Der wahre Gott der Bibel

Rezension von Lucas Müller
3. Juni 2014 — 6 Min Lesedauer

Andreas Münch: Der wahre Gott der Bibel. Betanien 2012. 12,90 €.

Das Werk von Andreas Münch, erschienen als Erstauflage im Jahr 2012, ist ein Studienbuch über Gottes Wesen und Werke. Münch will mit seinem Buch eine Hilfestellung zum Verständnis der großen Zusammenhänge und Fragen über Gott und die Beziehung zu seinen Geschöpfen geben (S. 8). Der Grund für das Verfassen dieses Buches liegt in der Unwissenheit eines biblischen Gottesbildes der allgemeinen Christenheit (S. 7), die dem Autor auch bis in evangelikalen Gemeinden aufgefallen ist. Der Autor schreibt im Besonderen für Leute, die keine theologische Ausbildung absolviert haben, aber ein ehrliches Interesse daran haben Gott und die Bibel näher kennen lernen zu wollen.

Münch ist davon überzeugt, dass je mehr wir uns mit der Lehre von Gott befassen, desto mehr wird es unsere Vorstellung von Gott prägen. Er vergleicht das Wissen über Gott mit menschlichen Beziehungen, in denen es auch wichtig ist, sein Gegenüber gut zu kennen, damit im Dialog mit anderen kein falsches Bild weitergegeben wird (S. 10). Weiter schreibt er, dass das beständige Suchen und Streben nach Gott und einem Leben mit Ihm das Wertvollste ist, was einem Menschen widerfahren kann (S. 13).

Der Autor beschreibt in 21 Kapiteln das Wesen und die Werke Gottes, wobei jedes einzelne Kapitel nicht zu lang ist, sondern sich auf die Hauptmerkmale und Zusammenhänge beschränkt. Die einzelnen Kapitel sind sehr übersichtlich gestaltet, da der Autor viele Zwischenüberschriften in den Kapiteln vorgenommen hat. Es werden Themen wie z.B.: Gottes Heiligkeit, Liebe, Allmacht, Allwissenheit, Treue, Gnade, Zorn und Gerechtigkeit beschrieben. Jedes Kapitel endet mit jeweils passenden Versen zum Auswendiglernen und Fragen zum Wiederholen und Vertiefen des Gelesenen. Dadurch wird das Buch seiner Zielsetzung als Studienbuch gerecht. Die einzelnen Kapitel untersuchen nicht „nur“ die Eigenschaften des Wesens Gottes, sondern sprechen den Leser und sein Glaubensleben persönlich an, indem aufgezeigt wird, was die Eigenschaften Gottes mit unserem Leben zu tun haben. Einen Schwerpunkt bildet Gottes Heilshandeln und Souveränität verknüpft mit seinen Eigenschaften. Besonders positiv fallen die vielen Bibelzitate auf, die durchgehend die Aussage Münchs unterstützen und das biblische Gottesbild untermauern.

Es sei gesagt, dass das Buch eine reformatorische Prägung hat. Das Thema der souveränen Erwählung Gottes wird an einigen Stellen deutlich herausgestellt. Münch vertritt die Ansicht, dass ein Mensch zur Errettung von Gott erwählt wird und Er dies auf der Grundlage Seines Willens tut (S.?205). Gott erwählt zur Errettung und der Mensch hat die Verantwortung sich dessen nicht zu verschließen. In dem Zuge betont Münch auch deutlich, dass er eine zweifache Prädestination, nämlich, dass Gott zur Errettung und zur Verdammnis erwählt, für nicht biblisch hält (S. 215). Des Weiteren thematisiert Münch im Zusammenhang mit der Erwählung Gottes einige Missverständnisse, wie z.B. dass die Erwählungslehre jegliche Missionsarbeiten überflüssig mache (S. 224) oder dass sie aus Menschen Marionetten machen würde (S. 219). 

Ergänzend zu den vielen passenden Bibelstellen fügt Münch einige Zitate bekannter Prediger und Autoren wie Matthew Henry, Martin Lloyd-Jones, Aiden Tozer und J.I. Packer hinzu. Ausgehend vom ersten Kapitel seiner Ausarbeitung, indem es um die Offenbarungen Gottes zu uns Menschen geht, über die Einzigartigkeit Gottes in Kapitel zwei, greift Münch in Kapitel drei das schwierige Thema der Dreieinigkeit Gottes auf, was viele Christen in Erklärungsnot bringen würde. Dabei erklärt der Autor in diesem Zusammenhang einige unterschiedliche Gottesvorstellungen, die in unserer Gesellschaft existieren. Für Münch ist klar, dass der Heilige Geist eine eigenständige Person der Gottheit ist, wobei er jede Überbetonung für unbiblisch hält. Gemeint sind in diesem Zusammenhang spezielle Wirksamkeiten des Heiligen Geistes, wie Dämonenaustreibung oder Krankenheilung, die für Münch heilsgeschichtlich begrenzt sind (S. 50).

Im Weiteren thematisiert der Autor, dass Gott Geist ist und somit nicht sinnlich wahrnehmbar ist. Münch rechnet Gott die alleinige Schöpfung des Universums zu, der getrennt von seiner Schöpfung existiert und handelt und nur aus Gnade uns Geschöpfe gebrauchen möchte (S. 74ff.). Des Weiteren wird gezeigt, dass Gott ewig, das heißt ohne Anfang und Ende ist, wobei er auch heilig ist, das heißt getrennt von allem anderen und moralisch absolut rein ist (S. 93ff.).

Den Aspekt der Liebe Gottes stellt Münch sehr positiv heraus, indem er deutlich aufzeigt, dass seine Eigenschaft der Liebe nicht losgelöst von allen seinen anderen Eigenschaften ist (S. 104). Gottes Liebe beruht nicht auf den Werken des Menschen, sondern ist das Ergebnis des Willen Gottes (S. 106f.). Des Weiteren vergisst Münch dabei nicht die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes zu berücksichtigen. Im Folgenden wird Gottes Allmacht herausgestellt. Er zitiert in diesem Abschnitt Martyn Lloyd-Jones passend mit den Worten, das „die Allmacht Gottes der Wille Gottes ist, der in die Tat umgesetzt wird“ (S. 125). Im Weiteren wird klar, dass Gott allwissend ist, das heißt Er besitzt vollkommenes Wissen und muss nicht dazu lernen oder kann auch nichts vergessen (S. 149). Im 14. Kapitel bespricht Münch die Souveränität Gottes und scheut sich nicht dem Menschen einen freien Willen zuzusprechen, wobei Gott derjenige ist, der alles lenkt (S. 166). Auf Gottes Unveränderlichkeit und Treue, stößt der Leser im Kapitel der Erwählung in Gnade, welches das ausführlichste Kapitel des Buches ist.

Anschließend beschreibt der Autor Andreas Münch den Zorn Gottes, der offenbart wird. Münch liegt es sehr am Herzen diese Eigenschaft Gottes aufzuzeigen und hält es für wichtig, wie es in der heutigen Christenheit immer seltener vorkommt, diese zu thematisieren. Abermals wird deutlich, dass auch diese Eigenschaft Gottes, wie auch schon die anderen, nur anhand der Bibel untersucht werden soll (S. 233). Zum Schluss des Buches wird die Gerechtigkeit und Größe Gottes behandelt, um dann als letzte Eigenschaft den Willen Gottes zu thematisieren, der sich z.B. in Seinem Handeln mit uns Menschen und unserer Rettung zeigt.

Zusammenfassend kann ich dieses Buch von Andreas Münch sehr empfehlen. Ich habe während des Lesens und Beschäftigen mit dem Wesen Gottes große Freude gehabt und bin dadurch erneut ermuntert und gestärkt worden. Meiner Meinung nach besticht das Buch durch seine Klarheit und biblisch fundierten Untersuchung des Wesens Gottes und seinen Werken. Es wird deutlich, dass Münch das Thema sehr am Herzen liegt und sich zum Ziel gesetzt hat, in einfacher und eindeutiger Sprache, das Thema zu behandeln. Der Leser gewinnt den Eindruck, dass Münch nicht von oben herab das Thema behandelt, sondern sich selbst als Lernenden sieht. Das Buch ist als Studienmaterial für den persönlichen Gebrauch, sowie als Grundlage für Hauskreise etc. sehr gut geeignet.