Heiligung durch Herausforderungen

Artikel von Kim Lotz
26. März 2021 — 7 Min Lesedauer

Ich liebe Herausforderungen. Ich spiele z.B. gerne Word With Friends, ein Online Scrabble-Spiel, bei dem ich herausgefordert werde, Worte zu finden, die sich aus unmöglichen Buchstaben bauen lassen, um damit möglichst viele Punkte zu bekommen. Früher war ich begeisterte, wenn auch nicht besonders begabte Skifahrerin und liebte es, neue Pisten zu entdecken, die meine Fähigkeiten herausforderten. Ich liebe Fremdsprachen – wie Deutsch –, bei denen die Grammatik so herrlich herausfordernd ist (Dativ? Genitiv? Fremdwörter für einen Englisch-Muttersprachler). Ja, ich liebe Herausforderungen. Besonders, wenn sie eine Belohnung mit sich bringen, und wenn es nur der Gedanke ist: „Ja! Du hast es geschafft!“.

Leider besteht mein Leben auch aus ganz anderen Herausforderungen – Herausforderungen, von denen ich überhaupt nicht begeistert bin: das Älter werden, welches schmerzhafte Knie, anhaltende Müdigkeit und fehlende Denkkraft mit sich bringt. Auch dass mein Sohn, mein einziges Kind, weit entfernt von Gott ist. Zudem ist für mich als Amerikanerin das Leben in Deutschland, auch wenn mich die Sprache fasziniert, eine tägliche Herausforderung. Diese Dinge machen mir das Leben schwer. Wenn ich sie irgendwie meistere, gibt es keine großartige Belohnung. Oder vielleicht doch?

So stelle ich mir Fragen zu meinen Herausforderungen: Haben sie einen Sinn? Gibt es eine Belohnung, wenn ich sie in Gottes Augen meistere? Als Christ suche ich immer Antworten auf meine Lebensfragen in Gottes Wort. Ich liebe Gottes Wort, weil es die Wahrheit zu jedem nur erdenklichen Lebensbereich enthält. Was sagt die Bibel nun zu meinen Herausforderungen oder auch zu anderen Herausforderungen, wie schwerer Krankheit, Tod eines Geliebten, Unfruchtbarkeit oder einer schwierigen Ehe? Mein Gebet ist, dass die Antworten, die ich in Gottes Wort gefunden habe, auch dir in deinen Herausforderungen helfen.

Der Sinn unserer Herausforderungen: unsere Heiligung

Jakobus, der Bruder Jesu, schreibt in seinem Brief:

„Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet, da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt. Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt“ (Jak 1,2–4).

Darf ich das Wort „Anfechtungen“ gebrauchen, wenn es um meine Herausforderungen geht? Ich glaube ja, denn das, was Jakobus hier schreibt, betrifft jede Situation, in der mein Glaube geprüft wird, in der ich versucht bin, Gottes Güte, seine Treue oder seine Macht anzuzweifeln, bei der auch meine Freude gefährdet wird.

Jakobus gibt uns eine klare Antwort auf die Frage nach dem Sinn der Herausforderungen, ob klein oder groß: Sie prüfen unseren Glauben und bewirken so in uns standhaftes Ausharren, sodass wir letzten Endes vollkommen und tadellos sind und es uns an nichts mangelt.

Ich merke, dass Gott durch meine Schwierigkeiten mehrere Dinge gleichzeitig bewirkt. Vielleicht möchte er das eine oder andere davon auch bei dir durch deine Anfechtungen bewirken. Zum Beispiel:

  1. Dass du dich zu Gott wendest. C.S. Lewis schrieb: „Gott flüstert in unseren Freuden, er spricht in unserem Gewissen, in unseren Schmerzen aber ruft er laut. Sie sind sein Megafon, eine taube Welt aufzuwecken“. Vielleicht möchte Gott durch deine Herausforderungen, ob Leid, Bedrängnis oder Schmerz, deine Aufmerksamkeit wecken, damit du dich zu ihm wendest.

    Dies gilt insbesondere für dich, wenn du noch nicht in Christus bist. Gott möchte dich aufwecken, damit du gerettet wirst. Aber auch wir Christen werden manchmal etwas taub und hören nicht mehr Gottes Stimme. Er wird nicht erlauben, dass seine Beziehung zu seinem geliebten Kind so zerstört wird. Durch Herausforderungen, durch Schmerzen, will er unsere Aufmerksamkeit wieder auf sich ziehen. Das tut er aus Liebe zu uns.

  2. Dass du dich an Gott festhältst. Oft merkt Gott, dass wir uns, wie Israel, in Zeiten, wo es uns gut geht, von ihm abwenden. Das kann bedeuten, dass du deine Freude woanders suchst oder deine Zeit mit allem anderen als ihm füllst. Wie jeder gute Vater wird er nicht zulassen, dass sein Kind einfach wegläuft.

  3. Dass du Jesus ähnlicher wirst. In Philipper 3,10 schreibt Paulus, dass er Jesus erkennen möchte „und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden, indem ich seinem Tod gleichförmig werde“. Wenn wir leiden, sind wir unserem geliebten Erlöser ähnlich.

  4. Dass du deine Götzen erkennst. Wir erfahren Leid, wenn Gott von uns das wegnimmt, worauf wir unsere Hoffnung gesetzt haben. Vielleicht ist das deine Familie, deine Gesundheit, dein Wohlstand oder auch dein Dienst in der Gemeinde.

  5. Dass du dich nach der Ewigkeit bei Gott sehnst, in der es keine Anfechtungen, Leid und Bedrängnis mehr geben wird.

Gott bewirkt noch viel mehr in uns durch unsere Herausforderungen. Er ist, wie John Piper sagt, stets „dabei, 10.000 Dinge in deinem Leben zu tun, und du bist dir vielleicht drei davon bewusst“. Ja, meine und deine Herausforderungen haben einen Sinn!

Gottes Ziel und Perspektive übernehmen

Jakobus schreibt, dass wir es für „lauter Freude“ achten sollen, wenn wir herausgefordert werden.  Wie soll das aussehen? Um diese Einstellung zu haben und Versuchungen mit Freude zu begegnen, müssen wir auch Gottes Ziel und Gottes Perspektive teilen.

Gottes Ziel ist, dass wir vollkommen und tadellos werden (Jak 1,2–4). Was bedeutet das?  Die Antwort finden wir in Römer 8,28–29:

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach dem Vorsatz berufen sind. Denn die er zuvor ersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dem Ebenbild seines Sohnes gleichgestaltet zu werden, damit er der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“

Es ist Gottes Vorsatz für diejenigen, die er auserwählt und errettet hat – für mich und für dich, wenn du Christ bist –, dass sie Jesu Ebenbild gleichgestaltet werden. Wie Jesus ist, sehen wir zum Beispiel in der Frucht des Geistes, wie sie in Galater 5,21–22 von Paulus beschrieben wird: „Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Enthaltsamkeit…“  Die Herausforderungen des Lebens, ob groß oder klein, sollen diese Frucht hervorbringen. Möchtest du Jesus ähnlicher werden? Möchtest du, dass diese Frucht auch in dir wächst? Jede Art der Herausforderung, die du durchmachen musst, ob groß oder klein, dient dazu, dass du Jesu Ebenbild gleichgestaltet wirst. Dies ist Gottes Ziel für dich. Wenn du auch dieses Ziel hast, kannst du alle Herausforderungen, die Gott in deinem Leben zulässt, als besonderen Grund zur Freude betrachten.

„Jede Art der Herausforderung, die du durchmachen musst, ob groß oder klein, dient dazu, dass du Jesu Ebenbild gleichgestaltet wirst.“
 

Und was bedeutet es, Gottes Perspektive einzunehmen? Dieses Leben ist kurz. Die Ewigkeit bei Gott ist … naja, ewig! Die Herausforderungen, die wir hier erleben, ob Anfechtung, Versuchung, Leid, Bedrängnis oder Verfolgung, sind aus dieser Perspektive alle vorübergehend, egal, wie lange wir sie ertragen müssen. Sie sind ein bisschen wie eine Impfung. Die Eltern wollen ihr Kind vor zukünftigen Krankheiten schützen. Sie haben eine langfristige Perspektive. Das Kind spürt aber nur den Schmerz, und es kann nicht verstehen, dass die Eltern ihm so etwas antun. Als Erwachsene können wir uns kaum an diesen Schmerz erinnern und müssen Paulus zustimmen, wenn er in 2. Korinther 4,16–18 schreibt: „Denn unsere Bedrängnis, die schnell vorübergehend und leicht ist, verschafft uns eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit“.

Die Belohnung für unsere Herausforderungen: die Herrlichkeit

Nun kommen wir zur Antwort auf die zweite Frage: Gibt es eine Belohnung, wenn wir diese Herausforderungen „meistern“? Ja, „eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“

Jesus spricht in seinem Gebet in Johannes 17,24 von dieser Herrlichkeit, als er seinen Vater bittet: „Ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast [das bist du, wenn du in Christus bist], damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.“ Dort, in der Gegenwart Christi, werden wir das erfahren, was David schon in Psalm 16,11 gesagt hat: „Vor deinem Angesicht sind Freuden in Fülle, liebliches Wesen zu deiner Rechten ewiglich!“ Diese Herrlichkeit, diese Zukunft erwartet uns; sie ist die Belohnung, die wir bekommen. Und sie wird nie vergehen!

So ist die Antwort aus Gottes Wort auf meine Fragen: „Haben meine Herausforderungen einen Sinn? Gibt es eine Belohnung, wenn ich sie in Gottes Augen meistere?“ ein lautes und deutliches „Ja!“ Wenn ich Gottes Ziel und Gottes Perspektive übernehme, kann ich auch meine schwersten Herausforderungen dankend annehmen. Das, was sie in mir bewirken, Gottes Ziel mit ihnen, gibt ihnen einen Sinn. Und wenn es um die Belohnung geht, gibt es nichts Größeres, als Jesus ähnlich zu werden und die Ewigkeit mit ihm in Gottes Gegenwart zu verbringen!

Kim Lotz ist gebürtige Amerikanerin und wohnt seit 2011 in Nürnberg, wo sie und ihr deutscher Mann in einer kleinen freikirchlichen Gemeinde als Laien dienen. Sie haben einen erwachsenen Sohn, der mit seiner Frau in den USA wohnt. Kims Leidenschaft ist es, Frauen dabei zu helfen, „den unausforschlichen Reichtum Jesu Christi“ zu erforschen. Dies tut sie unter anderem in Zweierschaften, als Leiterin eines Nachfolgekreises und als Referentin.