Fünf Wahrheiten über den Heiligen Geist

Artikel von Alistair Begg
29. Mai 2020 — 6 Min Lesedauer

Jesus sagte: „Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich hingehe; denn, wenn ich nicht hingehe, so kommt der Beistand nicht zu euch. Wenn ich aber hingegangen bin, will ich ihn zu euch senden“ (Joh 16,7). Ich will keine Eulen nach Athen tragen, indem ich dir Informationen gebe, die du schon kennst. Deshalb möchte ich kurz den Hintergrund dieses Verses erläutern. Du weißt vielleicht, dass das griechische Wort, das hier als Beistand übersetzt wird, parakletos ist. In seiner technischen Form hat es eine juristische Dimension; es bezieht sich auf jemanden, der ein Anwalt ist. In einem breiteren Kontext kommuniziert es Trost, Schutz, Rat und Wegweisung. Jesus redete auch in Johannes 14 von dem Geist als Beistand und stellte ihn als „Geist der Wahrheit“ vor (14,17; 16,13).

Im Folgenden ein paar Dinge und Ausführungen über die Identität dieses Beistands.

1. Der Heilige Geist ist eine Person

Er wird als ein „Er“ vorgestellt, nicht als ein „Es“. Das ist wichtig, wenn du genau zuhörst, wie Menschen reden, denn selbst in deiner eigenen Gemeinde kann es vorkommen, dass die Menschen vom Heiligen Geist im Neutrum reden. Vielleicht passiert es dir sogar selbst. Wenn das geschieht, hoffe ich, dass du dir sofort auf die Zunge beißt. Wir müssen verstehen, dass der Geist Gottes, die dritte Person der Dreieinigkeit, eine echte Person ist. Eine Person, die betrübt (Eph 4,30), in Bezug auf die Ausübung seines Willens gedämpft (1Thess 5,19) und der widerstrebt werden kann (Apg 7,51).

2. Der Heilige Geist ist sowohl mit dem Vater als auch mit dem Sohn eins

Theologisch gesprochen sagt man, dass er gleichwertig und gleichewig ist. Wenn wir die ganzen Abschiedsreden im Johannesevangelium lesen, entdecken wir, dass es sowohl der Vater als auch der Sohn ist, die den Geist senden (Joh 14,16; 16,7). Der Geist kam und handelte für beide. Die Aktivität des Geistes wird uns in der Heiligen Schrift niemals isoliert von der Person und dem Werk von Christus oder dem ewigen Willen des Vaters vorgestellt. Jeder Versuch, von dem Geist auf eine Weise zu denken, die irgendwie mystisch und losgelöst von der Schrift ist, wird uns auf alle möglichen Abwege und irgendwann in Sackgassen bringen.

3. Der Heilige Geist war der Handelnde in der Schöpfung

Im Schöpfungsbericht am Anfang der Bibel wird uns gesagt: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. Die Erde aber war wüst und leer, und es lag Finsternis auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte über den Wassern“ (1Mo 1,1–2). Das hebräische Wort, das hier als „Geist“ übersetzt wird, ist ruach, was auch „Atem“ bedeuten kann. Der ruach elohim, „der Atem des Allmächtigen“, ist der Handelnde in der Schöpfung. Es ist nicht die Körperlosigkeit des Geistes, um die es hier geht, sondern um seine Macht und Energie. Das Bild besteht darin, wie Gottes Energie die Schöpfung "ausatmet" und gewissermaßen das Universum und die Sterne ins Sein spricht. Wenn wir also in Jesaja 40,26 die Frage lesen, „Wer hat diese erschaffen?“, dann haben wir die Antwort in 1. Mose 1,2 – der Geist ist die unwiderstehliche Macht, durch die Gott seinen Ratschluss ausführt.

Nebenbei bemerkt, eine der Fragen der Wissenschaft des Alten Testaments dreht sich darum, inwieweit wir aus dem Alten Testament erkennen können, dass der Heilige Geist eine Person ist. Mit anderen Worten, können wir sein Wesen allein aus dem Alten Testament heraus verstehen? Wenn wir 1. Mose 1 lesen, ist es nicht schwer zu erkennen, dass wir im zweiten Vers einen klaren Bezug auf die dritte Person der Dreieinigkeit haben; insbesondere im Licht dessen, was danach offenbart wurde.

„Indem wir von hinten nach vorne lesen, entdecken wir, dass das klassische Auslegungsprinzip wahr ist, das Augustinus zugeschrieben wird: ‚Das Neue [Testament] ist im Alten [Testament] verborgen und das Alte ist im Neuen offenbart‘.“

 

In seinem Buch The Holy Spirit merkt Sinclair B. Ferguson an, dass uns die Referenz auf den Geist Gottes in 1. Mose 1,2 hilft, 1. Mose 1,26 zu verstehen, wo Gott sagt: „Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich“. Für Ferguson gibt es hier einen klaren Bezug zum Geist Gottes, der in 1. Mose 1,1–2 am Wirken ist.

Dieses Thema erinnert uns übrigens daran, dass es hilfreich ist, unsere Bibel rückwärts zu lesen. Indem wir von hinten nach vorne lesen, entdecken wir, dass das klassische Auslegungsprinzip wahr ist, das Augustinus zugeschrieben wird: „Das Neue [Testament] ist im Alten [Testament] verborgen und das Alte ist im Neuen offenbart“. Mit anderen Worten, wir entdecken die Implikationen der Lehren und Ereignisse, die früher in der Schrift kommen.

4. Der Heilige Geist ist der Handelnde in Gottes Neuschöpfung in Christus

Er bewirkt die Neugeburt. Wir sehen das in Johannes 3, der klassischen Begegnung zwischen Jesus und Nikodemus, wo Jesus sagt: „Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen!“ (Vers 5) Diese Wahrheit wird natürlich in der ganzen Heiligen Schrift entfaltet.

5. Der Heilige Geist ist der Autor der Heiligen Schrift

2. Timotheus 3,16 sagt uns: „Alle Schrift ist von Gott eingegeben“. Das griechische Wort hinter dieser Phrase ist theopneustos, was so viel wie „von Gott eingehaucht“ bedeutet. In der Schöpfung atmet der Geist seine Energie aus und setzt die Macht Gottes im Schöpfungsakt frei. Das Gleiche geschieht im Akt der Erlösung, und wir sehen es in dem wieder, wie Gott uns die Heilige Schrift gab. Die Lehre der Inspiration steht vollständig in Verbindung mit dem Werk des Heiligen Geistes. Petrus bekräftigt diese Sicht, als er schreibt: „Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet“ (2Petr 1,21). Die Männer, die die biblischen Bücher verfassten, dachten sich nichts aus, waren aber auch keine Roboter. Sie waren reale Menschen in realen historischen Umständen mit einer realen DNA, die entsprechend ihrer historischen Umstände und ihrer Persönlichkeit schrieben. Aber die Verfasserschaft der Schrift war dual. Es war z.B. sowohl Jeremia als auch Gott, denn Jeremia wurde vom Heiligen Geist getrieben. In Jeremias Fall sagte Gott sogar: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund!“ (Jer 1,9) Er tat dies, ohne Jeremias Persönlichkeit zu verletzen, und dadurch schrieb dieser das tatsächliche Wort Gottes. Deshalb studieren wir die Bibel – weil es ein Buch ist, das als Ergebnis des Ausatmens des Heiligen Geistes existiert.

Bezüglich der Identität des Beistands könnten wir unendlich weitermachen, aber wir müssen auswählen. Seine Identität ist, dass er ein „anderer Beistand“ ist. Das Wort, das hier als „anderer“ übersetzt wird, ist allos, nicht heteros. Jesus verhieß, dass der Beistand von derselben Art sein würde und nicht von einen anderen Art. Der Geist ist der parakletos; derjenige, der zur Seite kommt. Jesus sagte, dass er „bei euch bleibt in Ewigkeit … er bleibt bei euch und wird in euch sein“ (Joh 14,16–17). Mit anderen Worten, sein Dienst ist sowohl dauerhaft als auch persönlich.

Alistair Begg ist Chefredakteur der CSB Spurgeon Study Bible und Hauptpastor der Parkside Church in Cleveland, Ohio (USA). Er hat einen Abschluss am Theological College in London. Alistair ist mit Susan verheiratet, und zusammen haben sie drei erwachsene Kinder und sieben Enkelkinder.