Wenn die Gnade siegt

Andacht von John Piper – gelesen von Robin Dammer
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„Seine Wege habe ich gesehen; dennoch will ich es heilen und es leiten und ihm und seinen Trauernden mit Tröstungen vergelten [...].“ (Jes 57,18) 

Leite deine Lehre aus biblischen Texten ab. Sie hat so einen besseren Stand, als wenn du umgekehrt vorgehst, und sie ist so Nahrung für deine Seele. 

Nehmen wir zum Beispiel die Lehre von Gottes unwiderstehlicher Gnade. Lass sie uns aus dem Text heraus erarbeiten. Auf diese Weise sehen wir, dass diese Lehre nicht bedeutet, dass man der Gnade nicht widerstehen kann, sondern, dass Gott diesen Widerstand überwinden kann und will, wenn er sich dazu entscheidet. 

In Jesaja 57,17–19 züchtigt Gott sein rebellisches Volk beispielsweise, indem er es schlägt und sich verbirgt: „Über [Israels] sündhafte Habgier wurde ich zornig, und ich schlug es, verbarg mich und zürnte“ (Vers 17). 

Aber ihre Reaktion war nicht, zu ihm umzukehren. Stattdessen wurden sie noch mehr abtrünnig. Sie widerstanden ihm: „[Da] wandte es sich noch weiter ab auf seinen selbst erwählten Wegen“ (Vers 17). 

Man kann der Gnade also widerstehen. Stephanus sagt sogar zu den jüdischen Oberen: „Ihr widerstrebt allezeit dem Heiligen Geist“ (Apg 7,51). 

Was tut Gott dann? Muss er machtlos zusehen, wie sich Menschen, die sich gegen Umkehr und Heilung sträuben, von ihm wegbleiben? Nein. Er ist nicht machtlos. Schon im nächsten Vers lesen wir: „Seine Wege habe ich gesehen; dennoch will ich es heilen und es leiten und ihm und seinen Trauernden mit Tröstungen vergelten [...]“ (Jes 57,18). 

Angesichts aufsässiger, der Gnade widerstehender Abtrünnigkeit sagt Gott also: „Ich will es heilen.“ Er wird Trost schenken. Wenn hier von „Tröstungen“ die Rede ist, dann meint das, jemanden „ganz oder heil zu machen“. Das hebräische Wort ist mit „Schalom“ verwandt, „Frieden“. Dieses Heilsein und dieser Frieden, von denen im nächsten Vers die Rede ist, erklären, wie Gott einen der Gnade widerstehenden, abtrünnigen Menschen zur Umkehr führt. 

Er tut es, „indem [er] Frucht der Lippen [schafft]: Friede, Friede (Schalom, Schalom) den Fernen und den Nahen, spricht der HERR; ja, ich will es heilen!“ (Jes 57,19). Gott erschafft, was nicht da ist – Frieden, Heilsein. So werden wir gerettet. Und so holt er uns auch zurück, wenn wir abtrünnig werden – und er tut es immer und immer wieder. 

Gottes Gnade triumphiert über unseren Widerstand, indem sie dort Lobpreis schafft, wo es davor keinen gab. Er bringt Schalom, Schalom den Nahen und den Fernen. Heilwerden, Heilsein den Nahen und den Fernen. Er tut das, indem er uns tröstet, uns wiederherstellt, d. h., indem er die Krankheit des Widerstands gegen die Gesundheit der Unterordnung auswechselt. 

Bei der Lehre von Gottes unwiderstehlicher Gnade geht es nicht darum, dass wir Gott nicht widerstehen können. Wir können es und wir tun es auch. Es geht darum, dass Gott, wenn er es will, unseren Widerstand überwindet und uns von Neuem einen Geist verleiht, der sich ihm unterordnet. Er erschafft. Er spricht: „Es werde Licht!“ Er heilt. Er leitet. Er stellt wieder Frieden her. Er tröstet. 

Darum können wir uns niemals rühmen, dass wir von unserer Abtrünnigkeit umgekehrt sind. Wir beugen uns vor dem Herrn mit dem Gesicht bis auf die Erde, wir zittern vor Freude und wir danken ihm für seine unwiderstehliche Gnade, die all unseren Widerstand besiegt hat. 

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