Wie erkenne ich den Willen Gottes?

Artikel von Gene Edward Veith
1. Januar 2020 — 10 min Lesedauer

Angst vor „falschen Entscheidungen“

Als ich einmal an einer Uni über das Thema Berufung sprach, kam nachher ein Student zu mir und fragte mich nach einem Rat. Er war mit dem Gedanken zur Uni gekommen, dass er Pastor werden wollte, aber jetzt fühlte er sich berufen, Lehrer zu werden. „Wie kann ich herausfinden, was unser Herr will, das ich tue?“, fragte er.

Ich gab ihm den Rat, über seine Begabungen nachzudenken. Daraufhin stellte er eine Frage, die das tieferliegende Problem andeutete: „Was ist, wenn ich eine falsche Entscheidung treffe? Was ist, wenn ich mich entschließe, Lehrer zu werden, obwohl Gott will, dass ich Pastor werde? Oder wenn ich mich entschließe, Pastor zu werden, aber Gott das nicht wirklich von mir will? Wie kann ich lehren oder predigen, wenn ich dabei nicht tue, was Gott nach seinem Willen für mich vorgesehen hat? Und wie kann ich überhaupt genau wissen, was sein Wille für mich ist?“

Ich gab ihm folgende Antwort: „Du kannst keine falsche Entscheidung treffen“, sagte ich ihm. „Wenn du dich entschließt, in den christlichen Dienst zu gehen, die Bibelschule abschließt und – da eine Berufung von jemand anderem als uns ausgehen muss – durch eine Gemeinde berufen wirst, dann kannst du sicher sein, dass Gott dich auf diese Kanzel gestellt hat. Wenn du dich entschließt, Lehrer zu werden, und eine Schule stellt dich an, dann kannst du dir sicher sein, dass Gott dich in dieses Klassenzimmer gestellt hat. Gott kann dich sogar für den Moment ins Klassenzimmer berufen und später in den christlichen Dienst.

Viele Menschen denken, dass sie Gottes Willen für ihr Leben „herausfinden“ müssen und diesen verpassen könnten, wenn sie eine „falsche Entscheidung“ treffen. Aber da sie keine Möglichkeit haben herauszufinden, was Gottes Wille für ihren spezifischen Fall ist, sind sie paralysiert und wissen nicht, was sie tun sollen. Die Folge ist, dass sie gar nichts tun.

„Ja, wir treffen Entscheidungen. Aber für Christen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen, der das Universum lenkt, dürfen wissen, dass weder ihre Errettung noch ihr Lebensweg von ihnen abhängig ist.“

 

Gott lenkt unsere Schritte

Christen dürfen wissen, dass nicht alles auf ihre Entscheidungen reduziert werden kann. Ja, wir treffen Entscheidungen. Aber für Christen, die ihr Vertrauen auf Gott setzen, der das Universum lenkt, dürfen wissen, dass weder ihre Errettung noch ihr Lebensweg von ihnen abhängig ist.

Meinen wir wirklich, dass Gottes Wille aufgehalten werden kann Natürlich können wir gegen seinen offenbarten Willen angehen, gegen seine Gebote; das wird Sünde genannt. Wir müssen deshalb Gottes Wort studieren, um seinen Willen zu erkennen. Wir müssen auch einsehen, dass dieser Wille oft im Konflikt zu unserem gefallenen Willen stehen wird. Wir müssen im Glauben wachsen, damit wir mit Jesus beten können: „Nicht meine Wille, sondern dein Wille geschehe“ (Lk 22,42). Aber in seiner Herrschaft über die Schöpfung geschieht letztendlich immer sein souveräner Wille.

Der Student wusste mit Sicherheit, dass ihm bestimmte Karrierepfade als Drogendealer oder Pornodarsteller verschlossen sind. Aber Lehrer zu werden, genauso wie Pastor, ist keine Sünde. Wir müssen Entscheidungen treffen, wozu Selbsteinschätzung, Ringen und Gebet benötigt werden. Wir müssen alle gewöhnlichen Faktoren einbeziehen: Finanzen, Timing, unsere Familiensituation. Aber wir können sicher sein, dass wir von Gott geführt wurden, wenn die Entscheidung einmal getroffen ist.

Das ist es, was die Schrift lehrt. „Das Herz des Menschen denkt sich seinen Weg aus“ – das heißt, wir müssen Pläne machen – „aber der HERR lenkt seine Schritte“ (Spr 16,9). Gott ist es, der unsere Schritte lenkt. „Das Ross ist gerüstet auf den Tag der Schlacht, aber der Sieg kommt von dem HERRN“ (Spr 21,31). Der Herr bewirkt das Ergebnis, wir arbeiten dabei mit.

„Bei unserer Berufung geht es nicht um ‚Selbsterfüllung‘. Jesus in einer Berufung nachzufolgen, verlangt Selbstverleugnung und tägliche Selbstaufopferung für die Nächsten, denen wir mit unserer Berufung dienen.“

 

Erfolg oder Misserfolg sind falsche Indikatoren

Entgegen der Lehren des Wohlstandsevangeliums ist irdischer Erfolg nicht notwendigerweise ein Zeichen von Gottes Wohlgefallen, noch ist ein Mangel an Erfolg ein Zeichen, dass man „außerhalb des Willens Gottes ist“. Der Lebensweg eines Menschen beinhaltet nicht nur Gelegenheiten, sondern auch Versagen, nicht nur offene Türen, sondern auch solche, die einem vor der Nase zugeschlagen werden. Bei unserer Berufung geht es nicht um „Selbsterfüllung“. Jesus in einer Berufung nachzufolgen, verlangt Selbstverleugnung und tägliche Selbstaufopferung für die Nächsten, denen wir mit unserer Berufung dienen.

„Wir können mutig die Möglichkeiten nutzen und Beziehungen aufbauen, die das Leben für uns bereithält, weil wir sicher sind, dass er mit uns sein wird.“

 

Schwierigkeiten in unseren verschiedenen Berufungen – in der Familie, in der Gemeinde, in der Gesellschaft und am Arbeitsplatz – bezeugen einen weiteren Aspekt von Gottes Willen: sein Verlangen, dass wir in Glauben und Heiligkeit wachsen. „Denn das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1Thess 4,3). Das geschieht, indem uns die Kämpfe unseres Lebens dazu bringen, immer mehr auf ihn zu vertrauen.

In diesem Augenblick wissen wir nicht, was geschehen wird und wo uns unsere Entscheidungen hinführen. Aber wenn wir zurückblicken – besonders, wenn wir älter sind und Zeit vergangen ist – können wir ein Muster erkennen und wie Gott uns jeden Schritt des Weges geführt hat, selbst wenn uns das zu der Zeit nicht bewusst war.

In der Zwischenzeit müssen wir handeln. Gottes Vorsehung zu vertrauen – nicht nur seiner Kontrolle, sondern wie Gott „für uns sieht“ – ist eine Formel für Freiheit, nicht für Passivität. Wir können mutig die Möglichkeiten nutzen und Beziehungen aufbauen, die das Leben für uns bereithält, weil wir sicher sind, dass er mit uns sein wird.