Wenn Gott eine Gnade verwehrt und dafür eine andere schenkt

Podcast von John Piper – gelesen von Robin Dammer
7. Januar 2021
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„[Wir müssen] durch viele Bedrängnisse in das Reich Gottes eingehen [...].“ (Apg 14,22) 

Wir brauchen nicht nur deshalb innere Stärke, weil der alltägliche Stress an uns zehrt, sondern auch wegen der Leiden und Bedrängnisse, die wir von zu Zeit zu Zeit durchmachen. Sie kommen gewiss. 

Leiden ist auf unserem Weg in den Himmel unvermeidbar,  genauso wie ein Herz, das mühselig und beladen ist und Erquickung braucht. Wenn es kommt, können wir im Herzen verzagen und dann kann der enge Weg, der zum Leben führt, uns nahezu unmöglich erscheinen. Es ist schwer genug, auf einer engen Straße und über steile Berge unterwegs zu sein, die unsere alte Karre an ihre Grenzen bringen. Doch was sollen wir machen, wenn das Auto liegen bleibt? 

Paulus hat dem Herrn diese Frage in einer konkreten Bedrängnis in seinem Leben dreimal gestellt. Er bat darum, von dem Stachel in seinem Fleisch befreit zu werden. Doch Gottes Gnade kam nicht in der Form, um die er gebeten hatte. Sie kam in anderer Form. Christus antwortete ihm: „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen!“ (2Kor 12,9). 

Wir sehen hier, wie Paulus Gnade empfängt und zwar in Form von Christi Macht, die ihn in seiner bleibenden Bedrängnis stützt und erhält – die eine Gnade wird ihm sozusagen im Zuge der anderen verwehrten Gnade geschenkt. Und Paulus antwortete darauf in dem Glauben, dass diese zukünftige Gnade für ihn genügte: „Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne“ (2Kor 12,9). 

Gott segnet uns häufig dadurch, dass er uns im Zuge einer Gnade, die er uns „verwehrt“ hat, eine andere Gnade „schenkt“. 

Beispielsweise habe ich einmal erlebt, wie die Kühlmittelpumpe unseres Autos an einem unheimlich heißen Julitag einfach ihren Geist aufgab. Wir saßen gut 30 Kilometer entfernt vom nächsten Ort am Rand der Interstate irgendwo in Tennessee fest. 

Ich hatte am Morgen gebetet, dass mit dem Auto alles gut gehen würde und wir sicher ans Ziel kommen würden. Jetzt war das Auto liegengeblieben. Der Segen einer problemlosen Fahrt war uns verwehrt geblieben. Niemand hielt an, während wir um das Auto herum standen. Dann sagte mein Sohn Abraham (er war damals ungefähr elf): „Papa, lass uns beten.“ Also knieten wir uns hinters Auto und baten Gott um seine zukünftige Gnade – um eine Hilfe in der Not. Als wir wieder aufschauten, war ein Lieferwagen rechts rangefahren. 

Der Fahrer war ein Automechaniker, der ungefähr 30 Kilometer entfernt arbeitete. Er bot an, die passenden Ersatzteile zu holen und wieder zu uns zurückzukommen, um das Autor zu reparieren. Ich begleitete ihn in die nahegelegene Stadt und konnte ihm auf dem Weg das Evangelium erklären. Nach gut fünf Stunden konnten wir weiterfahren. 

Das bemerkenswerte an Gottes Antwort auf unser Gebet war, dass sie im Zuge eines verwehrten Gebets kam. Wir hatten um eine problemlose Fahrt gebeten. Gott gab uns Probleme. Doch inmitten einer verwehrten Gnade, wurde uns eine andere Gnade geschenkt. Und ich lerne, mehr und mehr Gottes Weisheit zu vertrauen, in der er mir die Gnade gibt, die am besten für mich und für nichtchristliche Automechaniker und für die aufmerksamen Augen des jungen Glaubens eines Elfjährigen ist. 

Wir sollten nicht überrascht sein, dass Gott uns viel wunderbare Gnade inmitten des Leidens gibt, von dem wir verschont werden wollten. Er weiß am besten, wie er seine Gnade uns zum Wohl und sich selbst zur Ehre austeilt.