Regelmäßig Bibel lesen – leichter gesagt als getan

Artikel von Katherine Forster
29. Mai 2021 — 7 Min Lesedauer

Ein tägliches Bedürfnis

Zur Zeit besteht mein Frühstück aus Haferflocken und Mandelbutter. Das ist das, was ich so ziemlich jeden Morgen esse – oder zumindest jeden Morgen, an dem mir dafür die Zeit bleibt zwischen dem Aufwachen und dem zweiminütigen Weg zur Arbeit in meinem Zimmer.

Natürlich kann das etwas langweilig werden. Ich hätte durchaus lieber Gebäck zu meinem Morgenkaffee. Aber ich weiß, dass Haferflocken mir nicht nur die Energie geben, die ich für die nächsten Arbeitsstunden benötige, sondern dass es dank ihnen auch meinem Körper und meinem Bankkonto auf lange Sicht besser gehen wird.

Warum tägliches Bibellesen wichtig ist

Wie die Haferflocken kann auch das tägliche Lesen der Bibel langweilig werden – zumal es schwierig ist, Zeit dafür zu finden. Vielleicht fragst du dich sogar: Ist es wirklich notwendig, jeden Tag die Bibel zu lesen? Du wirst dich ohnehin nicht an jede dieser Stille Zeiten erinnern. Einige Tage prägen dich mehr als andere, aber meistens vergehen sie nacheinander und verschwimmen mit der Zeit. Manchmal ist es daher verlockend, die tägliche Routine des Bibellesens zugunsten von etwas zu überspringen, das eine lebendigere oder kraftvollere Erfahrung zu schaffen scheint.

Heiligung geschieht jedoch im Allgemeinen nicht sprunghaft. Sie ist ein andauernder, täglicher und stündlicher Prozess, durch den Gott in uns arbeitet. Und eines der wichtigsten Mittel, durch die er arbeitet, ist sein Wort. Wir bemerken nicht immer, dass das tatsächlich passiert – manchmal scheint unser Bibellesen langweilig oder sinnlos oder sogar fruchtlos zu sein. Aber Gottes Wort versagt nicht in seiner Absicht (Jes 55,11). Er arbeitet in und durch diese tägliche, gewissenhafte, konsequente Disziplin. Wie das Essen von Haferflocken anstelle von Brötchen zum Frühstück wird es auf lange Sicht eine starke Wirkung haben – auch wenn im Moment wenig davon zu sehen ist.

Der Gehorsam des Schriftstudiums

Die tägliche Routine, Gottes Wort zu lesen und zu studieren, ist auch eine Sache des Gehorsams Gott gegenüber. Die Schrift ist voll von Anweisungen und Ermahnungen, jederzeit über Gottes Wort nachzudenken (5Mose 6,6–9; Ps 119,15–16). Das tägliche Lesen der Bibel ist ein einfaches, naheliegendes Mittel zu diesem Zweck. Wenn sich als „Schrift-Gedächtnis” einige Verse in deinen Verstand und dein Herz einprägen und du im gründlichen Bibelstudium tief in einen Text eintauchst, wächst deine Fähigkeit, dich beim Lesen der Bibel schneller durch ganze Bücher zu bewegen und das Gesamtbild von Gottes Charakter und seinem Erlösungsplan zu sehen.

Es ist allzu leicht, sich auf die Form einer Disziplin zu beschränken und ihren Zweck aus den Augen zu verlieren. Das Lesen der Bibel für 30 Minuten (oder sogar eine Stunde) täglich rettet uns nicht.
 

Gib Acht: Es ist allzu leicht, sich auf die Form einer Disziplin zu beschränken und ihren Zweck aus den Augen zu verlieren. Das Lesen der Bibel für 30 Minuten (oder sogar eine Stunde) täglich rettet uns nicht. An sich ist es nicht einmal das, was uns heiligt – das tut der Geist, wenn er die Wahrheiten, die wir lesen, auf unsere Herzen anwendet. Eine Form – wie das tägliche Lesen der Bibel – ist hilfreich und wichtig. Unser Fokus sollte jedoch nicht auf der Handlung des Bibellesens liegen, sondern auf dem Gott, über den wir lesen.

Es wird Zeiten in unserem Leben geben, in denen wir nicht jeden Tag die Bibel lesen können. Das mag an einer Krankheit oder einem Ausnahmezustand liegen, oder es mag einfach nur eine (von Gott bestimmte und notwendige) arbeitsreiche Zeit sein, in der buchstäblich keine Zeit zum Bibellesen bleibt. Wenn diese Zeiten kommen, müssen wir sie als Gottes Vorsehung anerkennen – dass er uns momentan keinen Spielraum für diese Gewohnheit lässt. Das ist kein Anlass für Schuldgefühle, sondern dafür, sich enger an ihn zu klammern. Das Studieren seines Wortes wird in dieser Zeit anders aussehen – es mag im Auswendiglernen eines Psalmverses zwischen zwei Unterrichtsstunden oder im Hören einer Audiobibel während dem Autofahren zum Ausdruck kommen.

Mögen diese Zeiten unsere Abhängigkeit von Gott und unser Verlangen nach seinem Wort stärken. Und möge diese Disziplin umso inniger sein, wenn wir es wieder jeden Tag lesen können.

Geistliche Strategie

Unsere Motivation, die Bibel zu lesen, sollte ein Verlangen nach Gott und seinem Wort sein. Das Schöne (und die Schwierigkeit) des täglichen Bibellesens ist jedoch, dass wir es auch dann tun, wenn dieser Wunsch nicht da ist, und wir dann darauf vertrauen, dass Gott ihn hervorbringen wird. Selbst wenn das Verlangen da ist, werden sich die Welt und der Teufel und unsere eigene sündige Natur verschwören, um uns davon abzuhalten, sei es durch Schlafmangel, Smartphones oder plötzliche Krisen.

Daher ist ein gesunder Menschenverstandes bei der Gestaltung und Aufrechterhaltung dieser Gewohnheit notwendig – eine spirituelle Strategie, wenn du so willst.

Ich bin mir der Ironie bewusst, die darin steckt, dass ich diesen Artikel gerade jetzt schreibe (ich nehme an, Gott hat Sinn für Humor, oder vielleicht ist es auch nur seine Art, mich zu überführen). In den letzten Monaten war ich in Bezug auf die Disziplin des Bibellesens nicht sehr konsequent. Die meisten dieser Strategien sind solche, die ich auf die harte Tour gelernt habe – und die ich jetzt erneut umsetzen muss.

Eine passende Zeit finden. Wenn ich das Bibellesen nicht zu einem Teil meiner täglichen Routine mache, wird es auch nicht stattfinden. Ich muss es zu einem festen Bestandteil meines Zeitplans machen, zu etwas, das (so Gott will) immer geschehen wird, wie das morgendliche Aufwachen oder das Abendessen.

Das Wichtigste ist, eine Zeit zu finden, von der du weißt, dass es klappt – und diese Zeit mag sich von einer Saison zur nächsten ändern. Während einiger Semester konnte ich früh aufstehen und das Bibellesen vor dem Frühstück einplanen. Aber irgendwann kann ich auch an den Punkt kommen, an dem Schlaf das Wichtigste ist und ich nie länger als fünfzehn Minuten vor meinem ersten Termin aufstehe. In diesem Fall ist nach dem Abendessen die bessere Option.

Telefone aus (oder den „Nicht stören”-Modus aktivieren). Mein Telefon ist normalerweise der größte Verursacher für Zeitverschwendung. Meist kann ich es aus praktischen Gründen nicht ganz ausschalten (oder in meinem Zimmer lassen, wenn ich die Gebetskapelle der Schule benutze). Ich kann es jedoch in meinem Rucksack lassen und den „Nicht stören”-Modus aktivieren.

Wenn du befürchtest, wichtige Anrufe zu verpassen, kannst du einige deiner Kontakte als „Favoriten” festlegen, damit deren Anrufe weiterhin eingehen können (das Internet sagt, dass dies sowohl auf Android als auch auf iOS funktioniert, wenngleich ich es nur auf letzterem versucht habe).

Rechenschaftspflicht nutzen oder schaffen. Dies kann einfach dem traditionellen Ansatz folgen, bei dem zwei Personen gegenseitig rechenschaftspflichtig sind, muss es aber nicht. Wenn ich meiner Mitbewohnerin oder einer engen (christlichen) Freundin sage: „Ich versuche, meine Stille Zeit nach dem Abendessen zu machen“, dann weiß sie, dass ich meinem Wort nicht treu bleibe, wenn ich gleich nach dem Abendessen irgendwohin gehe. Oft ist das genug positiver Gruppenzwang, um mich zur Rechenschaft zu ziehen.

Wenn ein Freund nach meinen Plänen für den Abend fragt, kann es auch sinnvoll sein zu sagen: „Zuerst mache ich meine Stille Zeit.” Es fühlt sich anfangs seltsam an, besonders wenn du nicht pharisäisch rüberkommen möchtest. Wenn es jedoch nicht mit selbstgerechter Absicht geschieht, kann deine Offenheit hilfreich sein, um Grenzen zu setzen, damit diese Zeit des Gebets und des Bibellesens geschützt wird.

„Die Disziplin des täglichen Bibellesens ist eine Kombination aus Verlangen und dem, was mein Theologieprofessor einen ‚geheiligten gesunden Menschenverstand‘ nennt.“
 

Die Disziplin des täglichen Bibellesens ist eine Kombination aus Verlangen und dem, was mein Theologieprofessor einen „geheiligten gesunden Menschenverstand“ nennt. Das Verlangen treibt uns an, das Wort zu lesen – und der gesunde Menschenverstand treibt uns an, Strategien und Gewohnheiten zu entwickeln, die uns dazu bringen, es auch dann zu lesen, wenn das Verlangen nicht da ist. Aber vergessen wir bei all unseren Strategien und Gewohnheiten nicht den ultimativen Grund, warum wir die Bibel lesen. Es geht nicht darum, zusätzliche Gunst bei Gott oder anderen zu erlangen, sondern in die lebensspendenden Worte Gottes einzutauchen. Hier arbeitet der Geist, um uns zu überführen, zu trösten und mehr in das Ebenbild Jesu Christi zu verwandeln.

Katherine Forster ist College-Studentin und arbeitet als Autorin mit Leitungsverantwortung bei TheRebelution.com, einer Online-Plattform, die Hunderttausende von Teens, Eltern und Jugendmitarbeitern erreicht. Sie ist die Autorin von Transformed By Truth: Why and How to Study the Bibel for Yourself as a Teen.