Beautifully Distinct

Rezension von Kim Lotz
19. Oktober 2020 — 5 Min Lesedauer

„Wie kann ich denn als ganz normale Frau überhaupt Einfluss auf meine Kultur ausüben? Das ist doch etwas für Theologen, Pastoren oder hochbegabte Power-Frauen, die eine besondere Stellung in der Gesellschaft haben. Ich bin doch nur ____ (Mutter, Arbeitnehmerin, Rentnerin – bitte einsetzen, was für dich passt).“ Hast du dir diese Frage schon mal gestellt? Du möchtest gerne mit anderen über deinen Glauben an Jesus Christus sprechen, findest aber keinen Einstiegspunkt – du weißt einfach nicht, wie und wo du anfangen könntest? Dann ist dieses Buch für dich genau das Richtige (leider zurzeit nur, wenn du Englisch kannst)! Es enthält elf Kapitel, die von elf verschiedenen Frauen geschrieben wurden, und untersucht, wie wir als Frauen wachsen können – indem wir uns über die verschiedenen Aspekte des Lebens Gedanken machen, indem wir Menschen zuhören, die ganz anders sind als wir, und indem wir so reden, dass Gott geehrt wird. Das Hauptziel dieses Wachstums ist, dass wir das Evangelium „freundlich und mit Achtung für die anderen“ (1Petr 3,16) weitergeben können.

„Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie das, was du liest, deinen Glauben beeinflusst? Und was ist mit den Filmen, die du schaust?“
 

In der Einleitung betont die Herausgeberin Trillia Newbell, dass die Grundlage von allem Gottes Wort ist. Wenn wir durch Gottes Wort geheiligt werden (Joh 17,19), werden wir ganz anders als die Welt sein („distinct“), und doch irgendwie anziehend, schön („beautiful“). Sie stellt folgende Fragen: „Hast du schon einmal darüber nachgedacht, wie das, was du liest, deinen Glauben beeinflusst? Und was ist mit den Filmen, die du schaust? Wen hast du neulich zu dir eingeladen? Kannst du deine eigene Geschichte auf eine überzeugende Weise erzählen, so dass der Herr sie zu seiner Ehre und zum Guten der anderen gebrauchen kann?“ Das sind nur ein paar der Themen, die im Buch vorkommen.

Das Buch ist kurz (133 Seiten auf Englisch) und so geschrieben, dass die Leserin (okay, Männer dürfen das Buch auch lesen, es richtet sich aber in erster Linie an Frauen) das Gefühl hat, ein persönliches Gespräch mit den Autorinnen zu führen. Sie schreiben aus persönlicher Erfahrung und wollen uns helfen zu sehen, dass wirklich jede Frau ebenso mit der Kultur interagieren kann wie die Autorinnen selbst, auch wenn natürlich jede ein anderes Leben führt. Es ist also ein Buch, das uns sagen will: „Ich habe es getan – du kannst es auch!“

Zu jedem der drei Teile (Nachdenken, richtig Zuhören und richtig Reden) gibt es eine Einleitung. Jeder Teil enthält dann drei bis fünf Kapitel, die sich mit verschiedenen Aspekten des Hauptthemas beschäftigen. Im ersten Teil geht es darum, wie wir aktiv Bücher lesen, Filme schauen können usw., um diese Inhalte u.a. als Aufhänger für Gespräche mit unseren Nachbarn, Arbeitskollegen und Familienmitgliedern gebrauchen zu können. Auch unser Umgang mit Essen, das für uns als reiche Europäer zur Ersatzreligion werden kann, wird hier unter die Lupe genommen. Außerdem werden Themen wie Sexualität, Arbeit und Literatur behandelt. Die Kapitel sind spannend und geben viel Stoff zum Nachdenken.

Im zweiten Teil ist das eigentliche Thema die Nächstenliebe mitsamt der Frage: „Wer ist mein Nächster?“ Hier sehen wir, was geschehen kann, wenn wir Menschen, die ganz anders sind als wir, zu uns einladen, und wie wir ganz praktisch Fremde, besonders Immigranten, lieben können. Das dritte Kapitel in diesem Teil, geschrieben von zwei schwarzen Frauen, untersucht das Thema Vielfältigkeit und Rassismus (auch in der Gemeinde). Diese Kapitel sind zugleich herausfordernd und ermutigend, denn Gott hat uns in Jesus Christus gezeigt, wie umfassend Nächstenliebe ist, und uns ein Vorbild gegeben, das uns meistens unerreichbar scheint. Doch mit kleinen Schritten können wir allmählich dahin kommen.

Der dritte Teil beschäftigt sich mit unserem Reden – immer ein heißes Thema bei Frauen! Nicht nur was wir sagen ist wichtig, sondern auch wie und warum wir es sagen. In Kapitel 9 zeigt Erin Davis auf, wie wir auch auf sozialen Plattformen „Salz und Licht“ sein können, und wie das, was wir auf diesen Plattformen sagen, aufdeckt, was in unseren Herzen ist. Sie macht uns auf die Gefahren von Social Media aufmerksam, bezeichnet diese aber auch als eine „einmalige Gelegenheit, die Hoffnung des Evangeliums zu verbreiten“.

„Jen Wilkin empfiehlt, dass wir überhaupt nicht über das Aussehen reden und ‚so eine Kultur erschaffen, in der das Aussehen nichts mit der Bewertung von uns selbst und voneinander zu tun hat‘.“
 

Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie wir Schönheit betrachten. Wie geht unsere Kultur damit um und was ist das Resultat? Was sagt Gottes Wort über wahre Schönheit, zum Beispiel in 1. Petrus 3,3–4? Ein Problem ist, dass wir kulturell bedingt dazu neigen, äußerliche Schönheit zu loben und zu belohnen. Jen Wilkin empfiehlt in diesem Kapitel, dass wir überhaupt nicht über das Aussehen reden und „so eine Kultur erschaffen, in der das Aussehen nichts mit der Bewertung von uns selbst und voneinander zu tun hat“.

Mit dem Beispiel der Frau am Brunnen (Johannes 4) gibt uns Jackie Hill Perry im letzten Kapitel Tipps, wie wir unsere eigene Geschichte mit Jesus erzählen können – und dabei geht es nicht nur um unsere Bekehrungsgeschichte. Sie hilft uns dabei, indem sie ihre eigene Geschichte erzählt, die sie auf mehrere Weisen auch poetisch und im Internet teilt. Sie schreibt: „Durch die Geschichten, die wir erzählen, vermitteln wir, dass das Evangelium nicht nur rettet, sondern zur täglichen Veränderung führt.”

In ihrem Nachwort zu diesem Buch schlägt Trillia Newbell einige Fragen vor, die ein Gespräch oder das eigene Nachdenken über das Buch lenken können. Sie betont noch einmal das Ziel des Buches: dass wir als Christinnen ein Licht in dieser dunklen Welt werden. Wenn das auch dein Ziel ist (und dieses Ziel sollten wir alle haben), dann kann dir dieses Buch dabei helfen.

Buch

Trillia Newbell, Beautifully Distinct: Conversations with Friends on Faith, Life and Culture, The Good Book Company, 2020.

Kim Lotz ist gebürtige Amerikanerin und wohnt seit 2011 in Nürnberg, wo sie und ihr deutscher Mann in einer kleinen freikirchlichen Gemeinde als Laien dienen. Sie haben einen erwachsenen Sohn, der mit seiner Frau in den USA wohnt. Kims Leidenschaft ist es, Frauen dabei zu helfen, „den unausforschlichen Reichtum Jesu Christi“ zu erforschen. Dies tut sie unter anderem in Zweierschaften, als Leiterin eines Nachfolgekreises und als Referentin.