Der Wein des großen Königs

Andacht von John Piper – gelesen von Robin Dammer
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„Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der kein Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern einen, der in allem versucht worden ist in ähnlicher Weise [wie wir], doch ohne Sünde.“ (Hebr 4,15) 

Ich habe noch nie jemanden sagen hören: „Die wirklich tiefen, wesentlichen Dinge habe ich immer dann in meinem Leben gelernt, wenn alles leicht und einfach war.“ Aber ich habe Christen mit einer starken Gottesbeziehung sagen hören: „Ich habe immer dann mehr von der Tiefe von Gottes Liebe verstanden und bin im Glauben gewachsen, wenn ich durch Zeiten des Leidens gegangen bin.“ 

Das ist eine ernüchternde biblische Wahrheit. Zum Beispiel: „[Um Christi willen habe ich] alles eingebüßt [...]; und ich achte es für Dreck, damit ich Christus gewinne“ (Phil 3,8). Anders ausgedrückt: Ohne Schmerz kein Gewinn. Oder: 

Ich bin bereit, alles zu opfern, wenn ich dafür mehr von Christus gewinne. 

Hier ist ein weiteres Beispiel: „Und obwohl er Sohn war, hat [Jesus] doch an dem, was er litt, den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8). Im selben Brief steht, dass Christus ohne Sünde war (Hebr 4,15). 

Gehorsam zu lernen, bedeutet also nicht, vom Ungehorsam zum Gehorsam zu wechseln. Es bedeutet, dass wir immer mehr mit Gott in die Tiefe gehen und ihm gehorchen. Es bedeutet, die Tiefen der Gottergebenheit zu erleben, die wir sonst nicht erreicht hätten. Das ist es, was durchs Leiden geschehen ist. Ohne Schmerz kein Gewinn. 

Samuel Rutherford hat gesagt, dass er sich, wenn er in die Keller der Bedrängnis geworfen wurde, immer vor Augen hielt, dass der große König dort seinen Wein aufbewahrte. Charles Spurgeon hat gesagt: „Wer ins Meer der Bedrängnis taucht, der bringt seltene Perlen ans Licht.“ 

Ist es nicht so, dass man die geliebten Menschen dann umso mehr liebt, wenn man fürchtet, dass die merkwürdigen Schmerzen Krebs bedeuten? Wir sind schon seltsame Wesen. Wenn wir Gesundheit und Frieden und alle Zeit der Welt haben, sie zu lieben, dann kann unsere Liebe oberflächlich und eilig werden. Doch, wenn wir im Sterben liegen, dann wird die Liebe zu einem tiefen, langsamen Strom unaussprechlicher Freude und dann können wir es kaum aushalten, diese Liebe aufzugeben. 

Darum Brüder und Schwestern, „achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet“ (Jak 1,2). 

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