Abraham Lincoln und Gottes Vorsehung

Podcast von John Piper – gelesen von Robin Dammer
12. Februar 2020
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„O welche Tiefe des Reichtums sowohl der Weisheit als auch der Erkenntnis Gottes! Wie unergründlich sind seine Gerichte, und wie unausforschlich seine Wege!“ (Röm 11,33)

Abraham Lincoln, der am heutigen Tag im Jahre 1809 geboren wurde, blieb bis in seine Vierziger skeptisch und teilweise sogar zynisch im Blick auf Glaubensdinge. Es ist daher verblüffend, dass ein persönlicher Schicksalsschlag und das große Leid zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs Lincoln hin zu Gott, statt weg von ihm führte.

1852, als Lincoln 53 Jahre alt war, starb sein Sohn Willie im Alter von nur elf Jahren. Lincolns Frau „wandte sich in ihrer Trauer der New-Age-Bewegung zu und suchte Hilfe bei Hellsehern.“ Lincoln wandte sich seinerseits an Phineas Gurley, den Pastor der New York Avenue Presbyterian Church in Washington.

Nach einigen langen Gesprächen beobachtete Gurley bei ihm „eine Bekehrung zu Christus“. Lincoln vertraute Gurley an: „Ich kann jetzt oft nur noch vor Gott auf die Knie gehen, weil mir so überaus deutlich vor Augen steht, dass ich mit all dem nirgendwo sonst hingehen kann.“

Auch das Grauen der toten und verwundeten Soldaten lastete täglich schwer auf ihm. Es gab damals in Washington fünfzig Lazarette. Allein im Rundbau des Kapitols waren zweitausend Betten für die verwundeten Soldaten aufgestellt.

In der Regel starben in diesen provisorischen Krankenlagern jeden Tag fünfzig Soldaten. All das trieb Lincoln zu einem immer tieferen Vertrauen auf Gottes Vorsehung. „Wir können nichts anderes tun, als zu glauben, dass der, der die Welt geschaffen hat, sie auch immer noch regiert.“

Seine bekannteste Aussage über Gottes Vorsehung im Blick auf den amerikanischen Bürgerkrieg muss wohl seine zweite Antrittsrede einen Monat vor seiner Ermordung sein. Es ist erstaunlich, dass er Gott nicht einfach zum Befürworter der einen oder der anderen Seite erklärt. Er bekräftigt, dass Gott seine eigenen Pläne verfolgt und die Sünden, die auf beiden Seiten begangen wurden, nicht einfach entschuldigt.

„Wir hoffen von Herzen – wir beten inbrünstig –, dass die gewaltige Geißel des Krieges bald von uns genommen wird. [...] Doch wenn es Gottes Wille ist, dass sie bleibt, bis all der Reichtum zerronnen ist, der über zweihundert Jahre durch die unentlohnte Schinderei der Sklaven angehäuft wurde, und bis jeder Blutstropfen, der durch den Schlag der Peitsche geflossen ist, mit einem Blutstropfen durch das Schwert bezahlt worden ist, dann lasst uns sagen, wie es schon vor dreitausend Jahren gesagt wurde: ‚Die Bestimmungen des HERRN sind Wahrheit, sie sind allesamt gerecht.‘“

Ich bete für jeden von euch, der selbst Verlust oder Schaden oder tiefe Trauer erleidet, dass euch diese schweren Zeiten aufrütteln, wie Lincoln damals. Ich bete, dass ihr nicht in einen leeren Fatalismus verfallt, sondern, dass ihr zu einem tieferen Vertrauen auf die unendliche Weisheit und Liebe von Gottes unerforschlicher Vorsehung findet.