Umkehren, aber wie?

Andacht von John Piper – gelesen von Robin Dammer
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„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit.“ (1Joh 1,9) 

Das vage Gefühl, dass ich ein schäbiger, schlechter Mensch bin, ist nicht dasselbe, wie von meiner Sünde überführt zu sein. Sich dreckig zu fühlen, ist nicht dasselbe, wie umzukehren. 

An diesem Morgen fing ich an zu beten. Aber ich fühlte mich unwürdig, überhaupt mit dem Schöpfer des Universums zu reden. Es war ein vages Gefühl, dass ich unwürdig war, zu ihm zu kommen. Also sagte ich es ihm. Und dann? 

Es veränderte sich nichts, bis ich konkrete Sünden ansprach. Sich schäbig zu fühlen, ist nur dann nützlich, wenn uns diese Gefühle im Blick auf konkrete Sünden überführen. Aber das vage Gefühl, ein schlechter Mensch zu sein, führt meistens zu nichts. 

Der Nebel der Unwürdigkeit muss klare Konturen annehmen. Erst müssen sich die dunklen Säulen des Ungehorsams deutlich abzeichnen. Dann kannst du auf sie zeigen und davon umkehren und Gott um Verzeihung bitten und sie mit dem Raketenwerfer des Evangeliums in die Luft jagen, sie ausrotten. 

Also rief ich mir die Gebote in Erinnerung, die ich regelmäßig breche. Es waren diese: 

  • Du sollst Gott mit ganzem Herzen und mit ganzem Verständnis und mit ganzer Seele und mit aller Kraft lieben. Nicht mit 95 Prozent, sondern mit 100 Prozent. (Mt 22,37) 
  • Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Strebe genauso danach, dass ihm Dinge gelingen und es bei ihm gut läuft wie bei dir selbst. (Mt 22,39) 
  • Tut alles ohne Murren. Überhaupt kein Murren – weder innerlich noch äußerlich. (Phil 2,14) 
  • Alle eure Sorge werft auf ihn –damit sie euch nicht mehr niederdrückt. (1Petr 5,7) 
  • Aus eurem Mund sollen nur Worte kommen, die anderen Gnade bringen – besonders denen, die euch am nächsten stehen. (Eph 4,29) 
  • Kauft die Zeit aus. Vergeude deine Zeit nicht und trödle nicht herum. (Eph 5,16) 

Kann ich mir anmaßen, besonders heilig zu sein? Von wegen! Ich bin völlig erledigt. 

Das ist viel schlimmer als das vage, schäbige Gefühl. Ah, doch jetzt ist der Feind sichtbar. Es sind konkrete Sünden. Sie sind nicht mehr verborgen. Ich sehe ihnen ins Auge. Ich jammere nicht darüber, dass ich mich schäbig fühle. Ich bitte Christus um Verzeihung, dass ich konkrete Dinge, die er mir geboten hat, nicht getan habe. 

Ich bin zerschlagen und zornig über meine Sünde. Ich will die Sünde abtöten, nicht mich selbst. Ich bin nicht lebensmüde. Ich bin ein Sündenhasser und ein Sündentöter. („Tötet daher eure Glieder, die auf Erden sind“, Kol 3,5; „[tötet] aber durch den Geist die Taten des Leibes“, Röm 8,13.) Ich will leben. Darum werde ich zum Totschläger – meiner eigenen Sünde! 

Inmitten dieses Konflikts höre ich die Verheißung: „Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1Joh 1,9). Friede erfüllt er mich. 

Jetzt ist beten wieder möglich und richtig und kraftvoll. 

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