The Gospel for Muslims

Rezension von Hanniel Strebel
17. August 2014 — 5 Min Lesedauer

Thabiti Anyabwile. The Gospel for Muslims: An Encouragement to Share Christ with Confidence. Moody Publishers: Chicago, 2010. 176 Seiten. 5,48 € (Kindle).

Ich habe Thabiti an der E21-Konferenz 2014 erleben dürfen. Gerne erinnere ich mich an seine sonore Stimme, sein tiefes Lachen und seinen gütigen Blick. Er strahlt Autorität und Herzlichkeit aus. Besonders eindrücklich bleibt mir ein Workshop zum Thema „Gespräche mit Muslimen“ 1 in Erinnerung. Thabiti stand aufrecht vor den Menschen, aufmerksam zuhörend und mit großer Wertschätzung und Geduld antwortend. Das „wie“ seiner Antworten war für mich ebenso gewichtig wie der Inhalt selbst. Direkt nach der Konferenz habe ich mir darum sein Buch „The Gospel for Muslims“ besorgt und  in einigen Monaten Abstand gelesen. Das Buch hat mich derart angezogen, dass ich das Lesegerät nur einmal zwischendurch auf die Seite gelegt habe.

Wenn man ein Buch beginnt, soll man mich bewusst machen, was es beabsichtigt und was nicht. Wie es der Titel schon andeutet, will Thabiti Christen ermutigen, das Evangelium mit Muslimen zu teilen. Es ist kein Handbuch für Apologetik, sondern ein alltagsnaher Ratgeber. Thabiti versteht es auf verständliche Art und Weise, eigenes Erleben mit den Kernaussagen des christlichen Glaubens zu verbinden (erster Teil). Im zweiten Teil gibt er verschiedene Empfehlungen für Diskussionen ab. Jedes der kurzen Kapitel endet mit zwei Merkpunkten. „Darum habe ich dieses Buch geschrieben: Um gewöhnliche Christen mit der außergewöhnlichen Kraft des Evangeliums zu ermutigen.“ (22)

Kernpunkte des Evangeliums

  1. Gott: Wir würden ihn niemals kennen, wenn er sich uns nicht offenbart hätte. Weil er dies aber getan hat, sollen wir seine Offenbarung annehmen. Das ist nötig – und demütigend. (28) Christen sollen deshalb bezeugen, warum sie die Bibel als Offenbarung Gottes annehmen und ihrer Botschaft vertrauen. Dies gilt gerade auch für die Dreieinigkeit. Wer die Trinität leugnet, begeht Götzendienst. Ohne Vater, Sohn und Heiligen Geist gibt es keine Möglichkeit der Erlösung (37).
  2. Sünde: Der Islam lehrt, dass Sünde den Schöpfer nicht betreffen kann, weil er über ihr steht. „Die Sünde liegt leicht auf dem Gewissen des Muslims, weil er Sünde primär als Schwäche und nicht als Bosheit sieht.“ (45) Sünden verdammen jedoch vor dem heiligen Gott!
  3. Jesus: Als Jesus die Jünger fragte, wer er sei, stellt er keine triviale Frage, sondern eine, die über die Ewigkeit jedes Einzelnen entscheidet (57). Jesus ist der einzige Sohn Gottes (und nicht einer von Gottes Söhnen).
  4. Stellvertretendes Opfer: Im Islam zählt Gottesfurcht vor Allah, nicht das Opfer. Muslime empfinden die Idee eines unschuldigen, leidenden Mannes als pervertierte Gerechtigkeit (70). Jesus‘ Opfer stellt Gottes Gerechtigkeit aber nicht in Frage, es demonstriert sie gerade!
  5. Buße und Glauben: Buße meint intellektuelle, emotionale und willentliche Umkehr von der Sünde hin zu Gott. Glaube bedeutet das Ausstrecken und Ruhen in Jesus und seinem Werk als einzigen Grund für den eigenen Standort vor Gott (83). In muslimischer Sicht ist Bekehrung ein menschlich erreichter Status. Das Paradies kann nicht garantiert werden (89).

Empfehlungen

  1. Erfüllt mit dem Heiligen Geist: Stärke meint nicht das Tun von Menschen, wenn sie unerschrocken sind; es geht um das, was sie im Angesicht der Angst tun (99). Diese göttliche Stärke kommt aus der Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist.
  2. Der Bibel vertrauen: Thabiti meint, dass er keine Diskussion erlebt hat, in welcher die Glaubwürdigkeit der Bibel nicht in Frage gestellt wurde. Er empfiehlt, die Bibel im Zusammenhang zu lesen. Dadurch erledigen sich manche vorgebrachten Einwände. Zudem: Wenn unsere muslimischen Freunde mit ihrer eigenen Lehre konsistent wären, müssten sie die Torah und die Evangelien als Offenbarung Gottes akzeptieren.
  3. Gastfreundschaft: Muslime, welche Gastfreundschaft auf regelmäßiger Basis pflegen, schätzen diese auch bei anderen. „Es könnte sein, dass der beste Weg für uns Christen, Freundschaften mit muslimischen Nachbarn zu bauen, darin besteht, sie in unseren Häusern zu empfangen.“(124)
  4. Die Gemeinde einbeziehen: Manche Muslime werfen Christen in einen Topf mit den Westlern und bezeichnen sie als Heuchler. Thabiti hält dagegen: Christen trauern über Versagen in den eigenen Reihen und bekämpfen Heuchlertum, weil ihr Retter für eben diese Heucheleien gestorben ist (137).
  5. Für den Namen Jesus leiden: Manche Muslime scheinen willig für ihre Religion zu leiden, Christen dagegen wirken eher leidensscheu (149). Vielleicht das stärkste Argument für das Leid: Wer es vermeidet, verpasst die einmalige Gemeinschaft mit Christus (159)!

Gelernt

Was setze ich um? Es gibt drei Punkte, die mich besonders anrührten. Zuerst einmal ist es die Zuversicht, dass Gottes mächtige Botschaft wirksam sein wird. Thabiti schreibt schon ganz am Anfang: Eigentlich kennen wir die Gute Nachricht, aber wir misstrauen seltsamerweise seiner Kraft. Wie schade! Gottes Wort erreicht Muslime. Mit diesem Zutrauen ausgerüstet dürfen wir Gesprächen ruhig entgegensehen und für Gelegenheiten beten. Noch etwas: Wir brauchen nicht alle möglichen apologetischen Argumente in der Tasche zu haben. Ein sorgfältiges Bedenken der biblischen Argumente – gerade auch in ihrem Zusammenhang – kann ausreichen, um den Glauben zu bezeugen. Wertschätzung und Ehrfurcht vor Gottes Wort und ein Leben, das vom Bemühen gekennzeichnet ist, dieser Botschaft nachzuleben, wird die Gesprächsbasis festigen. Zweitens trägt uns Gott die Gastfreundschaft auf. Leider halten uns die unselige Einstellung, dass der Glaube Privatsache sei, Menschenfurcht und hohe Erwartungen an den zu bietenden Komfort davon ab, muslimische Nachbarn und Bekannte in unsere eigenen vier Wände einzuladen. Thabiti sagt mit Recht: Empfangt Neuankömmlinge im Land – Studenten oder Familien - mit Herzlichkeit. Die wenigsten von ihnen sind je bei Christen auf Besuch gewesen. Ladet sie auch in die Gemeinde ein; die einen werden kommen, andere nicht. Drittens wurde mir klar, dass die wichtigen Punkte dieselben sind wie bei dem Gespräch mit einem westlich-säkularisierten Menschen: Wer ist Gott? Wer ist Jesus Christus? In welcher Stellung steht der Mensch vor ihm? Welche Reaktion ist von ihm gefordert? Ich bete um den Mut, solche grundsätzlichen und einfachen Fragen zu stellen und in Liebe und Klarheit die Antworten zu teilen.


 1 Das Seminar wurde auf Video aufgezeichnet und kann abgerufen werden unter http://www.evangelium21.net/ressourcen/the-gospel-for-muslims

Hanniel Strebel hat an der Fachhochschule Betriebswirtschaft studiert und arbeitet in der betrieblichen Erwachsenenbildung. Nebenberuflich studierte er Theologie (MTh, USA) und promovierte über die Theologie des Lernens bei Herman Bavinck (PhD, USA). Er und seine Frau haben fünf Söhne. Hanniel bloggt unter www.hanniel.ch.