Men and Women in the Church

Rezension von Eowyn Stoddard
7. Oktober 2021 — 7 Min Lesedauer

Das neue Buch von Kevin DeYoung, Men and Women in the Church: A Short, Biblical, Practical Introduction, bietet keine „feuerscharfe Salsa“ (S. 16) (im Sinne einer kalkulierten Provokation), sondern „Hausmannskost“ mit einem „angstfreien Gang durch die einschlägigen biblischen Texte über Männer und Frauen in der Gemeinde“. Der Autor schreibt dabei „mit einem Blick für Klarheit und aktuelle Anwendung“ (S. 16). DeYoung ist Pastor, Professor und überaus produktiver Autor, der mit einem klaren Schreibstil, tiefgründigem theologischem Scharfsinn und mit der Fähigkeit, komplizierte Sachverhalte verständlich und strukturiert zu formulieren, überzeugt. Er erfüllt sein Versprechen eines kurzen, „intelligenten und lesbaren“ Buches (S. 20) – ich habe alle 152 Seiten in einem Rutsch durchgelesen, aber nicht etwa weil es sich dabei um theologisches Fast Food handeln würde! Ich empfehle das Buch jedem, für den dieses Thema neu ist: sowohl dem jungen Gläubigen, der versucht, sich in dem sexuellen Wirrwarr zurechtzufinden, als auch Paaren, die ein besseres Verständnis der Ehe bekommen möchten, oder jungen Gemeindedienern, die Frauen in ihr Gemeindeleben einbeziehen wollen.

„Die biblische Vorgabe der männlichen Leitung ist niemals eine Ausrede dafür, Frauen zu ignorieren, herabzusetzen oder Frauen auf irgendeine Weise zu missbrauchen.“
 

DeYoung geht es im Kern darum, den klassischen Komplementarismus zu bestätigen, der besagt, dass „Männer und Frauen nicht austauschbar“ sind, sondern dass sie „einander ergänzen, was bedeutet, dass sie nach einer göttlichen ,Zusammenstellung‘ funktionieren sollen“ (S. 14). Auch wenn das Wort etwas sperrig ist, beschreibt es dennoch am besten die Tatsache, dass Gott Männer und Frauen „unterschiedlich, aber zueinander passend“ (S. 19) erschaffen hat. Ich finde es wertvoll, wie demütig der Autor zugibt, dass der Komplementarismus gerade wegen seines Missbrauchs in scharfe Kritik geraten ist. Wie DeYoung klarmacht, ist „die biblische Vorgabe der männlichen Leitung niemals eine Ausrede dafür, Frauen zu ignorieren, herabzusetzen, die Beiträge von Frauen zu übersehen oder Frauen auf irgendeine Weise zu missbrauchen“ (S. 17).

Nahrhaft, grundlegend, sättigend

In Teil 1 untersucht DeYoung die wichtigsten biblischen Textstellen zu diesem Thema. Zunächst wendet er sich 1. Mose zu und arbeitet in 15 Punkten heraus, worin Adam und Eva gleich und worin sie unterschiedlich waren. Dann untersucht er, wie männliche Leiterschaft allgemein im Alten Testament ausgeübt wurde, was nicht bedeutet, dass Frauen keine leitenden Aufgaben innehatten. „Wir sollten männliche Leitung nicht mit weiblicher Passivität gleichsetzen”, bemerkt er (S. 38). Auch Frauen spielen eine Rolle in der Heilsgeschichte: Man denke dabei nur an die Frauen in 1. Mose, deren Handlungen das Gerüst für das Rettungswerk Gottes bilden.

Ab Kapitel 3 befasst sich DeYoung mit dem Neuen Testament und weist darauf hin, dass „Jesus mit dem, wie er sich für Frauen einsetzt, hinter keinem zurückstehen muss“ (S. 43), er aber nichtsdestotrotz durch die Wahl der Apostel die männliche Leitungsverantwortung bestätigt. Die Kapitel 4 bis 7 konzentrieren sich auf die Paulinische Theologie. DeYoung untersucht die Textstellen aus 1. Korinther 11, Epheser 5,22–33 und schließlich 1. Timotheus 2,8–15, die alle das allgemeine Modell von männlicher Leitung und Lehre in der Gemeinde und auch der Verantwortung des Mannes als Haupt in der Ehe bestätigen. Es geht ihm nicht darum, Frauen zum Schweigen zu bringen: „Das mindeste, was man sagen kann, ist, dass Gemeinden, die Frauen unter keinen Umständen erlauben, in der Gemeinde zu reden, sich den Anweisungen der Schrift widersetzen“ (S. 62). In der Ehe ist die Frau dazu berufen, zu unterstützen, zu respektieren und zu folgen, und der Mann zu leiten, zu opfern und zu sorgen. DeYoung schließt das Kapitel damit, dass er die Wichtigkeit einer richtigen Eheführung betont: Die Ehe spiegelt schließlich das Verhältnis von Christus und der Gemeinde wider. Es ist grundlegend wichtig, dieses Bild korrekt auszuleben, denn „es steht nichts Geringeres auf dem Spiel als Gottes Ehre“ (S. 74).

Zum Verdauen

In Teil 2 antwortet DeYoung auf einige grundsätzlichen Einwände, einschließlich der falschen Interpretation von Galater 3,28, der gegenseitigen Unterordnung in Epheser 5,21 und dem Vergleich der Unterordnung der Frauen mit der Sklaverei. Er sagt nicht, dass Frauen keine Leitungs- und Lehrbegabung hätten, oder dass sie nicht zum Dienst berufen seien, sehr wohl aber, dass dessen Rahmenbedingungen von der Schrift festgelegt sind.

Kapitel 9 schneidet das Thema der Erziehung von Jungen und Mädchen an, wobei es den klassischen Punkten der geschlechtlichen Unterscheidung folgt: äußeres Erscheinungsbild, Körper, Charakter, Verhalten und Arbeitshaltung. Dabei ist sich der Autor dessen bewusst, dass diese Sichtweise gegenläufig zu unserer modernen Kultur ist. Nichtsdestotrotz „kann Gottes geschaffene Ordnung nicht durch sündige menschliche Einfälle umgearbeitet werden. Männlichkeit und Weiblichkeit werden sich wieder behaupten. Die Frage ist nur, ob das gesund oder ungesund sein wird“ (S. 129).

Im letzten Kapitel setzt sich DeYoung mit dem Wesen von Männern und Frauen auseinander, die Seinsart, die Gottes Absicht untermauert. Mir scheint es dabei um die Frage zu gehen: Fokussieren wir uns mehr auf unsere Gleichheit und Einheit oder auf unsere Unterschiedlichkeit und Trennung? DeYoung zeigt, dass er verstanden hat, wie die Debatte um die Wesensart von Männern und Frauen sich über die Jahre entwickelt hat:

Jede Bemühung, sich für das biblisches Männer- und Frauenbild einzusetzen und dieses zu betonen, muss mit der Anerkennung beginnen, dass die geschlechtliche Unterschiedlichkeit nicht einfach nur etwas darüber aussagt, wer ein Ältestenamt bekleiden darf; es geht vielmehr darum, als welche Art seines Ebenbildes Gott uns unser Leben lang sehen möchte (S. 134).

„Die geschlechtliche Unterschiedlichkeit sagt nicht einfach nur etwas darüber aus, wer ein Ältestenamt bekleiden darf; es geht darum, als welche Art seines Ebenbildes Gott uns unser Leben lang sehen möchte.“
 

Außerdem: Männlichkeit und Weiblichkeit können nicht auf Autorität und Unterordnung oder Leitung und Pflege reduziert werden. Nichtsdestotrotz sind diese Merkmale bedeutsame Ausdrucksweisen dessen, was es bedeutet, ein Mann und eine Frau zu sein, die nicht allein in den Bezeichnungen wurzeln, die wir den Menschen geben, sondern in ihrer Natur selbst (S. 136).

DeYoung bringt das stichhaltige Argument in die Debatte ein, dass Männer und Frauen das ganze Leben unterschiedlich erleben, einschließlich der Nachfolge Christi als Männer und als Frauen. Wir überwinden unser Mannsein oder Frausein niemals, auch nicht in unserer Nachfolge.

Achtung: Nicht vegan!

Ein Hausmannskost-Menü wird normalerweise den Fleischessern gefallen, nicht aber den Veganern. In diesem Sinne wird dieses Buch insgesamt eher den Lesern zusagen, die zum Komplementarismus neigen. Es würde mich nicht überraschen, wenn die egalitaristischen Leser (d.h. diejenigen, die von der „Gleichheit“ von Mann und Frau, auch in Bezug auf Ämter in der Gemeinde, ausgehen) das Menü zu fade finden. Ausdrücke wie „die Unterordnung der Frauen“ (auch wenn DeYoung damit eine freiwillige Einordnung in die gottgegebene Struktur meint) können immer noch einen schlechten Nachgeschmack bei ihnen zurücklassen. Meine Hoffnung ist, dass sie wenigstens einen Bissen probieren.

Meiner Meinung nach sollte die Kirche biblische Korrektive an beiden Enden des Spektrums bieten: Kulturen, in denen Frauen unterdrückt werden, müssen die Botschaft von der Gleichheit und Freiheit in Christus hören, während Kulturen, in denen sowohl Männer als auch Frauen aus ihren weiblichen und männlichen Naturen „befreit“ worden sind, die Botschaft von Gottes wunderbarer, zweigeschlechtlicher Schöpfungsordnung brauchen. Dieses Buch fordert „progressive“ Gläubige dazu auf, Gottes Ordnung nicht zu verfehlen, und konservativere, als Männer und Frauen zu leben, die Licht auf das Evangelium werfen, anstatt es zu verschleiern.

Insgesamt bietet dieses Buch eine klare, freundliche und kompakte Darstellung, die das Potenzial dazu hat, in absehbarer Zukunft das schnelle und leichte Handbuch für den klassischen Komplementarismus zu werden.

Buch

Kevin DeYoung, Men and Women in the Church: A Short, Biblical, Practical IntroductionIllinois: Crossway 2021, 176 Seiten, ca. 19 Euro.

Eowyn Stoddard wurde als Tochter von Missionaren in Frankreich groß und studierte Deutsch am Welleley College, bevor sie einen Master in Theologie am Westminster Seminary in Kalifornien erwarb. Dort traf sie auch ihren Mann David. Sie heirateten im Jahr 1997 und zogen dann 2001 als Gemeindegründungsmissionare nach Ostberlin, wo sie herausgefordert war, postkommunistische Atheisten auf kreative Weise zu erreichen. Sie genießt momentan die offenen Türen, die sie im Dienst mit Flüchtlingen hat. Eowyn und David haben fünf Kinder.