Hör auf, dich zu bekehren, glaube!

Rezension von Boris Giesbrecht
29. September 2021 — 6 Min Lesedauer

Ist das nur ein reißerischer Buchtitel? J.D. Greear – Familienvater, Pastor, Autor und Präsident der Southern Baptist Convention – meint tatsächlich, was er schreibt. Aber bevor du jetzt gleich wegklickst, kann ich dich beruhigen: Greear ist nicht gegen Bekehrung. Er wendet sich mit seinem Buch vielmehr gegen eine falsch verstandene Bekehrung.

„Deshalb darfst du aufhören, Jesus ‚immer wieder in dein Herz zu bitten‘ und stattdessen den Versprechen der Bibel vertrauen.“
 

Wenn du dich schon seit ein paar Jahren als Christ bezeichnest, dann kennst du vermutlich diese Fragen: Hast du eine echte Bekehrung erlebt? Hast du deine Taten wirklich bereut? Hast du dich Gott ganz hingegeben? Hast du das Evangelium überhaupt richtig verstanden? Wenn das Fragen sind, die du dir schon mal gestellt hast, dann hat Greear dieses Buch für dich geschrieben. Er will dir dabei helfen, Gewissheit deiner Errettung zu finden. Deshalb darfst du aufhören, Jesus „immer wieder in dein Herz zu bitten“ und stattdessen den Versprechen der Bibel vertrauen.

Zusammenfassung des Inhalts

Greear geht das Thema in acht Kapiteln an. Im ersten Kapitel zeigt er zunächst auf, dass es auch eine falsche Sicherheit gibt. Die in christlichen Kreisen häufig verwendete Formulierung „Bitte Jesus darum, in dein Herz zu kommen“ kann gut gemeint sein, aber fatale Folgen haben. Einige Menschen wiegen sich dadurch vielleicht in falscher Sicherheit und reden sich ein: „Ich habe Jesus irgendwann mal in mein Leben gelassen, also bin ich gerettet, unabhängig davon, wie ich lebe.“ Bei anderen kann dieser Satz dagegen unnötige Zweifel auslösen. Sie fragen sich: „Habe ich es damals, als ich die Bitte ausgesprochen habe, wirklich ernst gemeint?“

Die Frage, ob Gott überhaupt will, dass du Sicherheit über deine Errettung hast, beantwortet Greear im zweiten Kapitel mit einem klaren „Ja“. Nichts anderes will Jesus, der sich in der Bibel als dein Bräutigam und Freund vorstellt, für dich. Und Greear stellt klar: Gewissheit ist nicht nur ein gutes Gefühl, sondern die Kraftquelle, um nach Gottes Geboten zu leben, denn ohne vollkommen davon überzeugt zu sein, was Gott für dich getan hat, kannst du Gott nicht lieben. Das dritte Kapitel mit der Überschrift „Jesus für mich“ liefert die Begründung für eine solche Gewissheit. Wenn du auf dich und deine Bekehrung schaust, wirst du dich zu Recht fragen müssen, ob das ausreicht. Gründest du aber deine Gewissheit auf das, was Christus an deiner Stelle getan hat, darfst du dir deiner Errettung sicher sein. Du kannst nichts tun, was Gott dazu bringen würde, dich mehr oder weniger zu lieben.

Die nächsten zwei Kapitel liefern eine biblische Definition von „Glaube“ und „Buße“. Zusammenfassend für beide Kapitel kann gesagt werden: Buße ist Glaube in Aktion. Leider versuchen manche Menschen Gewissheit zu finden, indem sie sich an ihre Bekehrung in der Vergangenheit erinnern. Greear stellt klar, dass die Haltung des Glaubens zwar in einem Moment der Vergangenheit begonnen hat, aber ein ganzes Leben lang andauert. Wenn du also Gewissheit deines Glaubens haben möchtest, lautet die entscheidende Frage nicht „War deine damalige Bekehrung echt?“, sondern: „Vertraust du jetzt auf das Werk Jesu?“ Wenn du dich dann aber fragst, ob dein geteiltes Herz auch jetzt genug Glauben enthält, erinnert dich Greear:

„Der Glaube an das Evangelium wird nicht dadurch sichtbar, dass du nicht mehr fällst, sondern dadurch, wie du reagierst, wenn du fällst.“ (S. 96–97)
„Wenn du auf dich und deine Bekehrung schaust, wirst du dich zu Recht fragen müssen, ob das ausreicht.“
 

Wenn der Satz „Einmal gerettet – immer gerettet“ stimmt, warum warnt die Bibel dann immer wieder vor dem Verlust der Errettung? Greear erklärt im sechsten Kapitel, dass dieser Satz nicht falsch, aber unvollständig ist. Anhand der wesentlichen Bibelstellen stellt er rettenden Glauben als einen Glauben dar, der bis ans Ende ausharrt. Du solltest also die Warnungen der Bibel, die als Ermutigung für dich gedacht sind, am Glauben dranzubleiben, nicht dazu missbrauchen, dich von ihnen entmutigen zu lassen.

Im siebten Kapitel nennt er die Früchte des Glaubens: Die Liebe zu Gott und zum Nächsten wächst. Falls du an diesem Punkt wieder zu zweifeln beginnst, weil du in deinem Leben immer noch einen Hang zur Selbstsucht oder zum Götzendienst feststellen kannst, hat Greear eine weitere Wahrheit für dich:

„Die Tatsache, dass du einen inneren Kampf gegen die Sünde erlebst, kann an sich schon ein Beweis dafür sein, dass Gottes Geist in dir wirkt.“ (S. 151)

Und wenn du noch immer zweifelst und die Errettung nicht fühlen kannst? Dann rät dir Greear in seinem achten Kapitel:

„Versuche nicht, durch Gefühle zum Glauben zu kommen, sondern entwickle deine Gefühle durch den Glauben.“ (S. 159)

Warum solltest du also aufhören, dich immer wieder zu bekehren? Der Untertitel zum reißerischen Buchtitel bringt Greears Anliegen im Buch auf dem Punkt: Weil deine Errettung allein von Jesus abhängt! Darauf kannst du vertrauen.

Zwei kurze Anhänge runden das Buch ab. Der erste Anhang beschäftigt sich mit der Frage, welche Möglichkeiten du hast, wenn du der Meinung bist, dass du erst nach deiner Taufe wiedergeboren wurdest. Christen, die nicht von einem baptistischen Taufverständnis ausgehen, werden hier nicht allen seinen Ratschlägen folgen wollen. Das schmälert aber keinesfalls den Wert des Buches. Der zweite Anhang stellt den Zusammenhang zwischen Heilsgewissheit und der Rechtfertigung aus Glauben dar.

Beurteilung

Warum lohnt sich das Buch? Es wird sich bei der Suche nach der Gewissheit deines Glaubens als äußerst hilfreich erweisen. Ehrlich und humorvoll berichtet Greear von seinen eigenen Erfahrungen. Er verwendet anschauliche Illustrationen und geht verständnis- und rücksichtsvoll auf deine Zweifel und Fragen ein. Und vor allem gelingt dem Buch das Wesentliche: Es weckt deine Freude am Evangelium, der guten Nachricht von Jesus. Auch wird das Buch dafür sorgen, dass du dir beim Lesen an der einen oder anderen Stelle ein Grinsen nicht verkneifen kannst. So ist Greear der Überzeugung, den Weltrekord darin zu halten, Jesus ins Herz gebeten zu haben. Er gibt auch zu, dass er insgesamt viermal wiedergetauft wurde und kommentiert dies mit den Worten: „Vermutlich hätte ich sogar Anspruch auf eine eigene Umkleidekabine in der Taufumkleide gehabt“ (S. 7).

Dem Verlag sind leider an der einen oder anderen Stelle Flüchtigkeitsfehler unterlaufen. Das schmälert aber nicht den Nutzen des Buches. Mit der Übersetzung dieses Buches hat der Verlag einen wertvollen Dienst für den deutschsprachigen Raum geleistet.

Fazit

Wer sollte das Buch lesen? Dieses Buch wird jedem Christen guttun. Auf jeden Fall sollte es jungen oder zweifelnden Christen in die Hand gedrückt werden. Außerdem gehört es in das Bücherregal von jedem Pastor (natürlich erst, nachdem er es selbst gelesen hat). Es ist eine wertvolle Ressource, wenn es in der Seelsorge um Fragen der Heilsgewissheit geht.

Buch

J.D. Greear, Hör auf, dich zu bekehren, glaube! Warum unsere Errettung allein von Jesus abhängt, Leun: Herold Verlag, 2021, 195 Seiten, 9,99 Euro. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Boris Giesbrecht ist Studienleiter und Dozent an der Akademie für Reformatorische Theologie (Gießen). Gemeinsam mit seiner Frau Maria haben sie drei Kinder und sind Teil der Bekennenden Evangelisch-reformierten Gemeinden Gießen.