Ist Gott homophob?

Rezension von Wolfgang Häde
9. Juli 2021 — 3 Min Lesedauer

Vor ein paar Jahren las ich Sam Allberrys Buch auf Englisch und hatte sehr schnell die Überzeugung: Dieses Buch müsste es auch auf Deutsch geben. Ich versuchte sogar – wenn auch erfolglos –, das zu organisieren. Umso mehr hat es mich gefreut, dass dieses wichtige Hilfsmittel jetzt in unserer Sprache vorliegt.

Was das Buch von Allberry, anglikanischer Priester, Redner und Autor, gegenüber anderen durchaus wichtigen Abhandlungen über Homosexualität hervorhebt, sind zwei besondere Perspektiven. Zum einen schreibt der Autor offen darüber, dass er selbst zu den Menschen gehört, die gleichgeschlechtliche Anziehung empfinden. Aufgrund seiner Liebe zu Christus und dem klaren biblischen Zeugnis zu diesem Thema hat er sich aber entschlossen, sexuell enthaltsam zu leben.

„Die Forderung, auf etwas um des Evangeliums willen zu verzichten, gilt nicht nur für den Menschen, der gleichgeschlechtliche Anziehung empfindet.“
 

Sein Buch gerät jedoch durchaus nicht zu einer introspektiven Aufarbeitung der Gefühle des Autors. Vielmehr ist die zweite und die Gedanken beherrschende Perspektive, dass es etwas viel Wichtigeres gibt – nicht nur als Homosexualität, sondern als Sexualität allgemein –, nämlich den radikalen Ruf Jesu in seine Nachfolge. Dieser Ruf fordert jeden Menschen auf, sich selbst zu verleugnen, von Sünde umzukehren und die Gemeinschaft mit Jesus über alles zu stellen. Die Forderung, auf etwas als wichtig Empfundenes um des Evangeliums willen zu verzichten, gilt also nicht nur für den Menschen, der gleichgeschlechtliche Anziehung empfindet: „… das Evangelium fordert von jedem von uns alles“ (S. 18, Hervorh. i. Org.). Allberry wehrt sich folgerichtig auch dagegen, die Identität eines Menschen, besonders die eines Christen, durch seine sexuelle Orientierung bestimmt zu sehen. Der Christ findet im Glauben seine Identität in Christus.

Von dieser doppelten Perspektive aus untersucht Allberry dann (S. 22–58) kurz, aber prägnant und überzeugend, was die Bibel über Homosexualität sagt, und kommt dabei zu dem unmissverständlichen Schluss: „Was Jesus betrifft, gibt es für uns nur zwei gottgemäße Alternativen: (heterosexuelle) Ehe oder Enthaltsamkeit“ (S. 58). Auf dieser Grundlage gibt der Autor dann homosexuell empfindenden Christen wertvolle seelsorgerliche Ratschläge (S. 60–90). Neben anderem geht es ihm wieder darum, dass solche Gefühle den Christen nicht definieren. Er hebt außerdem hervor, dass Singlesein auch im Reich Gottes eine reale Möglichkeit zu einem mit Christus erfüllten Leben ist. Betroffene brauchen aber die Gelegenheit, offen über ihre Kämpfe zu sprechen und auch als Singles ihren vollwertigen Platz in der christlichen Gemeinde zu finden.

„Allberry fordert liebende Annahme für jeden, der in unsere Gemeinden kommt, aber gleichzeitig klare Lehre über Gottes Plan für Sexualität.“
 

Sehr praktisch sind die Ratschläge an Gemeinden, die mit der Tatsache umzugehen haben, dass unter suchenden Menschen, aber auch unter überzeugten Christen, Menschen sein werden, die gleichgeschlechtliche Anziehung empfinden (S. 92–110). Allberry fordert liebende Annahme für jeden, der in unsere Gemeinden kommt, aber gleichzeitig klare Lehre über Gottes Plan für Sexualität. Schließlich gibt das Kapitel „Homosexualität und die Welt“ (S. 112–123) noch Tipps für den Umgang mit homosexuellen nichtchristlichen Freunden.

Ich hoffe, dass dieses wichtige Buch weit verbreitet wird – und hoffentlich auch gelesen und beachtet. Dazu beitragen können sicher der neugierig machende Titel, die sehr gute Übersetzung durch Evangelium21 und der äußerst vernünftige Verkaufspreis.

Buch

Sam Allberry, Ist Gott homophob? Und andere Fragen über Homosexualität, die Bibel und gleichgeschlechtliche Anziehung, Dillenburg: Christliche Verlagsgesellschaft, 2021, 133 S., 4,90 Euro. Das Buch kann auch direkt beim Verlag bestellt werden.

Wolfgang Häde ist mit seiner türkischen Frau Janet für das Martin-Bucer-Seminar in der Türkei und in Deutschland tätig. Außerdem ist er als Gemeindereferent für die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ unterwegs.