Was uns Kolosser- und Philemonbrief zu sagen haben

Artikel von Christopher Beetham
4. Februar 2021 — 3 Min Lesedauer

Warum sollte man sich mit den Briefen des Paulus an die Kolosser und an Philemon befassen? Ich nenne folgende drei Gründe: Erstens ist Kolosser unübertrefflich in seiner Darstellung der Person des Herrn Jesus Christus. Einige der erhabensten Formulierungen über ihn werden in diesem kleinen Brief-Juwel, das wir heute als Kolosserbrief kennen, gefunden. Zweitens wird das Evangelium in diesen beiden Briefen stark betont. Und drittens erschließt und entfaltet der Kolosserbrief tiefgründig den faszinierenden Handlungsstrang der Bibel.

Christus überragt alles

In Kolosser wird der Vorrang des Sohnes Gottes über alles offenbart. Christus ist der erhöhte Herr, sowohl über die Schöpfung als auch über die angebrochene neue Schöpfung, aufgrund seiner einzigartigen Rolle in Gottes Projekt der kosmischen Versöhnung (1,15–20). Der präexistente Sohn trat in die Geschichte ein und wurde Mensch. Durch seinen Tod versöhnte er sein Volk mit Gott, um sie am letzten Tag „heilig und tadellos und unverklagbar“ (1,22) vor Gott darzustellen. Christus ist das wahre Ebenbild Gottes, seine Vollkommenheiten sind das Vorbild, nach dem die Seinen als Ebenbildträger erneuert werden. Durch dieses verändernde Werk werden sie darauf vorbereitet, das neu geschaffene Reich Gottes zu erben (1,12–15; 3,9–10). In der Tat lässt sich das Evangelium zusammenfassen als „Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit“ (1,27).

Einblicke in das Evangelium

Das Evangelium der Gnade wird im Kolosserbrief in vollem Umfang dargelegt. Gott hat am Kreuz eine kosmische Versöhnung durch das Blut seines Sohnes, des Herrn Jesus Christus, bewirkt (1,20). Die Botschaft dieser Erlösung bringt auf der ganzen Welt geistliche Früchte hervor, wobei sie sich in immer größeren Wellen über die Erde ausbreitet (1,6). Wenn Menschen das Evangelium ergreifen, befreit Gott sie von der Herrschaft der Dunkelheit und gibt ihnen teil am Erbe des Lichts, versetzt sie in das Königreich des geliebten Sohnes (1,12–14). Er erlöst sie, indem er alle ihre Sünden vergibt (1,14).

„Wenn Menschen das Evangelium ergreifen, befreit Gott sie von der Herrschaft der Dunkelheit und gibt ihnen teil am Erbe des Lichts, versetzt sie in das Königreich des geliebten Sohnes.“
 

In Philemon sehen wir, wie sich das Wesen des Evangeliums in Paulus’ Leben widerspiegelt: Er folgt dem Beispiel seines Herrn und bietet sich selbst als Stellvertreter für Onesimus vor dem geschädigten Philemon an (Phlm 17–19).

Kolosser und die eindrucksvolle Entfaltung der Schrift

Der Apostel Paulus schrieb Kolosser und Philemon in der Überzeugung, dass die eindrucksvolle Geschichte des Alten Testaments in Jesus ihren Höhepunkt und ihre Erfüllung erreicht hat. Dieses biblische Epos der Reich-Gottes-Mission reicht von der Schöpfung bis zur neuen Schöpfung. Gott hat das versprochene Königreich und die neue Schöpfung durch Christi Tod und Auferstehung eingeführt.

„Kolosser zeigt Christus als den endgültigen Sohn Davids, den Messias und den wahren Herrn der Welt.“
 

Kolosser zeigt Christus als den endgültigen Sohn Davids, den Messias und den wahren Herrn der Welt. Er ist die Erfüllung aller messianischen Verheißungen (1,13–14; 2,2; 3,1; „Christus“ = Messias). Er ist Gottes Weisheit und hat die Vorherrschaft über die gesamte Schöpfung sowie über die angebrochene neue Schöpfung (1,15–20; 2,3; vgl. Spr.8,22–31). Der Sohn ist der ultimative Ort göttlicher Gegenwart und erfüllt alle alttestamentlichen Hoffnungen darauf, dass Gott unter seinem Volk wohnen wird (1,19). In ihm findet die endgültige Beschneidung statt, welche die kennzeichnet, die zu Gottes Volk des neuen Bundes gehören, und sie befähigt, ein treues und gottesfürchtiges Leben zu führen (2,11.13). Christus existiert als die Realität, auf die alle „Schatten“ der alttestamentlichen Feste und Speisevorschriften hinweisen (2,16–17). Er ist das perfekte Ebenbild und der letzte Adam, nach dem Bild seiner Vollkommenheit wird sein Volk als Träger des Ebenbilds erneuert (1,15; 3,9–10). Diese Erneuerung bereitet sie vor auf ihre Berufung zu Bürgern und Herrschern des neu erschaffenen Königreiches und auf ihre Vollendung am letzten Tag der Geschichte (vgl. Offb 21–22).

Der Vorrang des Christus, ein solides Evangelium und grundlegende biblische Theologie – und das alles verpackt in diesen zwei kurzen Briefen des Apostels Paulus. Aus diesem Grund sollten wir die Bücher Kolosser und Philemon studieren.

Christopher Beetham ist Assistenzprofessor für biblische Studien am Evangelical Theological College und Assistenzprofessor für Neues Testament an der Ethiopian Graduate School of Theology, beide in Addis Abeba, Äthiopien. Er ist der Autor von Echoes of Scripture in the Letter of Paul to the Colossians.