Der Name Jesus

Artikel von Kevin DeYoung
25. März 2020 — 4 Min Lesedauer

In den letzten zweitausend Jahren war der Name Jesus auf unserem Planeten Erde bekannter als jeder andere Name. Einer Schätzung zufolge bezeichneten sich seit dem Jahr 33 n.Chr. insgesamt mehr als 8 Milliarden Menschen als Nachfolger dieses Jesus – oder Jésus oder Isus oder wie auch immer Christus in ihrer Sprache genannt wird. Milliarden weitere haben zumindest von seinem Namen gehört. Heute kennt man den Namen Jesu in mehr als 6.000 Sprachen und jedes Jahr kommen weitere hinzu.

„Der Name Jesus ist kein Zauberstab. Ihn auszusprechen verleiht keine magischen Kräfte.“

 

In gewisser Hinsicht ist es eine merkwürdige Sache, dass dieser einzelne Name in den letzten zweitausend Jahren der Weltgeschichte eine derart dominierende Rolle gespielt hat – besonders in der westlichen Geschichte. So hat für die meisten von uns der Name Jesus einen weihevollen Unterton: Er klingt heilig und göttlich. Aber so war es damals nicht, als Maria und Joseph – wie es ihnen vom Engel befohlen war – ihrem Baby diesen Namen gaben. Zugegeben, der Name hatte eine besondere Bedeutung, aber er war nicht ungewöhnlich. Der jüdische Historiker Josephus, der im ersten Jahrhundert lebte, erwähnt mindestens zwölf verschiedene Menschen, die den Namen Jesus trugen, einschließlich vier Hohepriester. In Apostelgeschichte 9 lesen wir von einem jüdischen falschen Propheten namens Bar-Jesus. In Kolosser 4 grüßt Paulus von einem seiner Mitarbeiter namens Jesus, genannt Justus. Und manche antiken Manuskripte des Matthäusevangeliums nennen den Räuber, der von Pilatus freigelassen wurde, Jesus Barabbas, was ironischerweise übersetzt werden kann mit: „Jesus, Sohn des Vaters“.

Jesus war also ein gewöhnlicher Name wie Stefan, Sebastian oder Thomas. Als Maria und Joseph ihren Sohn Jesus nannten, gab es kein Gebet in seinem Namen. Man verwendete den Namen auch nicht als Schimpfwort. Keiner sang Lieder über diesen Namen – genauso, wie ich keine Religion kenne, die Lieder über Stefan singt. Wir nennen unsere Kinder nicht Sebastian mit der Erwartung, dass in den nächsten zweitausend Jahren acht Milliarden Menschen in diesem Namen beten werden.

Aber so gewöhnlich dieser Name auch war – Jesus wurde bewusst „Jesus“ genannt. Im Griechischen heißt er Iesous; im Aramäischen – der Sprache, die Jesus sprach – Jesu. Beides ist aus dem Hebräischen übernommen, wo der Name Jeschuabzw. Josua lautet. Josua besteht dabei aus zwei Teilen: Jah ist eine Kurzform für Jahwe und Hosea bedeutet „Rettung“. Folglich gaben Maria und Joseph ihrem kleinen Baby den Namen Jesus – „Jahwe rettet“.

Er ist unser einziger Trost im Leben und im Sterben, unsere einzige Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt.

 

Das tut er auch. Seit dem ersten Weihnachten ist Jesus mehr als nur ein Name. Er ist unser einziger Trost im Leben und im Sterben, unsere einzige Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt. Wenn du an Jesus Christus, den Sohn Gottes glaubst, hast du Leben in seinem Namen (Joh 20,31). Es ist tatsächlich kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, in dem wir gerettet werden sollen (Apg 4,12). Deshalb sollen wir alles, was wir tun, ob mit Worten oder mit Taten, im Namen des Herrn Jesus tun (Kol 3,17). „Darum hat ihn Gott auch über alle Maßen erhöht und ihm einen Namen verliehen, der über allen Namen ist, damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters“ (Phil 2,9–11).

Was uns dabei klar sein muss: Der Name Jesus ist kein Zauberstab. Ihn auszusprechen verleiht keine magischen Kräfte. Die Kraft des Namens ist die Person hinter dem Namen. In biblischen Zeiten bedeuteten Namen etwas. Sie dienten nicht nur zu Identifikationszwecken. Oft war es so, dass aus einem Namen für andere ersichtlich war, wer dieser Mensch ist und welches Ziel Gott für sein Leben hat. Deshalb war Adam der erste Mensch. Eva war die Mutter aller Lebendigen. Abraham war der Vater vieler Nationen. Benjamin war der Sohn der rechten Hand seines Vaters. Mose wurde aus dem Wasser gezogen. Petrus war der Fels. Barnabas war der Sohn des Trostes.

Was ist mit Jesus? Der Engel sagte zu Joseph: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk erretten von ihren Sünden“ (Mt 1,21). Nicht nur ein großer Lehrer, nicht nur ein erleuchteter Mensch, nicht nur ein Wundertäter, nicht nur die Quelle des Lebenssinns, nicht nur ein Selbsthilfeguru, nicht nur ein Aufwerter meines Selbstbewusstseins, nicht nur ein politischer Befreier, nicht nur ein fürsorglicher Freund, nicht nur ein Transformator von Kulturen, nicht nur ein Sinn für die, die keinen Sinn verspüren – Jesus ist der Retter von Sündern.

Der Name Jesus ist wirklich etwas Besonderes. Möge er uns nicht nur etwas bedeuten, sondern alles.

Kevin DeYoung ist Hauptpastor der Christ Covenant Church in Matthews, North Carolina (USA), Vorstandsmitglied bei The Gospel Coalition und Assistenzprofessor für Systematische Theologie am Reformed Theological Seminary (Charlotte, USA). Er hat zahlreiche Bücher geschrieben, darunter Gott beim Wort nehmen und Leg einfach los. Kevin und seine Frau Trisha haben acht Kinder.