Gott wohlgefällig leben

Rezension von Andreas Dück
22. Januar 2021 — 5 Min Lesedauer

Christen sollten sich heiligen, aber wollen sie es auch? In seinem Buch Gott wohlgefällig leben bespricht Sproul dieses Thema durch die Linse des Zweckes: Warum Heiligung? Während ich Heiligung oft anhand von Bestandteilen der Lebensbereiche erklärt bekomme, finde ich hier einen erfrischenden Ansatz, mich neu einem alltäglichen und eigentlich bekannten Thema zu nähern. Sproul beginnt die Einleitung wie folgt:

„Im Neuen Testament gibt es drei Begebenheiten, bei denen Gott hörbar vom Himmel herab redete: die Taufe Jesu […], die Verklärung […] und die Rede Jesu nach Seinem triumphalen Einzug in Jerusalem. In den ersten beiden Situationen erklärte Gott, dass Er Wohlgefallen an Seinem Sohn hat. Gibt es für einen Menschen eine höhere Anerkennung als das Wissen, dass sein Tun Gott gefällt? Jeder Christ sollte leidenschaftlich danach trachten, Gott zu gefallen.“ (S. 6)

Was Gott über Jesus gesagt hat, sollte er auch über uns sagen können. Christen möchten sich zu Beginn ihres Leben als Christ gern verändern, weil sie Gott gefallen wollen. Doch dieser Wunsch wird mit der Zeit getrübt und lässt nach. Sproul macht sich daran, die Hindernisse zu identifizieren und Wege zur Überwindung aufzuzeigen.

Worum es in dem Buch geht

„Er lässt den Einwand nicht gelten, dass ‚innere Werte‘ mehr zählen als nur äußere Taten – welchen Nutzen sollten sie ohne Praxis denn haben?“
 

Nachdem er die Grundlagen mit der Bekehrung und dem Prinzip der wachsenden Heiligung gelegt hat, benennt Sproul das Ziel der Heiligung. Für mich überraschend setzt er nicht bei der Ehre Gottes, sondern beim Reich Gottes an, das sich in der gelebten Gerechtigkeit zeigt. Sproul will unbedingt vermeiden, dass der Leser dieses Thema für sich abhakt, indem er auf die Rechtfertigung durch Christus hinweist. Ohne gelebte Gerechtigkeit muss die „juristische“ Gerechtigkeit vor Gott bezweifelt werden. Ausgehend von Matthäus 5,20 führt er aus, dass die damaligen Pharisäer viele Christen heute in puncto Mission, Geben, Gebet und Schriftstudium bei weitem übertrafen. Er lässt den Einwand nicht gelten, dass „innere Werte“ mehr zählen als nur äußere Taten – welchen Nutzen sollten sie ohne Praxis denn haben? Unter Rückgriff auf Luther spricht Sproul von dem feindlichen Trio, das dem Christen gegenübersteht: die Welt, das Fleisch und der Satan. Es gelingt ihm gut, die Verbindung und die Unterschiede zwischen diesen dreien aufzuzeigen und den spezifischen Umgang mit dem jeweiligen Akteur zu beschreiben. Das komplexe Thema Vergebung wird in sehr knapper Form erstaunlich umfassend behandelt, wie auch die Frage danach, was es mit dem „fleischlichen Christen“ auf sich hat. Unter Verweis auf Barth behandelt Sproul noch ein weiteres Trio: Stolz, Trägheit und Unehrlichkeit. Er zeigt auf, wie sie miteinander verbunden sind und wie sie bekämpft werden können. In hilfreicher Weise macht er deutlich, warum das Leben nicht wichtiger als die Lehre ist, stellt diese doch die Voraussetzung für das Leben mit Gott dar. Er schließt mit der Ermutigung ab, nicht aufzugeben.

Wie das Buch auf mich wirkt

Sproul nähert sich dem Thema der Heiligung auf anderen Wegen als ich es gewohnt bin. Anstatt durch bekannte Muster zu oberflächlichem Lesen verleitet zu werden, wurde ich durch die Gedankengänge in den jeweiligen Kapiteln überrascht. Den Aufbau des Buches finde ich schlüssig und nachvollziehbar, die Kapitel bauen gut aufeinander auf. Die Themen sind recht kurz gehalten und mit treffenden und oft humorvollen Illustrationen aus dem Leben des Verfassers aufbereitet. Ich hatte mir beim Lesen vorgenommen, die enthaltenen Bibelverse gründlich zu lesen, statt sie – weil bekannt – nur zu überfliegen. Das hatte auch den guten Effekt, zu sehen, dass die Ausführungen Sprouls wirklich den biblischen Aussagen entspringen und dass diese Verse nicht nur frommes Beiwerk zu seinen eigenen Gedanken sind.

„Ein korrigiertes Gewissen führt zu Veränderungen.“
 

Anhand mehrerer Details kann man erkennen, dass der Verfasser über profundes theologisches und allgemeines Wissen verfügt. Nicht allein die persönliche Erfahrung und Leidenschaft des Autors bestimmen den Inhalt, dieser fußt auf breit aufgestellten Studien. Die Sprache ist jedoch einfach gehalten und will praktisch sein. Dabei liegt der Fokus nicht auf bloßen Appellen, sondern er will vielmehr den Leser überzeugen. Sproul beschreibt die Etappen der Veränderung in den drei Schritten Bewusstsein (Wissen), Überzeugung und Gewissen, wobei am Anfang die Vermittlung von Wissen steht. Ein korrigiertes Gewissen führt zu Veränderungen. Somit ist das Buch alles andere als eine theoretische Abhandlung über Veränderung. Es beinhaltet nicht nur praktische Beispiele, sondern ist ein Buch, das zur Praxis hinführt.

Fazit

Beim Lesen der einzelnen Kapitel musste ich immer wieder mal eine Pause zum Nachsinnen einlegen. Ich hätte nicht erwartet, etwas Neues über Heiligung zu lernen. Doch der Weg, den Sproul einschlägt, führte bei mir zu neuen Verknüpfungen und regte mich zum Nachdenken an. Ich sah mich an das Wort Jesu erinnert: „Darum gleicht jeder Schriftgelehrte, der für das Reich der Himmel unterrichtet ist, einem Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt” (Mt 13,52). Die Einfachheit des Schreibstils, verknüpft mit geistlicher Tiefe, ließ mich immer wieder gern zu dem Buch greifen.

Das sehr gut übersetzte Buch ist sicherlich ein Gewinn für Christen, die noch nicht lange mit Jesus auf dem Weg sind. Es ist aber auch für diejenigen erfrischend zu lesen, die außer Ermahnung nichts Neues in Bezug auf das Thema „Heiligung“ erwarten. Sproul gelingt es, den Leser zu gewinnen und sowohl klar als auch verständnisvoll an das Thema heranzuführen.

Buch

R.C. Sproul, Gott wohlgefällig leben: Die Bedeutung und die Wichtigkeit der Heiligung entdecken, Reichshof: Voice of Hope Verlag, 2020.

Andreas Dück ist Pastor in der Freien Kirchengemeinde Warendorf. Er hat am Martin Bucer Seminar studiert und ist mit Sofia verheiratet.