Die Geheimwaffe der Weltmission

Artikel von Sascha Bär
23. Juni 2021 — 6 Min Lesedauer

Millie und Josh hatten das Ende ihres zwei-jährigen Missionsdienstes in den Vereinigten Arabischen Emiraten erreicht. Sie waren gerade dabei, ihre dortige Wohnung aufzulösen, da rannte das kleine Nachbarsmädchen durch die offenstehende Wohnungstür. Trotz Umzugsstress nahm sich Millie Zeit, mit der hinterhereilenden Mutter ins Gespräch zu kommen und säte den ersten Samen des Evangeliums in ihr Herz. Danach vermittelte sie den Kontakt zu anderen Gemeindemitgliedern, die mit der jungen muslimischen Mutter anfingen, die Bibel zu lesen. Kurze Zeit später kam sie zum Glauben und brachte ihren Mann mit in die Gemeinde. Während eines Gottesdienstes predigte der Pastor über das Himmelreich. Diese Predigt sprach dem Mann ins Herz, denn er hatte durch die liebevolle Gemeinschaft das Himmelreich innerhalb der Gemeinde schon hautnah erlebt. Er bekehrte sich, beide wurden getauft und leben ihren Glauben nun in der Gemeinde aus. Wie wurde dieses unerreichte Ehepaar mit dem Evangelium erreicht? War es eine Einzelaktion von Millie oder das Kollektivzeugnis der gesamten Gemeinde? Veranschaulicht dieser Bericht nicht vielmehr das biblische Prinzip, das einer sät, ein anderer begießt, aber Gott das Gedeihen schenkt?

Der Missionsbefehl ist kein Einzelunterfangen, sondern ein Gemeinschaftsauftrag! Leider gerät das heutzutage oft in Vergessenheit. Es wird viel Wert auf Kontextualisierungsmethoden, Jüngerschaftsstrategien oder Gemeindegründungstrends gelegt, aber die eigentliche Geheimwaffe der Weltmission wird oft vernachlässigt oder sogar komplett vergessen.

„Der Missionsauftrag ist an die Gemeinde gerichtet und wird von der Gemeinde ausgeführt, damit neue Gemeinden entstehen.“
 

Die Bibel zeigt uns auf, dass die Geheimwaffe der Weltmission nicht irgendein Trend, eine Strategie oder Methode ist, sondern die Gemeinde. In Matthäus 28,18–20 gibt Jesus seinen Jüngern stellvertretend für die Gemeinde den Auftrag, alle Völker zu Jünger zu machen. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie die Urgemeinde in Jerusalem und später in Antiochia diesen Auftrag ausführte und dadurch im ganzen römischen Herrschaftsgebiet neue Gemeinden entstanden. Darin erkennen wir das biblische Prinzip, dass der Missionsauftrag an die Gemeinde gerichtet ist und von der Gemeinde ausgeführt wird, damit neue Gemeinden entstehen. Aus diesem Grundsatz können wir drei Gründe ableiten, die uns erklären, warum ausgerechnet die Gemeinde die Geheimwaffe der Weltmission ist.

1. Die Gemeinde ist von Christus bevollmächtigt

Dem auferstandenen Herrn Jesus ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben worden. Und in dieser Allmacht befugt und bevollmächtigt er seine Gemeinde, seinen Missionsauftrag zu erfüllen. Der Missionsbefehl ist nicht in erster Linie an ein Missionswerk oder an einen einzelnen Missionar gerichtet, sondern an die Gemeinde. Somit ist die Gemeinde insbesondere dazu bevollmächtigt, den Auftrag zu erfüllen.

Wie kann das praktisch aussehen? Die Gemeinde sollte die Marschroute für die Weltmission vorgeben. Ortsgemeinden sollten die Initiative ergreifen, die Vision für Mission schaffen und Missionare aussenden.

So war es doch auch bei der allerersten Missionsreise von Paulus und Barnabas. Sie wurden von der Gemeinde in Antiochia für ihren Dienst ausgesandt. Sie verstanden sich als Botschafter an Christi statt. Als sie zurückkamen, berichteten sie über all das, was Gott unter den Heidenvölkern bewirkt hatte. Die Ortsgemeinde war wesentlich an ihrem Missionseinsatz beteiligt.

So habe ich es auch hier auf der arabischen Halbinsel erlebt. Die ersten zwei Dienstjahre verbrachte ich in einer Ortsgemeinde in Dubai. Durch Gottes souveränes Wirken ergab sich die Möglichkeit, im Norden des Landes eine neue Gemeinde zu gründen. Wir wurden als Teil einer Gemeindegründungsgruppe vorbereitet, zugerüstet, ausgesandt und über mehrere Jahre von der Muttergemeinde in Dubai unterstützt.

Jesus hat seine Gemeinde bevollmächtigt, seine Botschafter zu sein. Und wen er bevollmächtigt, den befähigt er auch.

2. Die Gemeinde ist von Christus befähigt

Der Missionsdienst sollte nie von der Gemeinde ausgelagert werden. Die treibende Kraft der Weltmission muss immer die Gemeinde bleiben, denn Gott hat die Gemeinde mit all seinen Gliedern besonders dazu befähigt, diesen Auftrag zu erfüllen. Es braucht keine Einzelkämpfer. Die gesamte Gemeinde muss an einem Strang ziehen, damit der Missionsbefehl gelingt.

Paulus hat das in seinem Dienst vorgelebt. Dieser war geprägt von Zusammenarbeit und Beteiligung der Gemeinde. Er war kein einsamer Wolf, sondern hatte immer unverzichtbare Mitstreiter dabei: Barnabas, Silas, Timotheus, Titus, Lukas, Aquila & Priscilla und noch viele mehr. Die Gaben und Fähigkeiten aller Glaubensgeschwister waren unabdingbar für die Evangelisation der Völker. Die Gemeinde in Philippi war für Paulus ein Teilnehmer am Evangelium (Phil 1,5). Die Korinther waren mit ihm Botschafter an Christi statt (2Kor 5,20). Und er sah die Ortsgemeinde in Rom als Ausgangspunkt, um von dort aus Christus im unerreichten Spanien zu verkünden (Röm 15,23–24). In seinem Missionsdienst verließ er sich auf die Gemeinde, da die Gemeinde von Christus befähigt worden war.

Was bedeutet das für uns? Wir können gemeinsam viel mehr erreichen als jeder für sich. Ganz gewöhnliche Gemeinden, zusammengesetzt aus ganz gewöhnlichen Glaubensgeschwistern, sind von Christus durch den Heiligen Geist dazu befähigt, treu und mutig den Missionsbefehl zu erfüllen. Egal ob in Deutschland oder Arabien – der Nährboden, in dem Jünger gemacht werden, ist die Gemeinde.

3. Die Gemeinde ist von Christus bestätigt

Wenn Christus seine Gemeinde bevollmächtigt und befähigt, den Missionsauftrag auszuführen, dann wird er auch sicherstellen, dass die Gemeinde in der Erfüllung dieses Auftrages bestätigt wird. Mit anderen Worten: Jesus Christus wird seine Gemeinde bauen. Das ist seine unumstößliche Verheißung und seine unwiderrufliche Bestätigung. Vereine, Stiftungen, Missionsgesellschaften, so gut sie auch alle sind, werden vergehen, aber die Gemeinde des Herrn Jesus wird ewiglich bestehen.

Diese Zusage gab Paulus den Mut, das Evangelium bis an die Enden der Welt zu bringen. Er war zuversichtlich, dass der, der sein gutes Werk in den Gemeinden angefangen hatte, es auch vollenden würde (Phil 1,6). Die Erfüllung des Auftrages war für ihn nie in Zweifel, denn sie beruhte auf der unumstößlichen Verheißung von Jesus Christus.

„Keine Gemeinde ist zu klein oder zu unbedeutend, um Teilhaber am Evangelium zu sein.“
 

Wir befinden uns im 21. Jahrhundert und trotz aller Anfechtungen, Widrigkeiten und Verfolgung kann kein irdischer Herrscher und keine dämonische Kraft den unaufhaltsamen Siegeszug der Gemeinde stoppen. Wer hätte gedacht, dass im Herzen von Arabien innerhalb von zehn Jahren acht weitere evangelikale Gemeinden entstehen würden. Jesus Christus baut und bestätigt seine Gemeinde. Und wenn er es dort machen kann, dann sicherlich auch in Deutschland. Keine Gemeinde ist zu klein oder zu unbedeutend, um Teilhaber am Evangelium zu sein. Mission beginnt vor der eigenen Kirchentür. Deine Gemeinde könnte damit beginnen, eure Nachbarschaft oder euren Stadtteil zu missionieren. Ihr könntet eine Partnergemeinde im Ausland ins Gebet mitaufnehmen. Oder ihr könntet eure eigenen Gemeindemitglieder für die Auslandsmission ausrüsten.

Sascha Bär diente die letzten 11 Jahre im Gemeindedienst in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ab Herbst 2021 wird er sich einer Gemeindegründung in München widmen. Er ist mit Julia verheiratet und Vater von drei Kindern.