Wofür lebst du?

Wenn Christus unseren „Lifestyle“ prägt

Artikel von Rebecca VanDoodewaard
16. Oktober 2019 — 12 min Lesedauer

„Lifestyle“ ist ein relativ junges Konzept. Jahrtausende lang haben Menschen nicht ihre Karrieren, ihren Wohnort oder ihre Gemeinschaften gewählt – sie wurde darin hineingeboren und haben im Allgemeinen akzeptiert, wie die Dinge waren. In unserer postmodernen Welt klingt das repressiv. Die Wahl des Lebensstils ist groß, von Karrieren über die Beleuchtung zu Hause bis hin zu Designerstücken.

Gott erlaubt uns zu wählen und gibt uns Weisheit, Entscheidungen zu treffen. Aber weil Gott etwas viel Größeres im Sinn hat als persönliche Freiheit, gibt er uns auch klare Richtlinien. Egal, was für eine Familie, Bildung oder welche Neigungen wir haben – Christen sollen einen identifizierbaren Lebensstil aufzeigen. Heiligkeit ist keine vage Vorstellung – sondern eigentlich ziemlich praktisch. Sie hat eine Form und ein Muster und einen Klang.

In 1. Thessalonicher gibt Paulus der Gemeinde klare und einfache Instruktionen. Wir sollten danach streben, ein stilles Leben zu führen, unsere eigenen Angelegenheiten zu besorgen und mit unseren eigenen Händen zu arbeiten (1Thess 4,11). Der erste Brief an Timotheus spiegelt das auch wider: „Damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit“ (1Tim 2,1–2). Uns wird hier gesagt, dass wir für politische Führer beten sollen, für „alle, die in hoher Stellung sind“.

Das bedeutet nicht, dass wir auf diese Aktivitäten beschränkt sind oder dass wir nicht in einem Büro arbeiten oder politisch engagiert sein können. Unterschiedliche Gaben und Umstände haben auf die persönliche Berufung Einfluss. Aber für uns alle gilt, dass unser Leben diesem biblischen Muster folgen soll. Es sind keine Vorschläge, sondern göttliche Befehle.

Still zu leben klingt einfach, oder nicht? Aber unsere Herzen und die Welt kämpfen dagegen an. Große Arbeitsstellen, großes Geld und große Urlaube sind das Mantra der Kultur. Ruhm wird als ein würdiges Ziel gefeiert. Selbst in der Gemeinde wird uns gesagt, dass wir große Dinge für Jesus tun müssen. Das spricht die selbstsüchtigen Ambitionen in unserem Herzen an. Aber still zu leben tötet Ambitionen nicht ab – es heiligt und kanalisiert sie. Still zu leben bedeutet nicht Apathie – die Bibel ist kein Freund von Faulheit und Lauwärme. Still zu leben ist ein Ausdruck von Sanftmut.

Wenn stilles Leben eine Art und Weise ist, unsere Ambitionen zu kontrollieren, dann ist mit unseren eigenen Händen zu arbeiten darauf angelegt, Faulheit zu bekämpfen. Die Wäsche zu machen, den Rasen zu mähen, das Auto zu waschen und für jemanden zu kochen sind Wege, wie selbst solche in den höchsten Stellungen diesem Auftrag folgen können. Das Christentum gibt uns eine ganzheitliche Sicht der Berufung, nicht nur eine Karriere. Ein Großteil des christlichen Dienstes geschieht mit unseren Händen, egal ob es das Saubermachen des Eingangsbereichs in der Kirche ist oder das Anbieten einer Fahrgemeinschaft. Jede nützliche Arbeit hat Wert, wenn sie für Jesus getan wird (Mt 10,42), und die einfachste, aber zugleich am meisten gebrauchte Arbeit geschieht mit unseren Händen. Jeder von uns muss daran Anteil haben.

„Kümmer dich um deine Angelegenheiten!“, hat mich meine Mutter immer gewarnt. Sie wusste, dass, wenn ich mich bei meinen Schwestern und Brüdern einmische, es unweigerlich zu Konflikten führen würde. Das gleiche gilt für Erwachsene, nur sind die Einsätze höher. Deshalb warnt uns Paulus, „unsere eigenen Angelegenheiten zu besorgen“. Kennst du eine Beziehung, die durch die sozialen Medien zerstört wurde? Hat sich das Tratschen jemals an dir gerächt? Hast du schonmal etwas Erbauliches in einem Boulevardblatt gelesen? Denkst du, dass jemand, der sich überall einmischt, ehrbar ist? Unsere Neugier zu kontrollieren hält uns nicht nur aus Problemen heraus; es erlaubt uns auch, stiller zu leben und mehr Arbeit mit unseren Händen zu schaffen. Zu oft fangen wir mit den Problemen der anderen Menschen oder der Welt an, wogegen Paulus uns sagt, dass wir uns auf unsere Probleme konzentrieren sollen.

Interessanterweise erachtet Paulus das Gebet für jeden, besonders für Leiter, als unsere Angelegenheit. Wir sollen unsere eigenen Angelegenheiten besorgen, indem wir unseren König anflehen. Der Text ist sehr spezifisch: Wir sollen „Bitten, Gebete, Fürbitten und Danksagungen“ darbringen (1Tim 2,1). Wenn wir still leben und mit unseren eigenen Händen arbeiten wollen, dann ist Gebet für politische Führer ein wichtiger und oft vernachlässigter Aspekt, dem gehorsam zu sein.

Gott hat uns jedoch nicht nur diese Richtlinien gegeben. Als unser guter Vater hat er freundlich seine Gründe erklärt. Er gibt uns eine größere Perspektive. Weil ein Lebensstil nämlich nicht ein Ziel für sich selbst ist, sondern ein Mittel zu einem größeren Ziel. Es gibt drei Ziele, die unseren Lebensstil, der vom Glauben geformt ist, motivieren.

Das erste ist, dass das Leben auf eine Weise, wie es uns die Briefe des Neuen Testaments vorschreiben, tatsächlich Gott gefällt (1Thess 4,1). Er erfreut sich an unserem Gehorsam. Als Gottes Kinder wollen wir ihm gefallen und er sagt uns deutlich, wie das geht. Diese Bibelstellen beschreiben eine konkrete Christusähnlichkeit: „Denn für mich ist Christus das Leben“ (Phil 1,21–26).

Zweitens, diese Art des Lebens bringt der Gemeinde Segen. Es ist ein Ausdruck von Liebe (1Thess 4,9). Kannst du dir eine Gemeinde ohne Tratschen vorstellen? Eine Gemeinde, wo die Mitglieder einander mit ihren Händen dienen? 1. Thessalonicher 4,12 verweist darauf, dass harte Arbeit uns davon abhält, eine finanzielle Belastung für andere Christen zu sein. Ein stilles, ehrbares Leben bewahrt uns auch davor, für die Gemeinde eine beziehungs- und gefühlsmäßige Last zu sein.

Drittens, diese Art zu Leben ist ein Zeugnis für die Welt. Es ist brüderliche Liebe, die sich auf eine Weise manifestiert, die außerhalb der Gemeinde bekannt wird. Ehre für Gott und Liebe für einander schmücken das Evangelium. Die Menschen um uns herum sind hungrig nach echter, selbstloser Liebe. Und ein ehrbares Leben hebt sich in unserer Kultur ab, weil es selten ist. Jesus sagt uns: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh 13,35).

Vorher in 1. Thessalonicher 4 erklärt Paulus, dass Heiligung Gottes Wille für uns ist (Vers 3). Biblisch zu leben bringt Reife. Selbstaufopferung, Dienst, auf andere zu achten und Gebet sind alles Dinge, die Selbstzentriertheit ausmerzen, d.h. Unreife. Das Leben, das Paulus beschreibt, ist ein Leben der bewussten Unterordnung des Selbst.

Diese Selbstbeherrschung kommt nicht von innen. Sie ist göttlich. Paulus sagt deutlich, dass die Gläubigen „von Gott selbst gelehrt sind, einander zu lieben“ (1Thess 4,9). Wir brauchen das gleiche. Und Gott wird es uns geben, genauso wie er es unseren Mitgläubigen vor zweitausend Jahren gab.

Unsere Kultur lehnt jeden Versuch ab, uns sagen zu lassen, wie wir leben sollen. Aber was die Welt nicht erkennen kann, ist, dass dieses Leben Freiheit bedeutet: „Ein Leben von selbstaufopfernder Liebe ist ein Leben der Freiheit“.