Der, die, was?

Rezension von Peter Prock
20. Juli 2021 — 6 Min Lesedauer

Unbedingt lesenswert

„Dieses leicht verständliche Buch gehört […] in die Hände aller Eltern, […].“ Diesem Urteil aus dem Vorwort von Matthias Lohmann, dem 1. Vorsitzenden von Evangelium21, zu Der, die, was? Gender-Ideologie und biblische Schöpfungsordnung von Sharon James schließe ich mich uneingeschränkt an.

„Gender“ begegnet uns heute in immer mehr Bereichen unseres Alltags. Wahrscheinlich ist aber nicht allen Eltern bewusst, wie gezielt auch unsere Kinder – und zwar von klein auf – mit dieser Ideologie indoktriniert werden sollen.

Sharon James gibt uns in diesem Büchlein von 172 Seiten einen guten Überblick über Inhalte, Hintergründe und Ursprünge der Gender-Ideologie. Dies macht sie aber nicht wie von einem Lehrerpult aus. Sie nimmt uns vielmehr von Anfang an mit hinein in die Thematik, indem sie die verschiedenen Themenbereiche anhand von aktuellen und für uns alle nachvollziehbaren Beispielen aufrollt.

Die Gender-Ideologie

Dass man bei Gender-Mainstreaming (so der offizielle Begriff) tatsächlich von einer Ideologie sprechen muss, zeigt die Autorin sachlich anhand verschiedener Argumente auf: Die ganze Theorie ist mit wissenschaftlichen Argumenten nicht zu belegen. Im eigentlichen Sinn des Wortes dürfte man gar nicht von einer Theorie sprechen, da es sich doch nur um eine sehr subjektive Hypothese handelt, zu der es keinerlei wirklichen wissenschaftliche Indizien gibt. Beobachtbare Phänomene wie etwa, dass Menschen sich in ihrer Identität anders fühlen, als ihr biologisches Geschlecht es vorgibt, lassen sich auch anders sehr gut erklären. Die Theorie, nach der man zwischen dem biologischen Geschlecht (englisch sex) und einem gesellschaftlichen bzw. anerzogenen Geschlecht (englisch gender) unterscheiden müsse, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Als weiteres Indiz für den ideologischen Charakter bringt James eindeutige Beispiele der Unterdrückung von Fakten: So werden Berichte von Menschen, die nach Jahren einer Odyssee im anderen Geschlecht den Irrtum dieser Ideologie erkennen, systematisch heruntergespielt und ausgeblendet. Ebenso ist in den Medien kaum zu lesen, dass die Betroffenen keinerlei langfristige Besserung ihrer Gesamtsituation erfahren haben, sondern obendrein noch mit einem durch Hormone und Operationen verstümmelten Körper dastehen. Die Not ist danach meist schlimmer als vorher. Aber sogar wissenschaftliche Untersuchungen und Fachmeinungen von medizinischen und psychologischen Experten werden konsequent aus der öffentlichen Diskussion verbannt. Oft werden diese sogar mit Begriffen wie „transphob“ belegt. Durch solche Worthülsen und Pauschalurteile, die man auch in anderen Diskussionen zu aktuellen Spannungsfeldern beobachten kann, entledigt man sich der Fakten, die nicht in das eigene Bild passen – und das ohne eine sachliche Auseinandersetzung damit. Das hervorstechende Merkmal ist hierbei also nicht ein Ringen um die Wahrheit, worum es in der Wissenschaft eigentlich gehen sollte. Stattdessen handelt es sich um die einseitige Etablierung einer Ideologie – und das mit allen Mitteln, die in unserer Medienwelt zur Verfügung stehen.

„Die Unterscheidung zwischen dem biologischen  und einem gesellschaftlichen Geschlecht entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage.“
 

Man reibt sich bei der Lektüre dieses Buches die Augen darüber, wie es möglich sein kann, dass diese Ideologie so breite Kreise der Gesellschaft (wie Forschung, Bildung und Politik) und zunehmend auch unseren Alltag vereinnahmt. Man wird an das Bibelwort aus dem Römerbrief 1,22 erinnert: „Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden.“ oder auch an das Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Es wird uns etwas als wichtig und toll vorgegaukelt, was in Wahrheit ein schlimmer Irrtum – um nicht zu sagen Betrug – ist.

Indoktrination unserer Kinder

Leider aber können wir die Gender-Ideologie nicht mit einem ungläubigen Kopfschütteln zur Seite legen, da sie – wie Sharon James klar belegt – unseren Kindern systematisch eingetrichtert werden soll. Durch frühkindliche und schulische Sexualerziehung hält sie Einzug in die Kindergärten (!) und die Klassenzimmer von Pflichtschulen. Jeder Vater und jede Mutter ist gut beraten, sich sehr zu interessieren, was ihre Kinder so alles in der Schule „lernen“, auch wenn sich dadurch außerordentlich spannungsgeladene Situationen ergeben können. Denn den Eltern wird zunehmend die Hoheit über die Erziehung ihrer Kinder entzogen. Das bekommen sie in solchen Bereichen hart zu spüren. In diesem Zusammenhang ist mir wieder neu der Wert von christlichen Schulen klar geworden. Als mehrjähriger Vorstand eines Trägervereins für solche Schulen möchte ich Eltern ermutigen, diese Alternative für ihre Kinder besonders im Pflichtschulbereich zu erwägen. Je kleiner die Kinder sind, umso stärker werden sie geprägt. Genau das machen sich Gender-Ideologen zunutze.

„Je kleiner die Kinder sind, umso stärker werden sie geprägt. Genau das machen sich Gender-Ideologen zunutze.“
 

Neben der Schule spielen auch die sozialen Medien eine wichtige Rolle. Die Autorin zeigt anhand von Statistiken, dass die Anzahl von Teenager-Mädchen, die meinen, „im falschen Körper geboren zu sein“, innerhalb von weniger als zehn Jahren um 4415 % angestiegen ist (das ist eine 40-fache Steigerung). Teenager werden ganz gezielt über ihre Smartphones etc. mit Gender-Gedankengut überschwemmt und mit entsprechenden Peers vernetzt.

Wichtige Verhaltensempfehlungen

Es geht der Autorin aber um mehr, als nur all das Üble im Zusammenhang mit der Gender-Ideologie anzuprangern. Besonders hilfreich ist ein Kapitel über den göttlichen Plan der zwei Geschlechter (Kapitel 5 ab S. 87). Auch wir als Erwachsene müssen uns immer wieder neu darauf besinnen, was die Heilige Schrift uns dazu lehrt. Auch wir sind tagtäglich der Gehirnwäsche einer durch und durch sexualisierten Welt mit all ihren Vorstellungen und ihrer Begrifflichkeit ausgesetzt. Auch wir brauchen sowohl für uns selbst als auch für die Erziehung unserer Kinder eine klare Grundlage.

Ebenso hilfreich sind konkrete Vorschläge, was man als Eltern tun kann (im Kapitel 6, v. a. S. 137 ff.) und Hinweise auf weiterführende Literatur und Internetseiten sowie Fachstellen nach jedem Kapitel bzw. am Ende des Buches.

Erfrischend ist auch der „Aufruf zu einem respektvollen Umgang“ (Kapitel 7 ab S. 147). Ich beobachte nicht selten unter uns Christen, dass wir uns in der Auseinandersetzung mit der Lüge schnell zu hitzigen Diskussionen hinreißen lassen, anstatt von Liebe geprägt zu reagieren. Dadurch aber kommen wir nicht nur nicht ans Ziel, sondern verunglimpfen dabei leider auch das Zeugnis für das Evangelium. So konsequent wir einerseits unsere Kinder schützen müssen, so sehr sind wir andererseits herausgefordert, die Wahrheit in Liebe zu sagen (vgl. Eph 4,15) und Menschen (wie z. B. Lehrer, Politiker etc.) über die Unwahrheit dieser Ideologie zu informieren.

Fazit

Dieses Buch ist ein Muss für alle Eltern, für Lehrer und für all jene, die sich für die Thematik interessieren oder davon betroffen sind (und das sind leider immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft). Sharon James gelingt es, in einem Buch von nur 172 Seiten auf leicht lesbare Art und Weise doch ziemlich tief in die Materie einzudringen, den Bezug zum Alltag herzustellen und konkrete Handlungsempfehlungen abzugeben.

Zum Schluss noch ein Tipp: Der herausgebende CLV-Verlag ermöglicht sogar den PDF-Download seiner Bücher, so auch von Der, die, was?. Der Preis von 9,90 € sollte uns aber vom Kauf der Printausgabe nicht abhalten.

Buch

Sharon James, Der, die, was? Gender-Ideologie und biblische Schöpfungsordnung, Bielefeld: CLV, 2021.

Peter Prock Peter Prock ist Pastor einer Freien Evangelischen Gemeinde im Kanton Zürich (Schweiz) und im Vorbereitungsteam für die Regionalkonferenzen von Evangelium21 in der Schweiz. Als Mediziner interessiert er sich auch für gesundheitliche und ethische Themen. 2019 veröffentlichte er mit seiner Frau Gabriele das Buch Essen ist mehr. Ernährung aus biblischer, wissenschaftlicher und praktischer Sicht. Die beiden sind Eltern von drei erwachsenen Töchtern und inzwischen bereits Großeltern, was ihnen viel Freude beschert.