dass es den Inhalt des Geschenks nur erraten hatte. Einige Stunden später gestand es unter Tränen den Ungehorsam, und wir konnten darüber sprechen, wie belastend es doch gewesen war, diese Sünde zu verheimlichen. Für das Kind war es dann so befreiend, seine Schuld zu bekennen, sie gemeinsam vor Gott zu bringen und Vergebung zu empfangen.

„Wir wollen jede Gelegenheit nutzen, um unseren Kindern die gute Nachricht weiterzugeben.“
 

Wir Mütter und Väter erleben doch immer wieder solche Geschichten mit unseren Kindern. Wir wollen sie nicht in ihrer Sünde stehen lassen und ihnen darüber hinaus helfen, praktische Schritte zu gehen. Wir wollen jede Gelegenheit nutzen, um unseren Kindern die gute Nachricht weiterzugeben. Wir wollen ihnen zeigen, dass sie es aus eigener Kraft nicht schaffen können.

Mit dem Buch Emil und das geheime Bild von Betsy Childs Howard gibt es nun auch ein neues christliches Kinderbuch, auf das wir in einer solchen Situation zurückgreifen können. Es ist wunderbar geeignet, unseren eigenen Kindern das Evangelium zu vermitteln. Meine Kinder haben mir das Buch sofort neugierig aus der Hand gerissen und während die Älteste las, hörten die beiden Kleineren ganz gespannt zu.

Sie fanden sich sofort in der Geschichte wieder. Auch sie haben meistens eine Stunde am Tag Zeit, in der sie in ihrem Zimmer alleine spielen sollen. Und selbstverständlich sind sie dabei immer sehr brav. Nein, natürlich konnten sie sich gut in Emils Situation hineinversetzen. Ihnen sind ähnliche Dinge passiert. Auf diese Weise werden Kinder in ihrer eigenen Lebenswelt angesprochen.

In der Geschichte macht Emil etwas Schlimmes, etwas Verbotenes, denn er malt an die Wand. Allein die illustrierten Gesichtsausdrücke helfen den Kindern, zu sehen, wie er es erst ganz bewusst tut und dann plötzlich merkt, was er getan hat. Eine Übertretung ist geschehen. Doch was machen wir damit? Diese Frage stellte ich auch meinen Kindern, während wir das Buch lasen. Leider ergeht es uns es oft wie Emil und wir versuchen, unsere Übertretung, das Schlimme, das wir getan haben, zu verstecken, und so wird es immer schlimmer.

Hier werden sich einige fragen, warum die Autorin das Wort „schlimm“ in einem Kinderbuch verwendet, wenn sie beschreibt, dass Emil etwas „Schlimmes“ getan hat. Manch einer ist vielleicht gegen eine so deutliche Wortwahl. Ich habe selbst ebenfalls einen Moment über diese Ausdrucksweise nachgedacht, weil ich sie so bisher nicht in einem deutschen Kinderbuch gelesen habe.

Aber ist Sünde wirklich so schlimm und unverständlich für unsere Kinder, dass wir sie nicht beim Namen nennen dürfen? Ich denke, hier dürfen wir als Eltern umdenken. Um ein klares Evangelium zu verstehen, müssen unsere Kinder verstehen, was Sünde, also etwas „Schlimmes“ ist, und dass sie uns eindeutig von Gott trennt. Wenn dies in der Kindheit nicht deutlich erklärt wird, kann ein Kind auch nicht verstehen, wie wunderbar die Rettung durch Gott ist.

Meine Kinder und ich konnten uns in die Situation in der Geschichte hineinversetzen. Auf dem Bild kann man sofort erkennen, dass es Emil nicht gut geht. Genau wie uns, wenn wir sündigen.

Dann ist es so weit. Emil will seine Übertretung wieder gut machen. Aber er schafft es nicht. All seine Bemühungen helfen nicht, alles wird sogar noch schlimmer. So schlimm, dass er sich versteckt. Etwas trennt ihn räumlich von seiner Mutter. Was für ein treffendes Bild dafür, wie wir uns fühlen, wenn wir gesündigt haben, und wie es Adam und Eva dabei ging. Die Sünde trennt uns von Gott.

Hier ist Emil dann erst einmal ganz allein. Bis seine Mutter kommt, und so wie Gott Adam und Eva nach dem Sündenfall rief, so ruft sie Emil heraus.

Und obwohl Emil seine Übertretung zunächst vor seiner Mutter leugnet, gibt er sie nach einer Weile doch zu. Emil empfindet Erleichterung, aber auch tiefe Traurigkeit über seine Sünde. Auch seine Mutter trauert mit ihm über sein Vergehen, so wie Gott mit uns, wenn wir sündigen. Durch die Gegenwart und Liebe seiner Mutter ist für Emil eine Umkehr möglich. Mich persönlich hat dieser Teil zutiefst berührt.

Dann erhält Emil Vergebung von seiner Mutter. Und er bekommt auch eine Strafe, muss also mit der Konsequenz seiner Sünde leben. So könnte die Geschichte jetzt enden. Und so würde sie möglicherweise auch enden, wenn dieses Buch nicht ein Buch mit christlicher Hoffnung wäre.

Denn wir haben eine Hoffnung, die darüber hinaus geht. Eine Hoffnung, dass selbst das Schlimmste, was wir tun, vergeben werden kann und jemand meine Schuld wegwischt. Wir sehen, wie Emil und seine Mutter sich freuen, wenn die Mutter über das Wegputzen mit dem Super-Schwamm spricht.

Wir lesen, wie die Mutter darüber spricht, wie es ihr mit der Sünde geht. Wie sie die Sünde selbst manchmal verheimlichen will. Wie auch sie selbst Hilfe braucht und wie Gott uns diese Hilfe anbietet, indem er seinen Sohn Jesus sandte.

Nun erkennen wir in diesem Buch ein wunderbares Ende.

„‚Vergeben ist viel, viel besser als verheimlichen!‘“
 

Wir lesen hier nicht „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ Wir lesen zwischen den Zeilen: Und wenn wir Gottes Vergebung annehmen, dann können wir ewig leben.

Auf der letzten Seite steht: „Vergeben ist viel, viel besser als verheimlichen!“

Diese Worte passen auch sehr gut zu dem Bibelvers, den wir auf der ersten Seite finden: „Wer seine Schuld verheimlicht, dem wird es nicht gelingen, wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen“ (Spr 28,13).

Liebe Eltern, dieses Buch sollte in keinem Kinderregal fehlen.

  1. Es ist kein Buch, das unseren Kindern moralisches Leben beibringt, sondern die gute Nachricht weitergibt.
  2. Es ist so geschrieben und illustriert, dass es jedem Kind leicht fällt, sich in Emils Situation hineinzuversetzen.
  3. Es gibt uns Eltern einen Leitfaden, wie wir mit einer ähnlichen Situation umgehen und das Evangelium in die Erziehung unserer Kinder einbringen können. Unsere Kinder müssen auch die schlechte Nachricht hören, damit wir ihnen die gute Nachricht weitergeben können. Wir können auch die Sünde und ihre Konsequenzen klar ansprechen.
  4. Es ermahnt uns Eltern selbst, unsere Sünde nicht wie Emil zu verheimlichen, da diese uns von Gott trennt.
  5. Dieses Buch kann uns auch in der Evangelisation und in Gesprächen mit anderen Christen nützlich sein. Anhand des Buches lässt sich gut erklären, warum Jesus für unsere Sünde sterben musste und Gott sie uns nicht einfach nur „vergeben“ konnte. Jemand musste dafür bezahlen, jemand musste diese Schuld wegwischen.
  6. Und nicht zuletzt ist es ein wirklich wunderschön illustriertes und liebevoll geschriebenes Buch.

Auf der letzten Seite finden wir eine Anmerkung für uns Erwachsene, die den Inhalt des Buches noch einmal in das Licht der Bibel und des Evangeliums rückt. Das ist hilfreich, wenn wir Eltern mehr Anleitung brauchen oder dieses Buch von einem jungen Christen gelesen wird.

Wie die Autorin am Ende schreibt, so möchte ich auch abschließen:

„Wir hoffen, dass Kinder [und Eltern] sich an Emils Geschichte erinnern werden, wenn sie ungehorsam und versucht sind, ihre Sünden zu verheimlichen. Man kann nicht früh genug lernen, aus der Heimlichtuerei ins Licht des Evangeliums zu treten, in dem das Blut Jesu uns reinigt und unser liebender Vater uns mit offenen Armen empfängt.“

Buch

Betsy Childs Howard, Emil und das geheime Bild, Bad Oeynhausen: Verbum Medien, 2021, 40 Seiten, 9,90 Euro. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Julia Bär ist passionierte Vollzeitmama von drei Kids und hat ein Herz für alle, die das Evangelium brauchen, ob klein oder groß. Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Stuttgart, hat dort audiovisuelle Medien studiert und auch ihren Mann Sascha kennengelernt. Nach elf Jahren der Gemeindegründung in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sind sie nun als Familie nach München gezogen, um die FeG München-West Freiham mitzugründen.