Der Schlüssel zu radikaler Liebe

Andacht von John Piper – gelesen von Robin Dammer
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„Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen und lügnerisch jegliches böse Wort gegen euch reden um meinetwillen! Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel; denn ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch gewesen sind.“ (Mt 5,11–12) 

Eine der Fragen, die ich aufgeworfen habe, als ich über die Feindesliebe in Matthäus 5,44 gepredigt habe, war: Wie kannst du die Menschen lieben, die dich entführen und umbringen? 

Wie geht das? Woher kommt die Kraft zu solcher Liebe? Führe dir einmal vor Augen, wie auffällig es ist, wenn wir diese Liebe in der echten Welt zu sehen bekommen! Gibt es etwas, das die Wahrheit und Kraft und Wirklichkeit Christi mehr zeigen könnte als diese Art Liebe? 

Ich glaube, dass Jesus uns den Schlüssel zu dieser radikalen, selbstaufopfernden Liebe, die in Matthäus 5,44 beschrieben wird, einige Verse zuvor im selben Kapitel in die Hand gibt. 

In Matthäus 5,11–12 spricht er auch über den Umgang mit Verfolgung, ähnlich wie in Matthäus 5,44, wo er sagt: „Liebt eure Feinde [...] und bittet für die, welche euch [...] verfolgen [...].“ Was diese Verse so erstaunlich macht, ist, dass Jesus sagt, dass wir nicht nur dazu in der Lage sind, die Misshandlungen des Feindes auszuhalten, sondern uns sogar darüber zu freuen. „Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen [...]! Freut euch und jubelt [...].“ 

Das scheint noch mehr außer Reichweite, als für unsere Feinde zu beten und ihnen Gutes zu tun. Wenn ich das menschlich Unmöglich vollbringen könnte – mich nämlich darüber zu freuen, dass ich verfolgt werde –, dann wäre es möglich, meine Verfolger zu lieben. Wenn das Wunder der Freude inmitten des Grauens von Ungerechtigkeit und Schmerz und Verlust geschehen kann, dann könnte auch das Wunder der Liebe für die Täter eintreten. 

Jesus gibt uns in diesen Versen den Schlüssel zur Freude in die Hand. Er sagt: „Freut euch und jubelt, denn euer Lohn ist groß im Himmel [...].“ Der Schlüssel zur Freude ist der Glaube an Gottes zukünftige Gnade. Und dieser Glauben bedeutet eine tiefe Zufriedenheit in allem, was Gott für dich zu sein verheißt. Er sagt: „Freut euch [...], denn euer Lohn ist groß im Himmel [...].“ Unsere Freude inmitten von Verfolgung ist die himmlische Freude, die in diesen grauenvollen Moment hineinströmt und uns freimacht, die Täter zu lieben. In dieser Freude liegt also die befreiende Kraft, unsere Feinde zu lieben, wenn sie uns verfolgen. 

Wenn das stimmt, dann ist im Gebot zur Liebe auch das Gebot miteingeschlossen, auf das Himmlische bedacht zu sein – nicht auf das Irdische (Kol 3,2). 

Das Gebot, unsere Feinde zu lieben, ist ein Gebot, unsere Hoffnung und die tiefste Erfüllung für unsere Seele bei Gott und in seinem großen Lohn zu finden – also in seiner zukünftigen Gnade. Der Schlüssel zu radikaler Liebe ist der Glaube an die zukünftige Gnade. Wir müssen davon überzeugt sein, dass inmitten von Qual und Leid Gottes Liebe „besser als Leben“ ist (Ps 63,4). Mit der Liebe zu deinem Feind verdienst du dir nicht den himmlischen Lohn. Doch wenn dir dieser himmlische Lohn kostbar ist, dann befähigt er dich zur Feindesliebe. 

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