Gottes väterliche Souveränität

Der Zusammenhang von Gottes Souveränität und Liebe

Artikel von Joel Beeke
7. November 2019 — 6 min Lesedauer

Gottes Souveränität als grundlegendes Fundament aller anderen Lehren

Ein Calvinist glaubt, dass Gott der Herr des Lebens und souveräner Herrscher des Universums ist, dessen Willen den Schlüssel zur Geschichte darstellt. Er glaubt, dass Gott frei und unabhängig ist von jeder Macht außerhalb von ihm, um seine Ziele zu erreichen; dass er von Anfang an das Ende kennt, dass er alle Dinge erschaffen hat, unterhält, regiert und lenkt; und dass seine wunderbaren Ratschlüsse am Ende der Zeiten völlig und vollkommen sichtbar sein werden. „Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit!“ (Röm 11,36) Charles Hodge sagte: „Gottes Souveränität ist in Bezug auf alle anderen Lehren das, was die Granitschicht für all die anderen Schichten der Erde ist. Sie liegt ihnen zugrunde und erhält sie, aber sie ragt hier und da heraus. Genauso sollte diese Lehre all unserem Predigen zugrunde liegen, aber sie sollte nur ab und zu explizit erwähnt werden.“

Die Wurzel der Souveränität Gottes ist seine unerforschliche Liebe

Gottes Souveränität ist der Kern des Calvinismus – vorausgesetzt wir verstehen, dass diese Souveränität nicht willkürlich ist, sondern die Souveränität des Gottes und Vaters unseres Herrn Jesus Christus. John Duncan erklärt: „Es ist ein heiliger Wille, der das Universum beherrscht – ein Wille, in dem Liebe inbegriffen ist, die sich zur festgelegten Zeit zeigt. Es ist eine ernste Sache, dass wir und alle Geschöpfe in der Hand eines reinen Willens sind; aber es ist nicht ein gewöhnlicher freier Wille, sondern der freie Wille des souveränen Herrn Zebaoth. Dadurch unterscheidet er sich von der scheinbaren Willkür eines gewöhnlichen freien Willens.“ B. B. Warfield schrieb in seinem Aufsatz über die Prädestination: „Die biblischen Autoren finden ihren Trost fortwährend in der Gewissheit, dass es der rechtschaffene, heilige, treue und liebende Gott ist, in dessen Händen die Bestimmung der Ereignisse und all ihrer Auswirkungen ruht. … Die Wurzeln der göttlichen Erwählung sind verankert in seiner unerforschlichen Liebe, durch die sie als der höchste Akt der Gnade erscheint.“

Gottes väterliche Souveränität zeigt sich in Christus

Das ist ausgewogener, echter, verteidigungswürdiger Calvinismus. Es ist der Calvinismus, der in Jesaja 9,6 ausgedrückt wird, wo es heißt, dass die Herrschaft oder Souveränität auf der Schulter dessen ruht, der „Wunderbarer, Ratgeber, starker Gott, Ewig-Vater, Friedefürst“ ist. In Christus sehen wir die warme und väterliche Souveränität des Gottes der Heiligen Schrift, sie ist völlig anders als die kalte und unberechenbare Souveränität anderer „Götter“, wie z. B. Allah. Die väterliche Souveränität steht wie die Menschwerdung selbst in vollkommener Übereinstimmung mit allen Eigenschaften Gottes. Der Calvinist findet Frieden in der Überzeugung, dass hinter Gottes allumfassender Vorsehung die volle Zustimmung des dreieinigen Gottes steht. Die souveräne Gnade und Liebe, die nach Golgatha ging, hält die ganze Welt in Händen. Gottes väterliche Souveränität in Christus ist die Essenz dessen, wer Gott ist.

Joel Beeke ist Professor und Präsident des Puritan Reformed Theological Seminary (USA), wo er auch Theologie und Homiletik unterrichtet. 2019 ist beim Verlag Crossway der erste Band einer Systematischen Theologie erschienen, die er zusammen mit Paul M. Smalley verfasst.