Ein Aufruf zum Ausharren

Der 2. Timotheusbrief

Artikel von R. Kent Hughes
23. März 2021 — 2 Min Lesedauer

Der 2. Timotheusbrief ist ein Aufruf zum Ausharren inmitten von Widerstand und Leiden um des Evangeliums willen. Das Thema des Ausharrens zieht sich wie ein roter Faden durch den ganzen Brief, indem griechische Begriffe verwendet werden, die diesen Gedanken auf verschiedene Weise darstellen (2Tim 2,10.12.24; 3,11; 4,5). Auch das Leiden für das Evangelium wird ausdrücklich in 2. Timotheus 1,8.12 erwähnt (vgl. 2Tim 2,3; 3,10–11).

Paulus’ Ermahnung zum Ausharren hat die Struktur des Briefes geprägt. Nachdem er Timotheus, sein „geliebtes Kind“, herzlich gegrüßt und seine Erinnerung an die geistlichen Anfänge des jungen Mannes zum Ausdruck gebracht hat (2Tim 1,1–5), spricht Paulus eine ausführliche Ermahnung zum Ausharren aus (2Tim 1,6–2,13). Diese Ermahnung beginnt mit einem kraftvollen Aufruf zum evangeliumszentrierten Ausharren (2Tim 1,6–14), gefolgt von Beispielen aus dem wirklichen Leben, nämlich von zwei Personen, die nicht standhaft blieben und von einer Person, die ausharrte (2Tim 1,15–18). Nach diesen Beispielen nimmt Paulus seinen Aufruf wieder auf (2Tim 2,1–13), mit der Anweisung, stark in der Gnade Gottes zu sein, die in Christus Jesus ist (2Tim 2,1–2), als guter Streiter Widrigkeiten zu erdulden (2Tim 2,3–7), Jesus Christus im Gedächtnis zu halten (2Tim 2,8–9) und durch das Werk Christi alles standhaft zu ertragen (2Tim 2,10–13).

Im nächsten Abschnitt (2Tim 2,14–3,9) vermittelt Paulus Weisheit für das Aushalten von Irrlehrern. Timotheus wird dazu aufgefordert, richtig mit dem Wort umzugehen (2Tim 2,14–19), ein ehrbares Gefäß zu bleiben, zu jedem guten Werk bereit (2Tim 2,20–21), törichte Streitigkeiten zu vermeiden (2Tim 2,23) und Widerspenstige mit Sanftmut zurechtzuweisen (2Tim 2,24–26).

„Der zweite Timotheusbrief ist gewissermaßen Paulus’ letzter Wille und sein Testament.“
 

Zum Ende des Briefes hin ermahnt Paulus mit zunehmender Dringlichkeit zum standhaften Ausharren für das Evangelium (2Tim 3,10–4,8). So ermutigt er Timotheus, seinem eigenen erstaunlichen Beispiel des Ausharrens zu folgen (2Tim 3,10–13), bei der von Gott eingegebenen Schrift zu bleiben, die die Seele weise machen kann zur Errettung durch den Glauben, der in Jesus Christus ist (2Tim 3,14–17), und den Ruf anzunehmen, das Wort zu verkündigen (2Tim 4,1–8).

Der Apostel schließt mit einem bewegenden Beispiel für das Standhalten im Dienst am Evangelium bis zum Ende (2Tim 4,9–22). Der zweite Timotheusbrief ist gewissermaßen Paulus’ letzter Wille und sein Testament, und als solches enthält er eine kraftvolle und bewegende Note, die ihre Wurzeln in der Herrlichkeit des Evangeliums der Gnade hat (2Tim 1,8–11).

R. Kent Hughes ist emeritierter Pastor der Wheaton College Gemeinde und ehemaliger Dozent für Praktische Theologie am Westminster Theological Seminary in Philadelphia (USA). Hughes ist außerdem Mitgründer des Charles Simeon Trust, der Konferenzen für Auslegungspredigten durchführt. Er ist zudem Herausgeber der Kommentarreihe Preaching the Word und Autor vieler Bücher.