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Fünf Lügen, die Gemeindegründer glauben sollen

Artikel von Matt Hodges
14. September 2020 — 5 Min Lesedauer

Satan liebt das Blendwerk. Es ist seine Hauptwaffe im Kampf gegen Gottes Reich, dessen Wachstum er vereiteln will. Und da Gott sein Reich hauptsächlich über Gemeindegründungen baut, belügt Satan natürlich allzu gerne Gemeindegründer!

Einige seiner Unwahrheiten sind offensichtlich. So schwer es auch manchmal ist, alltagspraktisch zu glauben, so wissen wir doch theoretisch, dass unser Wert nicht in den Ergebnissen unseres Dienstes liegt. Wir wissen, dass die Liebe Christi zu uns und unsere Identität in ihm nicht von unserem Wirken abhängt. Aber gewisse Vorspiegelungen – vermutlich die gefährlichsten – geben sich glaubwürdiger. Nämlich so wie die Einflüsterungen, die Eva im Garten Eden hörte: wahr genug, um als wahr geschluckt zu werden.

In den letzten paar Jahren meiner Gemeindegründungstätigkeit habe ich einige dieser Lügen gehört – und geglaubt. Hier die fünf Klassiker:

1. Soll’s richtig gemacht werden, erledige es selbst.

Eigenverantwortete Tätigkeit mit dem Aufgabendelegieren an andere Personen auszubalancieren, ist eine Herausforderung. Der Kapitän muss das Schiff steuern. Kann er aber nicht, wenn er gerade Segel hisst, nach Land Ausschau hält oder Karten studiert – zumindest nicht gleichzeitig. Versucht er es doch, wird ihm ganz bestimmt nicht alles optimal gelingen.

Vielleicht bist du viel begabter und qualifizierter als andere, aber bestimmt gibt es jemanden, der die Aufgabe mit ganzer Aufmerksamkeit besser löst als du mit nur einem Bruchteil deiner Aufmerksamkeit. Paulus unterstreicht dies in Epheser 4,11–12. Er spricht dort von der Aufgabe eines Pastors, andere für die Arbeit in Gottes Reich fit zu machen. Aber das wird schwierig, wenn wir alles selber erledigen wollen.

2. Du musst viele Dinge tun, um erfolgreich zu sein.

Hast du dich jemals gefragt, weshalb Google als Suchmaschine Yahoo den Rang ablief, obwohl Yahoo Google früher für eine bescheidene Million Dollars hätte akquirieren können? – Einfach deshalb, weil Yahoo sich aufs Allerlei, Google dagegen aufs Suchmaschinengeschäft konzentrierte. Yahoo publiziert News, Wetter, Boulevardbeiträge usw. Google präsentiert sich als einfache Suchzeile. Und deshalb „yahoot“ man heutzutage nicht, sondern „googelt“.

Gemeindegründer sind versucht, alles selber tun zu wollen. Die sozialen Medien schüren mit ihrem Ideen-Bombardement unsere pastoralen Ängste, etwas zu verpassen, und wollen uns zu Extrameilen für unseren Dienst antreiben. Widerstehe diesem Drang. Sage Nein zu bestimmten Dingen, und zwar oft. Finde heraus, was du wirklich gut kannst, und konzentriere dich darauf. Sei Google, nicht Yahoo.

3. Um wirkungsvoll predigen zu können, musst du ein dynamischer Redner sein.

„Der Versuch, das Dienstverständnis einer unterschiedlich begabten Person oder einer mit andern Ressourcen ausgestatteten Gemeinde umzusetzen, ist eine Übung in Dummheit – nicht im Glauben.“
 

Wenige Lügen drücken Gemeindegründer so schwer wie diejenige, dass biblisch-solides Predigen nur auf eine spezifische Weise funktioniere. Wir nehmen an, unsere Kirche erwartet, dass der nächste Sonntagsgottesdienst reflektiert, was so alles auf Instagram und Twitter ausgetauscht wird. Versteh mich nicht falsch: Eine Predigt soll packend sein und Gefühle ansprechen. Sie soll Anbetung fördern, nicht einfach Information weitergeben. Tim Keller sagt, wir zielen darauf ab, die Hörer auf der Stelle zu verändern. Aber das kann auf unterschiedlichste Art und Weise geschehen.

Als Pastoren sollten wir uns darum bemühen, unsere Verkündigung zu verbessern. Doch dabei müssen wir stets in Erinnerung behalten, dass wahre Kraft gemäß 1. Korinther 2,4–5 „nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und ... Gottes Kraft“ besteht.

4. Treue zum Evangelium zeigt sich nur auf eine ganz bestimmte Art.

Das Informationszeitalter privilegiert uns. Per Browser oder Online-Bestellung ist viel Hilfreiches sehr schnell verfügbar – ein echter Segen. Einfacher als je zuvor können wir so von Personen lernen, die uns in Weisheit und Erfahrung voraus sind. Die Kehrseite der schnellen Bereitstellung ist jedoch die Lüge, dass unser Dienst sich stets nach dem eben gelesenen neuen Buch zum Thema richten müsse.

Zielführende Gemeindegründung setzt die Kenntnis der abhängigen und unabhängigen Variablen voraus. Während eine Gemeinde Lehre und Auftrag als unveränderliche Elemente verankern sollte, wird sie in ihrem Umfeld und den Ressourcen immer wieder Veränderungen erfahren. Wir müssen unterscheiden, wie wir Ersteres festigen und uns mit Letzterem weiterentwickeln können.

Von Paulus können wir lernen, dass er erste Priorität immer als erste Priorität festhielt (1Kor 15,1–5). Aber er hatte nie ein Problem damit, die Botschaft kontextgerecht zu verkündigen und sein Vorgehen den aktuellen Umständen anzupassen (Apg 17,16–34; Röm 14,14–15). Der Versuch, das Dienstverständnis einer unterschiedlich begabten Person oder einer mit andern Ressourcen ausgestatteten Gemeinde umzusetzen, ist eine Übung in Dummheit – nicht im Glauben.

5. Du baust diese Gemeinde.

Die genannten Unwahrheiten entstammen der wohl gefährlichsten Lüge Satans: Es ist deine Verantwortung, die Gemeinde zu bauen. Gelingt es dem Widersacher, dir den (Irr-)Glauben zu verabreichen, dass die Gemeinde auf deinen Schultern ruht, hat er das Wachstum von Gottes Reich bereits behindern und dich zum Bau deines eigenen Reiches verleiten können. Und damit ist er mehr als zufrieden.

„Satan liebt es, Gemeindegründer zu täuschen, weil wir mit dem Bau von Gottes Reich auf der ganzen Erde seine grösste Angst in die Tat umsetzen.“
 

Also, lieber Gemeindegründer, denk daran, was Jesus in Matthäus 16,18 sagt: „Aber auch ich sage dir: Du bist Petrus; und auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.“ Es ist Jesus, der seine Gemeinde baut.

Satan liebt es, Gemeindegründer zu täuschen, weil wir mit dem Bau von Gottes Reich auf der ganzen Erde seine grösste Angst in die Tat umsetzen. Wir setzen uns für das ein, was Satan hasst. Wir halten hoch, was er niederreissen will. Bleibe gefährlich – und hellwach. Unser Feind ist allezeit bereit, uns mit Lügen zu umgarnen. Übe Treue in der ersten Liebe (Offb 2,4) und vertraue im Ziellauf dem, der unendlich fähiger ist als wir es sind.