Wie wir den New City Katechismus in unserer Familie verwenden

Artikel von Waldemar Henschel
22. November 2019 — 10 min Lesedauer

Wir saßen als Familie zusammen beim Mittagessen. Jedes unserer Kinder erzählte wie gewöhnlich, was sie am Vormittag im Kindergarten oder in der Schule erlebt hatten. Unser neunjähriger Sohn berichtete, dass es im Religionsunterricht um die Frage ging, wozu der Mensch auf der Welt ist. „Und“, fragte ich ihn, „zu welchem Ergebnis seid ihr gekommen?“ – „Es gab irgendwie keine richtige Antwort“, entgegnete er. „Weißt du denn, warum Gott uns erschaffen hat?“, fragte ich weiter. Er überlegte kurz und fing an, zu begreifen. Erst am Vortag hatten wir über diese Frage nachgedacht, als wir in der Familienandacht die vierte Frage aus dem New City Katechismus behandeltet hatten: „Wie und warum hat Gott uns erschaffen?“ Die Antwort lautet: „Gott hat uns Menschen als Mann und Frau in seinem Ebenbild erschaffen, damit wir ihn verherrlichen.“

Diese Begebenheit hat ihm und uns als Familie einen kleinen Eindruck davon gegeben, dass die Fragen aus dem Katechismus nicht nur trockene Theorie sind, sondern eng verknüpft mit unserem alltäglichen Leben.

Die Grundlage für eine Verwurzelung im Evangelium schaffen

Überhaupt hat der Begriff „Katechismus“ nichts mit toter Orthodoxie zu tun, sondern stammt aus der Bibel. Wenn Paulus z.B. in Galater 6,6 von den Gläubigen sagt, dass sie im Wort Gottes „unterrichtet werden“, steckt dahinter das griechische Wort „katechoumenos“ – die Gläubigen, sagt Paulus, werden „katechisiert“.

Die Kirchengeschichte zeigt, dass Menschen zum Glauben kommen und Gemeinden aufblühen, wenn sie der Aufforderung von Paulus folgen. Durch die systematische Unterweisung und das Auswendiglernen wird das Evangelium klar verkündigt und die wesentlichen Glaubensüberzeugungen werden eingeimpft, sodass man fähig wird, Irrlehren zu erkennen. Zudem wird man zu einem dankbaren und hingegebenen Leben in der Nachfolge Christi ermutigt.

Angesichts der Tatsache, dass die Katechese in den meisten Gemeinde keine wirkliche Rolle spielt, ist es daher nicht verwunderlich, dass „evangelikale Gemeinden heute allzuoft ein oberflächliches Halbwissen der Wahrheit, verschwommene Vorstellungen von Gott und Gottesfurcht, Gedankenlosigkeit im Blick auf die Fragen des Lebens wie Arbeit, Umfeld, Familie und Gemeinde“ kennzeichnen, wie Gary Parrett und J.I. Packer in ihrem Buch Grounded in the Gospel: Building Believers the Old-Fashioned Way feststellen. Wie soll es auch anders sein, wenn die Betonung stärker auf der Erfahrung als auf der Unterweisung in der gesunden Lehre liegt?!

Der New City Katechismus ist ein gutes Hilfsmittel, um diese Lücke zu schließen. Er ist in Calvins Genfer Katechismus, dem Kürzeren und dem Längeren Westminster Katechismus und vor allem dem Heidelberger Katechismus verwurzelt. Dadurch können wir auch heute „einen kleinen Anteil an den Reichtümern und Einsichten aus dem Spektrum der großen Katechismen der Reformationszeit“ gewinnen, erklärt Tim Keller in seiner überzeugenden Einleitung zum New City Katechismus. Diese Einsichten bilden eine gute Grundlage, um wieder neu eine tiefe Verwurzelung im Evangelium herzustellen.

Wie wir den New City Katechismus in unserer Familie verwenden

Ich bin dankbar, in einer Zeit zu leben, in der die Katechese – zumindest langsam – wiederentdeckt wird. Die steigende Nachfrage hat Evangelium21 veranlasst, den New City Katechismus jetzt auch online und als App für mobile Endgeräte zur Verfügung zu stellen.

In der Familie haben wir bisher das Booklet genutzt. Die Webseite bzw. App bietet jedoch den Vorteil, dass neben den Fragen und Antworten die angegebene Bibelstelle sowie jeweils ein kurzer historischer und aktueller Kommentar direkt angezeigt werden können. Außerdem gibt es zu jeder Frage abschließend ein passendes Gebet.

Ein wichtiger Vorteil für Familien, der im Booklet als auch in der App zur Verfügung steht, ist der Kindermodus. Dabei wird eine kürzere Version der Antwort angezeigt, die auch von Kindern auswendig gelernt werden kann.

Ein kleines Manko im Vergleich zur englischen App besteht aktuell noch darin, dass die Position nicht gespeichert wird. Sobald die App neu gestartet wird, beginnt man von vorn. Wünschenswert wäre für die Zukunft auch die Übersetzung und Aufnahme der Lieder, die es im englischen Original gibt. Dort ist jede Frage und Antwort mit einem Lied verknüpft. Das verstärkt den Lerneffekt deutlich.

Der New City Katechismus umfasst 52 Fragen und Antworten, sodass pro Kalenderwoche eine Frage behandelt werden kann. Das bietet jeder Familie genug Freiraum, um die regelmäßige Katechese einzuführen. Wir verwenden den Katechismus immer phasenweise in der Familienandacht. Meistens erstelle ich zu der entsprechenden Frage und Antwort zur Veranschaulichung eine kleine Skizze. In diese Skizze nehme ich immer ein Mitglied der Familie auf und erläutere, welcher Zusammenhang zwischen ihm und der gelernten Wahrheit besteht. Die Fragen und Antworten bekommen dadurch eine persönliche Dimension. Gott hat nicht nur allgemein die Menschen geschaffen, damit sie ihn verherrlichen, sondern jeden von uns ganz persönlich.

Das Wort Gottes ist niemals nur trockene Theorie

„Der New City Katechismus bietet gutes Brennholz. Es liegt an uns, Wege zu finden, die Katechese wieder in die Gemeinden und Familien einzuführen.“

 

Das Wort Gottes, auch in Frage- und Antwortform, ist niemals nur trockene Theorie. Vielmehr ist Archibald Alexander zuzustimmen, dessen Vergleich Tim Keller anführt. Alexander, schreibt Keller, „verglich die Katechese mit Feuerholz in einem Kamin. Ohne Feuer – ohne den Geist Gottes – kann das Feuerholz keine warmen Flammen entfachen. Doch ohne Brennmaterial kann es auch kein Feuer geben – und diese Rolle hat die Katechese.“

Der New City Katechismus bietet gutes Brennholz. Es liegt an uns, Wege zu finden, die Katechese wieder in die Gemeinden und Familien einzuführen. Ideen dazu gibt es viele, z.B. in der erwähnten Einleitung von Tim Keller und in dem Artikel von Hanniel Strebel. Es ist Zeit, es auch umzusetzen.

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