Das Evangelium Gottes

Rezension von Michael Wiche
9. Oktober 2020 — 4 Min Lesedauer

Das Buch Das Evangelium Gottes wurde anlässlich des 75-jährigen Jubiläums des Seminars für biblische Theologie Beatenberg (Schweiz) vom derzeitigen Direktor Felix E. Äschlimann herausgegeben. Das Buch umfasst 13 Kapitel, in denen neben Äschlimann weitere Dozenten und Mitarbeiter des sbt Beatenberg zu Wort kommen. Die ersten drei Kapitel bilden die inhaltliche Grundlage, während die folgenden Abschnitte darauf aufbauen. Das Buch fügt sich passend in das Kernanliegen des sbt Beatenberg ein, wie Felix E. Äschlimann selbst betont: „Damit steht am sbt nichts anderes als das einfache, aber überaus wirkungsvolle Evangelium Gottes im Zentrum von Lehre und Verkündigung“ (S. 8). Nach den drei grundlegenden Kapiteln zeigen die Autoren auf, wie wir dieses Evangelium im Alten Testament und in den Bündnissen Gottes mit seinem Volk sehen können, wie es sich in der Kirchengeschichte (in der Mission und bei den Puritanern) ausgewirkt hat und welche konkreten Folgen diese Botschaft für unser persönliches Leben in der Nachfolge Jesu und unser Gemeindeleben hat (in der Dienstpraxis als Pastor, in Krankheit und Leiden, in unserer persönlichen Veränderung als Christen, in unserer Sprache sowie im Leben mit Jesus). Das letzte Kapitel schließt mit dem Zeugnis von der Geschichte des sbt Beatenberg.

„Das historische Christentum hatte stets die Aussage ‚Christus starb für unsere Sünden‘ im Zentrum der Verkündigung. Die postmoderne Variante lautet dagegen: Christus starb für deine Probleme und deine persönliche Glücksoptimierung.“
 

Schon der Titel des Buches hat beim ersten Lesen meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. „Das Evangelium Gottes“ – es geht um etwas sehr Wichtiges. Das ist kein Randthema. Deshalb habe ich mich gerne intensiver damit auseinandergesetzt. Dazu kommt das Buch in einem ansprechenden und frischen Design daher. Beim Inhalt hat mich von Anfang an die klare Ausrichtung auf das Evangelium begeistert und angesprochen. Neben dieser klaren Ausrichtung stellt Äschlimann vor allem in den ersten Kapiteln eine hilfreiche, ehrliche sowie schonungslose Analyse der aktuellen Situation in der deutschsprachigen evangelikalen Szene dar. Er schreibt dazu: „Das historische Christentum hatte stets die Aussage ‚Christus starb für unsere Sünden‘ im Zentrum der Verkündigung. Die postmoderne Variante lautet dagegen: Christus starb für deine Probleme und deine persönliche Glücksoptimierung“ (S. 53). Diese Beobachtung fügt sich in meine persönliche Wahrnehmung ein. Das Evangelium – die gute Nachricht von Jesus Christus – steht von verschiedenen Seiten unter Beschuss: die einen tendieren zu einem „evangelikalen Aktivismus“, andere zu einem „erschöpfenden Moralismus“, Christus wird lediglich nur noch als Vorbild eines perfekten Lebens verkündigt. Deshalb brauchen wir eine neue Ausrichtung auf die zentrale Botschaft der Bibel – das Evangelium Gottes, die wir heute klar verkündigen müssen. Als hilfreiche Ankerpunkte können uns die reformatorischen Schlagworte „sola scriptura“ (allein die Schrift), „sola gratia“ (allein aus Gnade), „sola fide“ (allein durch Glauben), „solus christus“ (allein durch Christus“) sowie „soli deo gloria“ (allein zur Ehre Gottes) dienen. Die Autoren nehmen in ihren Kapiteln immer wieder Bezug auf diese fünf „soli“, um dem Leser eine klare theologische Orientierung zu geben. Darüber hinaus gelingt es ihnen, praktische Hilfen und Wege aufzuzeigen, wie die Botschaft des Evangeliums unser Leben prägt und sich im Alltag als Christ auswirkt. Besonders hilfreich war für mich persönlich das Kapitel 8, in dem es um die Dienstpraxis als Gemeindepastor geht. Die Worte des Autors Samuel Sommer sind klar und zutreffend:

„Ich muss als Pastor selber ergriffen sein von dem Preis, welchen Jesus Christus für meine Erlösung aufgrund meiner Sünde bezahlt hat. Auch und gerade wegen meiner Sünden gegenüber der Gemeinde! Die Gemeinde ist Gottes Werkzeug zu meiner Heiligung! Als Pastor darf ich täglich aus seiner Gnade leben“ (S. 158).

Fazit

Mein persönliches Fazit über Das Evangelium Gottes fällt sehr positiv aus. Mich haben die einzelnen Kapitel sehr ermutigt, die zentrale Botschaft der Bibel immer wieder im Blick zu haben und auf mein Leben wirken zu lassen. Dabei will ich besonders die ersten drei Kapitel hervorheben. Ich bin dankbar, dass ein solches Buch jetzt im deutschsprachigen Raum existiert, weil es mit seiner Analyse und seiner Botschaft genau an der richtigen Stelle ansetzt. Dem Leser wird aufgezeigt, warum das Evangelium Gottes die zentrale Botschaft der Schrift ist und wie es in unserem Leben konkret Gestalt gewinnt! Durch das Lesen wurde mein persönlicher Fokus wieder neu und stärker auf das Zentrum der Bibel und das Zentrum unseres Glaubens als Christen ausgerichtet.

„Wer sich neu begeistern und seinen Fokus auf das Wesentliche richten will, dem kann ich Das Evangelium Gottes ans Herz legen.“
 

Die Botschaft des Evangeliums Gottes lässt sich kompakt in die Worte fassen: „Gott rettet Sünder“ (S. 43). Diese Botschaft brauchen wir klar und deutlich Tag für Tag – gerade auch als Christen und Mitarbeiter in der Gemeinde Jesu. Das Buch eignet sich für alle, die in ihrer Freude wachsen und in ihrer Christusnachfolge ermutigt werden wollen. Wer sich neu begeistern und seinen Fokus auf das Wesentliche richten will, dem kann ich Das Evangelium Gottes ans Herz legen. Neben theologischem Tiefgang bietet es praxisnahe Ansätze, wie unser Leben in allen Bereichen das Evangelium ins Zentrum rücken kann.

Buch

Felix E. Äschlimann (Hrsg.), Das Evangelium Gottes. Nicht toter Buchstabe, sondern Worte, die Leben schaffen. Augustdorf: Betanien, 2020.

Michael Wiche ist verheiratet mit Julia und die beiden haben drei Kinder. Als Familie leben sie seit 2010 in Worms. Michael ist dort Pastor der Freien evangelischen Gemeinde in Worms. Sein Herz schlägt für die Gemeinde Jesu und dass Menschen Jesus kennenlernen und ihm konsequent nachfolgen.