Leben als Christ Im Trend

Heute noch nichts gemacht?

Artikel von Emma Scrivener
30. September 2020 — 5 Min Lesedauer

Mein Mann kommt nach Hause und findet mich bäuchlings auf dem Sofa. Das Haus sieht aus, als wäre eingebrochen worden. Die Kinder schreien herum und versuchen, eine gemütliche Sitzposition auf meinem Rücken zu finden.

„Wie war dein Tag?“, nuschele ich in ein Kissen.

„Danke, super!“, sagt er. “Hatte ein paar Sitzungen. Bin dabei, die Drehbücher für die Ostervideos fertig zu stellen. Habe mit jemandem aus den Vereinigten Staaten geskypt. Meine Reden für die Konferenz sind geschrieben und ein Manuskript abgesendet. Habe ebenfalls die Förderungsanträge abgesandt und eine Einheit über die Trinität mit den Praktikanten abgehalten. Und du? Was hast du so gemacht?”

Ich denke nach während mir kleine Finger Knete ins Ohr stopfen.

Hmm. Ich habe versucht, unseren Sohn davon abzuhalten, in die Waschmaschine zu steigen, den Kühlschrank hoch zu klettern, Katzenleckerbissen zu essen, seine Windel auszuziehen, seine Finger in Steckdosen zu stecken, die Katze am Schwanz zu ziehen und Plastikbesteck das Klo hinunter zu spülen. Ich habe so getan, als wäre ich ein Müllfahrzeug und ein Müllmann. Eine halbe E-Mail verfasst. Formulare für die Schule ausgefüllt. Einer Freundin geschrieben. Ein paar Dinge eingekauft. Gebügelt. Einen Psalm angehört. Mittagessen gekocht (das mein Sohn auf den Boden geschmissen hat). Lastwagengeräusche gemacht. Nicht mehr erkennbare Essensreste vom Fußboden geschabt. Auf eine Nachricht der Schule meiner Tochter geantwortet, die uns darüber benachrichtigten, dass sie einen kleinen Unfall hatte: Nasenbluten wegen zu starkem Nasenbohren. Abendessen gekocht. Die Mülltonnen (mit nachgeahmten Müllfahrzeuggeräuschen) rausgebracht.

„Nichts“, sage ich ihm.

Ich habe mich nicht für den Weltfrieden eingesetzt. Keinen Roman verfasst. Nicht mein eigenes Unternehmen gegründet. Nicht den Aktenschrank ausgemistet. Nicht die Bücher aus der Bücherei zurück gebracht. Nichts im Internet veröffentlicht, dass auf großes Gemeininteresse gestoßen ist. Mit den Kindern weder einen Ausflug in den Freizeitpark unternommen, noch eine große Krankheit überstanden. Keinen Marathon absolviert, geschweige denn überhaupt gerannt. Keine Polarlichter gesehen.

„Du hast sicherlich nicht nichts getan“, antwortet er.

„Nichts“ ≠ nichts

Wenn ich darauf zurück blicke, wie ich meinen vollen Tag verbracht habe, merke ich, dass all das zu etwas Größerem beigetragen hat.

„Momentan ist mein Leben mit meinen kleinen Kindern sehr von Heimarbeit geprägt. Manchmal ist es großartig und manchmal ist es schwer. Doch egal, was ich mir einrede, es ist nicht nichts.“
 

Ich habe mich um ein Kind gekümmert, das nicht auf auf sich alleine aufpassen kann. Habe mir ein kleines Stück Erde untertan gemacht (wobei ich mir einige Blessuren zugezogen habe). Mich um unser Haus gekümmert. Worte des Lebens angehört, die meine Seele genährt haben. Wichtige administrative Aufgaben abgeschlossen. Zeit in die Bildung meiner Tochter gesteckt. Einen Essensvorrat für meine Liebsten angelegt (in anderen Worten: ich war einkaufen). Meine Kinder mit sorgfältig ausgewählten Nachmittagssnacks verwöhnt. Einen kleinen Kämpfer ermutigt. In Abhängigkeit von dem lebendigen Gott gelebt. Meinem Mann den Rücken freigehalten, damit er das Evangelium verkünden kann. Und eine oscarreife Darstellung eines Müllautos abgegeben.

Momentan ist mein Leben mit meinen kleinen Kindern sehr von Heimarbeit geprägt. Manchmal ist es großartig und manchmal ist es schwer. Doch egal, was ich mir einrede, es ist nicht nichts.

Wie sieht es mit dir aus? Vielleicht bist du ein Student, der hart arbeitet, aber noch kein Geld verdient. Vielleicht bist du in einem Altersheim und auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen. Vielleicht leidest du unter Krankheit oder Trauer. Vielleicht verbringst du die meiste Zeit des Vormittags im Bett.

Vielleicht hast du den Eindruck, in deinem Leben nur wenig zu erreichen. Aber durch Gottes Gnade tust du womöglich viel mehr, als du denkst.

Dorkas To-Do-Liste

In der Bibel finden wir ein Beispiel für eine Person, die auf den ersten Blick den Eindruck erweckt, nichts zu tun. Dennoch ist sie eine der Helden des Neuen Testaments.

Der Alltag von Dorkas, deren Geschichte wir in Apg 9 lesen, war gefüllt von Dingen, die viele als „nichts“ bezeichnen würden. Sie schrieb keinen Bestsellerroman, gründete keine Gemeinde und trat nicht vor Menschenmassen auf. Wir wissen nicht einmal, ob sie verheiratet oder alleinstehend, attraktiv oder unscheinbar war. Wir wissen nur eines über sie: Sie diente Anderen in ruhiger Weise und ihre freundlichen Handlungen werden unvergessen bleiben.

Die Geschichte von Dorkas (oder Tabitha) nimmt gerade einmal ein paar Zeilen in der Bibel ein. Aber diese berichten vieles. Wir erfahren, dass sie eine Nachfolgerin Jesu war, die „war reich an guten Werken und Wohltätigkeit, die sie übte“ (Apg 9,36). Eines Tages wurde sie krank und starb. Die Gemeinde war am Boden zerstört und ließ Petrus kommen, der für ihren Körper betete und sie zum Leben erweckte. Infolgedessen wurde dies „aber in ganz Joche bekannt, und viele wurden gläubig an den Herrn“ (Apg 9,42).

Dorkas war vielleicht selbst eine Witwe – jedenfalls unterstützte sie andere Witwen. Diese Frauen waren am unteren Ende der Gesellschaft, schwach und sehr schutzbedürftig. Doch seht einmal, was durch ihren einfachen Dienst erreicht wurde. Sie war so geliebt, dass ihre Gemeinde es nicht ertragen konnte, ohne sie zu sein. Sie war eine wundervolle Zeugin Jesu in ihrem Leben – und noch mehr in ihrem Tod und in ihrer Auferstehung.

Ungesehene Arbeit

Wir sind verleitet, zu meinen, unsere einfachen Leben und einfachen Dienste seien nicht viel wert; speziell, wenn wir sie mit unseren kulturellen Erfolgsnormen vergleichen. Wir unterstellen uns leicht, nichts zu tun. Aber das ist schlichtweg falsch. Ein durch chronische Krankheit ans Haus gebundener Freund betet treu für Andere und leistet damit Großes für Gottes Königreich. Gott gebraucht die Schwachen, Unbemerkten und Übersehenen.

„Gott gebraucht die Schwachen, Unbemerkten und Übersehenen.“
 

Erinnern Sie sich an Dorkas! Sogar unsere banalsten Aufgaben erzielen eine gewichtige Herrlichkeit, wenn sie im Glauben ausgeführt werden (2Kor 4,16–18). Was immer Sie auch tun, es ist nicht nichts.

Emma Scrivener wurde in Belfast, Irland geboren. Jetzt lebt sie mit ihrem Mann Glen und ihren beiden Kindern in Eastbourne, England. Emma verfasst auf emmascrivener.net Beiträge über Identität, Glaube und psychische Gesundheit. Sie hat mehrere Bücher, darunter A new name und A new day, verfasst.