Gebetsanliegen: die Kinder des Pastors

Wie wir für sie beten können und weshalb wir das wirklich tun sollten

Artikel von Barnabas Piper
3. März 2020 — 11 min Lesedauer

Warum eigentlich benötigen gerade die Kinder des Pastors unser Gebet? Was macht sie so besonders? Tatsächlich: eigentlich nichts. Sie sind genauso wie ihre Gleichaltrigen – sie haben die gleichen Schwächen, den gleichen Hang zur Sünde und sie sind genauso im Ebenbild Gottes geschaffen wie jeder andere. Alles in allem sind Pastorenkinder völlig normale Zweibeiner.

Aber genau das ist der Grund, weshalb sie unser Gebet brauchen: Sie sind normal. Denn wenn man normale Menschen in besonders herausfordernde Umstände stellt, wird es schwierig. Und in einer Familie aufzuwachsen, in der der Vater zum vollzeitigen christlichen Dienst berufen ist, bringt definitiv besondere Schwierigkeiten mit sich.

Eine Pastorenfamilie fungiert oft als die „erste Familie“ der Gemeinde, die den Maßstab für alle geistlichen und moralischen Dinge vorgibt. Sie ist Vorbild für den christlichen Dienst und das Leben überhaupt. Eine solche Familie steht unter Beobachtung, was auch mit Erwartungen verbunden ist. Die Gemeinde erwartet von der Familie ihres Leiters gewisse Verhaltensweisen und auch, dass sie bestimmte Rollen ausfüllt.

Daran sollte ersichtlich sein, warum ein Pastorenkind ein bisschen extra Gebet gebrauchen kann. Das Heranwachsen ist schon an sich eine Herausforderung – lernen, größer werden, Hormone, Identitätskrisen, unerwiderte Liebe, Niederlagen im Sport, Beziehungsdramen, Schule, geistliches Leben, Geschwisterkinder, Eltern und noch mehr. Nun muss man sich das alles vorstellen, während permanent eine Gemeinde zusieht und von dir erwartet, ein guter kleiner Christ zu sein. Wohin können sich Pastorenkinder zurückziehen? Wo können sie ihre Fehler und Unsicherheiten verbergen? Auf noch tieferer Ebene: Wo können sie mit Jesus eine tiefschürfende und echte Verbindung aufnehmen, ohne dabei lediglich eine weitere Erwartung zu erfüllen?

Nun lieben die meisten Menschen in der Gemeinde die Familie ihres Pastors. Sie haben nicht die Absicht, den Kindern des Pastors zusätzlichen Druck oder Schmerz zu bereiten – was können sie also tun, um diese Last leichter zu machen? Mehr als alles andere kann die Gemeinde beten.

Dass sie Jesus kennenlernen

„Alles Bibelwissen und all die auswendig gelernten Verse sind noch keine rettende Beziehung zu Christus. Im Gegenteil, manchmal täuschen sich Pastorenkinder gerade wegen ihres Wissens und meinen, sie hätten solch eine Beziehung.“

 

Eine der wichtigsten Herausforderungen, in der Pastorenkinder stehen, ist, eine echte Verbindung zu Jesus Christus zu haben. Alles Bibelwissen und all die auswendig gelernten Verse sind noch keine rettende Beziehung zu Christus. Im Gegenteil, manchmal täuschen sich Pastorenkinder gerade wegen ihres Wissens und meinen, sie hätten solch eine Beziehung. So viele Pastorenkinder wissen über Jesus Bescheid, aber inmitten von Moral, Erwartungen und Wissen bleiben sie für seine herzensverändernde Wirklichkeit blind. Nur das Wunder, dass der Heilige Geist jemandem Jesus offenbart, rettet wirklich. Bete für dieses Wunder, dass Jesus sichtbar wird durch all die Dinge, die in seinem Namen geschehen.

Dass sie ihre Identität in Jesus finden

Wenn Menschen in einem Umfeld mit hohen Erwartungen aufwachsen, dann ist es normal, dass sie sich selbst an diesen Erwartungen messen. Bin ich das, was ich sein sollte? Gefalle ich den richtigen Leuten? Pastorenkinder sehen sich selbst aus der Perspektive, wie andere sie gerne hätten, statt als das, wie Gott sie gemacht hat. Für Pastorenkinder sehen diese Normen oft sehr christlich aus, sehr moralisch, sehr gemeindekonform. Christliche Kinder wissen, dass für sie nicht weltliche, sondern biblische Normen der Maßstab sein sollen; und diese gemeindlichen Normen sehen auf jeden Fall sehr biblisch aus. Und doch fehlt etwas. Einfach nur die gemeindlichen Normen zu erfüllen fühlt sich immer noch leer an.

Warum? Weil es der falsche Weg ist, um die eigene Identität zu finden. Ein Nachfolger Christi ist in Jesus eine neue Schöpfung. Das bringt die Freiheit mit sich, ein erfülltes Leben mit dem Fokus auf Jesu Ehre zu leben, statt ein Leben unter dem ständigen Druck, irgendwelche Erwartungen zu erfüllen.

Dass sie ihre Familie lieben

Druck zerstört Dinge – und eine zerbrechende Familie ist eines der Lieblingswerkzeuge des Teufels, um den Dienst eines Pastors zu untergraben. Hier bietet sich ihm eine günstige Schwachstelle und ein Nerv, den er leicht treffen kann. Wenn ein Pastorenkind unter dem Druck des Dienstes wegbricht, nennt es oft seine Eltern als die Schuldigen. (Manchmal verdienen sie es sogar, weil sie den Druck noch verstärken.) Auf einer subtileren Ebene kann es geschehen, dass sich die Praxis, für die Gemeinde „so“ zu sein, nach Hause in die Familie überträgt und dort die Beziehungen untergräbt. Wo Ehrlichkeit, Transparenz, Vertrauen und Liebe herrschen sollten, wird es leer und hohl zwischen den Familienmitgliedern.

Dass sie die Gemeinde lieben

„Pastorenkinder sehen mehr von den schlechten Seiten der Gemeinde als jeder sonst – abgesehen von den festen Mitarbeitern.“

 

Pastorenkinder sehen mehr von den schlechten Seiten der Gemeinde als jeder sonst – abgesehen von den festen Mitarbeitern. Sie sehen, wie der Dienst ihre Familie aufreiben kann. All die Erwartungen können zu Frust und Verbitterung führen. Das ist der Grund, weshalb manche Pastorenkinder rebellieren und die Gemeinde komplett verlassen. Auf der anderen Seite sehen Pastorenkinder aber auch die besten Seiten der Gemeinde – tiefe Freundschaften, veränderte Leben, gelinderte Nöte. Bete, dass das Gute das Schlechte überwiegt und dass sie erkennen: Schlechtes gibt es unweigerlich überall dort, wo Menschen zusammen sind, aber die Gemeinde bietet eine Hoffnung und Erfüllung, wie es sie nirgendwo sonst auf der Welt gibt.

Für Gnade

Menschen, die in der Gemeinde aufwachsen, hören sehr viel über Gnade, kennen sie aber oft nur wenig. Es ist Gottes Gnade, durch die Jesus offenbart und ein Pastorenkind in die Verbindung mit ihm gestellt wird. Es ist Gnade, die Versagen in der Familie und in der Gemeinde überwindet und Wiederherstellung schenkt. Es ist Gottes Gnade, die durch die Gemeinde zu den Pastorenkindern fließt und durch die Pastorenkinder zur Gemeinde; die Beziehungen gedeihen lässt. Gnade ist der Faden, der all diese Bedürfnisse miteinander verknüpft und sie ist auch das Mittel, durch das Gott Abhilfe schafft. Bete für die wunderbare Gnade, die eine Menge von Sünden zudeckt, die Gefallene und Verwundete wiederherstellt und Gottes Volk verbindet.

Barnabas Piper ist Markenbetreuer bei Ministry Grid, Redner und der Sohn von Dr. John Piper. Er ist Autor der Bücher The Pastor’s Kid und Help My Unbelief.