Etwas muss sich ändern

Rezension von Thomas Koch
17. Juni 2021 — 5 Min Lesedauer

Das Reisetagebuch Etwas muss sich ändern – Wie sieben Tage im Himalaja mir gezeigt haben, was wirklich zählt von David Platt nimmt den Leser mit auf eine emotionale und besondere Trekkingtour durch den Himalaja. Die deutsche Ausgabe des Buches wurde 2021 vom Brunnen Verlag herausgebracht. Auf etwa 200 Seiten taucht man nicht nur in die atemberaubende Natur, sondern auch in die Schicksale von Menschen und in die Fragen und Zweifel des Autors mit ein.

Gefährliche Reise

Als erfahrener Pastor tritt David Platt eine Reise an, zu der er von einem Freund eingeladen wurde. Schon gleich zu Anfang wird der Leser vor dieser Reise gewarnt, weil sie den Wanderer nicht nur an körperliche Grenzen führen wird. Es geht in dieser siebentägigen Tour über die höchsten Berge der Welt, in die abgelegensten Dörfer in den Bergen. Jeder Tag beginnt oder endet mit einer Bibelbetrachtung aus dem Lukasevangelium und persönlichen Tagebuchnotizen, die den Tagesablauf umrahmen und uns in die bewegenden Gedanken des Autors mitnehmen. David Platt geht in seinem Tagebuch der Frage nach, ob wir verlernt haben zu fühlen, was wir in unseren Herzen glauben. Er möchte dem Leser eine Erfahrung schenken, die sein Herz erreicht: Wir sollen mit ihm essen, trinken, berühren und empfinden, was er gegessen, getrunken, berührt und empfunden hat. So lernen wir beim Buttertee und in Begegnungen viele Details über die Menschen, über Krankheiten und selbst über verschiedene Bestattungsbräuche. Wir treffen Kinder, die angekettet waren, wie zum Beispiel Nabin, der von seinem Vater geschlagen wurde und für eine lange Zeit in einer Scheune angekettet lebte. Oft werden Kinder mit Behinderungen oder Missbildungen aus dem Haus ferngehalten, da die Bewohner einen Fluch befürchten und sich dadurch schützen wollen. Wir begegnen Sijan, der seinen Sohn nun allein großziehen muss, da seine Frau sich das Leben nahm, nachdem die anderen zwei Kinder an Cholera gestorben waren. Die Tatsache, dass junge Mädchen, die noch keine zwölf Jahre alt sind, täglich mehrfach missbraucht werden, macht uns den geistlichen Kampf des Schreibers deutlich. Angesichts solchen Leids fragt der Autor: „Warum Gott? [...] Warum lässt du kleine Mädchen so leiden? [...] Warum rettest du sie nicht – jetzt sofort?“ So werden wir in existentielle Nöte mit hineingenommen, die in unserer westlichen Welt kaum jemand erahnen kann. Und doch wird der Leser mit einer noch viel größeren Not konfrontiert, nämlich der großen Hoffnungslosigkeit in einer Welt ohne Jesus. Wie gut, dass der Autor auch auf diese Not eingeht und zeigt, wie auch dort das Evangelium bereits angefangen hat, sich auszubreiten.

Keine leichte Kost, aber empfehlenswert

In Etwas muss sich ändern steigt der Pastor und Theologe David Platt von der Kanzel und predigt in einer ganz praktischen Art und Weise. Es geht um gelebte Theologie, die für den Leser erfahrbar und nachvollziehbar wird. Wir stoßen auf Fragen, die wir bei einem Pastor manchmal nicht vermuten würden:

„Ist Jesus wirklich die Hoffnung der Welt? Gibt es tatsächlich eine Hölle, die ewig besteht? Werden die Milliarden von Menschen, die nicht an Jesus glauben, tatsächlich an diesen Ort kommen, selbst wenn sie niemals die Chance hatten, von Christus zu hören? Wo ist die Güte Gottes inmitten von extremer Armut und äußerstem Leid zu finden?“

Wir sehen aber auch, wie Platt diese Fragen und Erlebnisse vor Gott bringt und im Evangelium und durch andere Christen Kraft, Ermutigung und Hoffnung findet.

Auch wenn dieses Buch sicherlich keine leichte Lektüre ist, würde ich es jedem empfehlen, da mir die Einblicke und Erfahrungen unschätzbar wertvoll geworden sind. Die offene und ehrliche Art von David Platt, die kritischen Fragen und Aussagen („selbst unsere Gebete fühlen sich leer an“) helfen, sich in die Situation hineinzuversetzen. Es ist spannend, sich selbst den Herausforderungen zu stellen: „Wie soll ich mein Geld ausgeben? Wie soll ich mein Leben verbringen? [...] Soll ich mit meiner Familie hierherziehen?“ Die Tiefgründigkeit und das Mitgefühl übertragen sich auf den Leser und man fängt an, selbst über diese Dinge nachzudenken. Die Tatsache, dass auch ein Pastor auf manche Frage keine Antwort hat, gibt Trost in dem eigenen Ringen um Weisheit. In einem Zeitalter, in dem unsere westlichen Kirchen im eigenen Saft schmoren oder aber Missionswerke mit ihren Missionaren sehr stark wohltätig oder gesellschaftsrelevant sein wollen, arbeitet David Platt vorsichtig den eigentlichen Auftrag der Gemeinde Christi heraus:

„Versteh mich nicht falsch – es ist außerordentlich wichtig, sich der leiblichen Not anzunehmen. [...] Aber so hilfreich diese Wasserfilter sein mögen – Tatsache ist: Sie bringen keinen der Dorfbewohner in den Himmel.“
„Der Leser findet so Orientierung und Ansporn, ohne dass dabei gesetzlich wirkende Zeigefinger erhoben werden.“
 

Das heißt nicht, dass der Ruf zum Glauben gegen die helfende Tat ausgespielt wird. Im Gegenteil. Wie Jakobus mahnt Platt auch zu Taten, durch die der Glaube sichtbar wird. Er nimmt sich sehr viel Zeit, um das Wie des praktischen Dienens herauszuarbeiten. Der Leser wird unaufdringlich in diese Überlegungen hineingezogen, findet so Orientierung und Ansporn, ohne dass dabei gesetzlich wirkende Zeigefinger erhoben werden.

Viele kleinere Anekdoten und Randthemen lockern das schwierige Thema auf, ohne zu sehr davon abzulenken. Sie machen das Gelesene nahezu erfahrbar. Der Spannungsbogen hält bis zum Schluss. Die deutsche Übersetzung wirkt authentisch und ist leicht zu lesen. Durch die Aufteilung der Kapitel in einzelne Reisetage eignet es sich auch für Leser, die nur wenig Zeit am Stück finden – auf diese Art hat man genügend Zeit, über die wichtigen Fragen nachzudenken.

Das Buch eignet sich zum persönlichen Gebrauch oder auch für die Besprechung in Kleingruppen. Jedes Kapitel wird mit hilfreichen Fragen beendet, die ebenfalls zu Gruppengesprächen und ins Gebet führen können.

Buch

David Platt, Etwas muss sich ändern. Wie sieben Tage im Himalaja mir gezeigt haben, was wirklich zählt, Brunnen: Gießen 2021, 208 Seiten, 17,00 Euro.

Thomas Koch ist Vater von drei Kindern und arbeitet als Softwareentwickler in der Biotechnologie. Er ist seit vielen Jahren in der Studentenarbeit und Gemeindegründung aktiv.