Von Büchern geprägt aber von der Bibel regiert

Artikel von Andreas Münch
24. Januar 2020 — 7 Min Lesedauer

Neulich kam unser ältester Sohn zu meiner Frau und fragte sie, ob die biblischen Geschichten wahr seien und ob Jesus wirklich gelebt hätte? Meine Frau bejahte dies und unser fünfjähriger Sohn schien dies verwundert zu akzeptieren.

Einerseits war ich über diese Begebenheit überrascht, andererseits auch nicht. Schon von klein auf lesen wir unseren Kindern aus der Kinderbibel vor. Nicht nur eine, sondern mindestens vier verschiedene Ausgaben wurden von vorne bis hinten durchgelesen. Oftmals wollen sich unsere Jungs bestimmte Geschichten aussuchen. Ich weiß nicht, wie oft ich schon die Geschichte von David und Goliath vorgelesen habe. Mit zunehmenden Alter bin ich dazu übergegangen, meinem Ältesten die theologische Bedeutung dieser Geschichte zu erklären; was sie mit uns heute zu tun hat und wie die alttestamentlichen Geschichten auf Jesus hinweisen. Was dabei alles im Gedächtnis der Kinder hängenbleibt, kann ich nur mutmaßen.

Meine Frau und ich haben die biblischen Geschichten immer als das behandelt, was sie sind – Erzählungen, die sich tatsächlich so in der Geschichte zugetragen haben, wie wir sie in der Bibel lesen. Natürlich haben wir nicht vor jeder einzelnen Geschichte betont: »„Was nun folgt, Kinder, hat sich auch tatsächlich so ereignet.“ Wir gingen einfach davon aus, dass unsere Kinder uns vertrauen.

Und dann fragt mein Sohn, ob sich die Geschichten tatsächlich so ereignet haben. Haben wir als Eltern an dieser Stelle versagt? Bei aller Bescheidenheit, ich denke nicht. Denn wie gesagt, hat mich die Frage unseres Sohnes andererseits nicht wirklich überrascht. Warum nicht?

Von Büchern geprägt

Wer uns einmal besucht hat und mich etwas genauer kennt, der weiß, dass ich gute Geschichten liebe, insbesondere die Werke von J.R.R. Tolkien. Außerdem bin ich nach wie vor ein großer Fan der Jurassic Park Filme und die Anzeichen dafür finden sich überall im Haus: Auf meinem Bücherregal, an der Wand, auf meinen Kaffeetassen und T-Shirts. Wenn ich einen Soundtrack höre, stellt mein Sohn manchmal die Frage: Ist das Jurassic Park oder Herr der Ringe?

Im Gegensatz zu den biblischen Geschichten muss sich mein Sohn jedoch nicht die Frage stellen, ob sich die Geschichten aus den beiden obigen Beispielen tatsächlich so ereignet haben. Denn bei vielen Gelegenheiten erkläre ich meinem Sohn, dass es nur ausgedachte Geschichten sind und dass es Dinosaurier nicht (mehr) gibt.

Ich mache meinem Sohn keinen Vorwurf daraus, dass er natürlicherweise davon ausgeht, dass die biblischen Geschichten womöglich auch nur rein fiktive Geschichten sind – schließlich enthält die Bibel weitaus mehr Wunder und Übernatürliches als etwa Der Herr der Ringe von Tolkien. Im Grunde ist es gut und hilfreich, dass er diese Frage stellt, denn so haben wir die Gelegenheit, ihm unsere Auffassung von der Bibel zu erklären: Sie ist Gottes wahre Geschichte mit uns Menschen, so fantastisch es auch manchmal klingen mag.

„Meine Kinder müssen sehen, dass ich zwar von Büchern geprägt, aber von der Bibel regiert werde.“

 

Von der Bibel regiert

Als ich damals von dem Gespräch erfuhr, wurde mir jedoch eine Sache erneut bewusst: Meine Kinder müssen sehen, dass ich zwar von Büchern geprägt, aber von der Bibel regiert werde. Während meine Jungs aufwachsen, möchte ich, dass sie anhand meines Lebens erkennen: Papa liest und liebt viele Romane und Erzählungen – aber wirklich bestimmt wird er nur von einem einzigen Buch, der Bibel!

Was bedeutet das praktisch?

Ich möchte, dass meine Kinder im Laufe der Jahre folgendes erleben:

1. Wir beginnen und beenden den Tag mit der Bibel

Natürlich schaffe ich es nicht, dies jeden einzelnen Tag umzusetzen. Dafür ist das Familienleben zu chaotisch. Aber im Großen und Ganzen wünsche ich mir, dass meine Kinder anhand ihrer Eltern sehen, dass sie sich am Morgen und am Abend Gottes Wort widmen, um dadurch geistlich gestärkt zu werden, und wenn es nur ein paar Minuten sind.

2. Wir hören in der Predigt auf die Botschaft der Bibel

Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir Mitglieder einer Gemeinde sind, in der Gottes Wort einen zentralen Stellenwert im Gottesdienst bekommt und fortlaufende Predigten durch Bibelbücher der Standard sind. Ich möchte, dass meine Kinder an mir und meiner Frau sehen, wie wichtig uns die Predigt ist, da sie uns Gottes Wort erklärt. Das heißt, sie sollen sehen, wie wir mit unserer offenen Bibel dasitzen und gedanklich bei der Predigt sind (deshalb ziehe ich immer eine „echte“ Bibel einer digitalen Variante auf meinem Smartphone vor, damit ich nicht so schnell abgelenkt werde und meine Kinder sich nicht die Frage stellen müssen, ob ich gerade wirklich den Bibeltext verfolge oder meinen Facebook-Status prüfe).

3. Wir beten auf Grundlage der Bibel

Es kommt zwar vor, dass ich nach einem guten Roman innerlich bewegt bin, aber nur die Bibel bringt mich dazu, dass ich nach der Lektüre bete, um das Gelesene vor meinen himmlischen Vater zu bringen, sei es Dank, eine Bitte oder ein Sündenbekenntnis. Ich wünsche mir, dass meine Kinder diesen Unterschied sehen, dass die Bibel mehr ist als ein Buch, weil sie uns in Gemeinschaft mit unserem Schöpfer bringt und dass Gebet die Art und Weise ist, wie wir mit unserem Gott, dem Autor der Schrift, kommunizieren.

4. Wir richten unser Leben nach der Bibel aus

Viele gute Geschichten kennzeichnen sich dadurch, dass sie einen inspirieren. Jedes Mal, wenn ich beispielsweise den Herrn der Ringe lese, bin ich von der Treue Sams gegenüber Frodo so beeindruckt, dass ich mir solch einen Freund wünsche und gerne selbst so ein Freund sein möchte. Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn meine Söhne irgendwann so weit sind, dass sie dieselben Geschichten lesen und wir uns gemeinsam darüber austauschen können.

Doch noch vielmehr wünsche ich mir, dass meine Kinder sehen, wie ihre Eltern ihr Leben an der Bibel ausrichten. Warum leben und verhalten sie sich so, wie sie es tun? Warum nennen sie dieses gut und jenes böse? Die Antwort: Weil die Bibel es so sagt. Die Bibel ist nicht nur inspirierend, sie ist in erster Linie inspiriert von Gott selbst. Und was Er darin sagt, ist für uns verbindlich. Wir halten uns vor allem deshalb an die Weisungen Gottes, weil wir erkannt haben, dass seine Gebote gut für uns sind. Ich wünsche mir, dass meine Kinder folgendes für sich selbst erkennen: Mama und Papa sind dann am glücklichsten, wenn sie kompromisslos Gottes Wort folgen.

5. Wir vertrauen auf Gottes Verheißungen

Romane sind für mich eine gute Möglichkeit zu entspannen, um dem Alltag zu entfliehen. Wenn das Leben jedoch hart zu uns ist, dann möchte ich, dass meine Kinder sehen, wie wir uns in Gottes Wort flüchten und uns an seine Verheißungen klammern. Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass ich mich mit meinen Romanen in eine Fantasiewelt verstecke, um den realen Problemen dieser Welt auszuweichen. Nein, wenn Gott uns harte Zeiten zumutet, dann sollen unsere Kinder sehen, wie ihre Eltern die Bibel aufschlagen und sich auf Gottes Zusagen stützen, weil darin ihre einzige Hoffnung und ihr einziger Trost liegen.

„Die Bibel ist nicht nur inspirierend, sie ist in erster Linie inspiriert von Gott selbst.“

 

Das ist es, was ich mir für meine Kinder wünsche. Denn ich durfte dies selbst als Kind in Bezug auf meine Eltern erfahren. Bei all ihrer menschlichen Schwachheit und bei allen Interessen und Hobbys spürte ich doch eines deutlich: Meine Eltern werden von der Bibel regiert.

Vielleicht denkt sich der ein oder andere jetzt: Ich bin kein großer Bibelkenner oder Theologe und kann auf viele Fragen meiner Kinder keine Antwort geben. Dann lass mich abschließend folgende (wahre) Begebenheit erzählen:

Ein junger Pastor, den ich persönlich sehr schätze und der einen treuen Verkündigungsdienst ausübt, erzählte einmal, wie seine Liebe zum Wort Gottes angefangen hat. Als kleiner Junge beobachtete er, wie sein Vater regelmäßig die Bibel las. Daher schlussfolgerte er, dass die Bibel es wert war, gelesen zu werden. Also begann er selbst die Bibel zu lesen. Gott benutzte diesen treuen Dienst des Vaters, um in seinem Sohn die Leidenschaft für Gottes Wort zu entfachen, die er heute regelmäßig von der Kanzel an seine Zuhörer weitergibt.

Liebe Mütter und Väter, lasst uns, während wir von vielen guten Büchern, Filmen und guter Musik geprägt werden und diese genießen, unseren Kindern gleichzeitig zeigen, dass wir von der Bibel regiert werden.

Andreas Münch ist mit Mirjam verheiratet. Sie haben drei Söhne. Seit dem er sein Theologiestudium beendet hat, ist Andreas Mitarbeiter bei der Herold-Mission und verantwortlich für den Herold-Blog.