Gottes heilige Liebe – und wie sie unseren Dienst für Gott verändert

Artikel von David F. Wells
13. Februar 2020 — 10 min Lesedauer

Natürlich ist Dienen nichts einzigartig Christliches. Der Begriff des Dienstes taucht zurzeit überall in unserer Gesellschaft auf. Will man zum Beispiel Zugang zum Internet bekommen, braucht man einen Internetdienstanbieter. In der Wirtschaft gibt es einen Dienstleistungssektor. Wir bekommen Honorarrechnungen für professionelle Dienstleistungen. In Geschäften gibt es den Kundendienst. Wenn das Benzin in unserem Auto zur Neige geht, fahren wir zu einer Tankstelle (engl. service station). Wir haben in unserem Land den Militärdienst. Wohlhabende Haushalte bezahlen für eine Dienstkraft im Haus. Der Rest von uns fragt sich, ob wir es uns leisten können, für unseren Rasen einem Mäh-Service in Anspruch zu nehmen.

Hilft uns jedoch irgendetwas davon, christlichen Dienst zu verstehen? Die kurze Antwort ist: „Nein.“

Christlicher Dienst ist aus drei Gründen einzigartig. Erstens ist er aufgrund seiner Quelle einzigartig. Diese Quelle ist unsere Erlösung in Christus. Zweitens ist er wegen seines Ziels einzigartig, welches darin besteht, dass wir soweit als möglich die Dienstbereitschaft Christi abbilden. Und drittens ist er auch in seinem Wesen einzigartig, denn er wird durch Gottes heilige Liebe angetrieben. Obwohl jeder dieser Gründe wichtig ist, möchte ich mich hier nur auf den dritten konzentrieren.

Zunächst soll nun geklärt werden, was mit dem Begriff „heilige Liebe“ gemeint ist. Danach gehen wir der Frage nach, was das für unseren Dienst bedeutet.

Gottes heilige Liebe

Wenn Licht auf ein Prisma fällt, wird es in die Regenbogenfarben gebrochen. Ähnlich ist es mit Gottes Liebe und seiner Heiligkeit, die in der Heiligen Schrift in verschiedene Aspekte gebrochen wird. Innerhalb seiner Liebe können wir zum Beispiel seine Barmherzigkeit, seine Langmut, seine Sanftmut und sein Mitleid unterscheiden. Innerhalb seiner Heiligkeit können wir seine Rechtschaffenheit, seine Treue, seine Gerechtigkeit, sein Gericht und seinen Zorn sehen. Gottes heilige Liebe ist ein Kürzel für sein ganzes Wesen.

Die Formulierung „Gottes heilige Liebe“ erinnert uns daran, dass Gottes Wesen ganzheitlich ist. Der Gott, der „Liebe“ ist (1Joh 4,8), ist ebenso immer und überall auch der Gott, der ein „verzehrendes Feuer“ (Hebr 12,29) und der „Licht“ ist (1Joh 1,5). Wenn wir Gott begegnen, begegnen wir ihm in der Fülle seines Wesens. Seinem Gericht geht zum Beispiel immer seine Geduld voraus; es wird stets von seiner Barmherzigkeit überschattet. Seine Liebe geht – mit ihrer Bindung an alles, was wahr und richtig ist – immer mit seiner Heiligkeit einher und ist ein Teil davon.

Wir können niemals die Liebe Gottes erkennen, wenn wir sie nicht in Verbindung mit seiner Heiligkeit sehen.

 

Wir stehen nun in der Versuchung, die eine Seite seines Wesens ohne die andere haben zu wollen. Wir wollen seine Liebe ohne seinen Zorn, sein Mitleid ohne sein Gericht, seine Barmherzigkeit ohne seine Gerechtigkeit. Das ist genau das, was der Liberalismus (der die Großkirchen zu Fall gebracht hat) forcierte. Er beharrte darauf, dass es bei Christi Tod nur um Gottes Liebe ging, aber nicht um seinen Zorn. Daraus folgt, dass der Tod Christi nur ein Vorbild ist, aber kein Sühneopfer. Die Realität ist natürlich eine völlig andere. Gottes Liebe erbrachte im Tod Christi das, was Gottes Heiligkeit verlangte. Aus Liebe nahm Christus unseren Platz ein, um stellvertretend unsere Verurteilung auf sich zu nehmen. Sein Tod war ein Sühneopfer, nicht nur ein Vorbild. Wir können niemals die Liebe Gottes erkennen, wenn wir sie nicht in Verbindung mit seiner Heiligkeit sehen.

Wie wirkt sich das aus?

Beim christlichen Dienst geht es darum, wie unsere Erlösung in Christus in dieser Welt zum Erblühen kommt. Durch diesen Dienst werden Gottes heiliger Liebe Hände und Füße und Lippen verliehen. Früher war unser Lebensziel nur unser eigenes Ich. Unser Selbstinteresse bestimmte unsere Weltsicht. Jetzt hat sich das verändert. Wir leben nun eine neue Existenz (2Kor 5,17) – eine Existenz, die nicht selbstfokussiert, sondern gottzentriert ist, die nicht sich selbst zu gefallen sucht, sondern offen für andere ist. Und es ist Gottes heilige Liebe, die uns zu dieser neuen Ausrichtung motiviert, die durch Christi Tod ermöglicht wurde.

Wir bringen anderen das Evangelium, weil, wie Paulus sagt, „die Liebe des Christus uns drängt“ (2Kor 5,14). Aber das ist nicht unser einziger Antrieb. Kurz zuvor hatte er gesagt: „… in dem Bewusstsein, dass der Herr zu fürchten ist, suchen wir daher die Menschen zu überzeugen“ (2Kor 5,11). Mit anderen Worten: Es ist Gottes heilige Liebe, die uns antreibt. Es ist Liebe, die den schmerzhaften Zusammenbruch im Leben fühlt, den die Sünde herbeigeführt hat. Es ist Heiligkeit, die versteht, wie falsch das ist. Es ist Liebe, die uns drängt, anderen zur Seite zu stehen. Es ist Heiligkeit, die sich nach dem Tag sehnt, wenn die Welt von allem Finsteren gereinigt sein wird. Und das Evangelium verbindet diese beiden Teile. Es ist die Botschaft der Rettung vor Gottes kommendem Gericht und es ist die Botschaft der erlösenden Liebe für das menschliche Leben hier und jetzt. Diese Liebe begegnet unserer Sünde als Gnade. Liebe und Heiligkeit gehen so Hand in Hand.

Diese Liebe begegnet unserer Sünde als Gnade. Liebe und Heiligkeit gehen so Hand in Hand.

 

Es gibt tausend Möglichkeiten, wie wir Christus dienen können. Manche Christen dienen so, dass es weithin sichtbar ist, und andere im Verborgenen. Das ist vollkommen belanglos. Worauf es ankommt, ist, dass in unserem Dienst für Christus gesehen wird, wie eine andere Welt in unser Alltagsleben hineinbricht. Aus dieser anderen Welt kommen Lichtstrahlen der Liebe in Verbindung mit Heiligkeit; der Liebe als einem Ausdruck dessen, was heilig ist. In diesem Sinn ist jeder, der zu Christus gehört, ein Außenposten der Ewigkeit in dieser Welt. Gott beruft sein Volk, so zu leben und so zu dienen, dass sie selbst der Beweis sind, dass das kommende Zeitalter schon angebrochen ist. Der Beweis ist die Gegenwart von heiliger Liebe.