Was einen Jugendpastor auszeichnen sollte

Artikel von Joe Gibbes
29. Juli 2019 — 10 min Lesedauer

Ich bin nun seit 25 Jahren in die Jugendarbeit involviert. Ich habe mehr Jugendkonferenzen besucht als ich zählen kann. Vollzeitlich arbeite ich im geistlichen Dienst seit neun Jahren und in den jeweiligen Gemeinden habe ich immer eng mit der Leitung der Jugendgruppen zusammengearbeitet.

Man kann sich wohl vorstellen, dass ich in dieser Zeit eine ganze Reihe an Jugendleitern und Jugendpastoren kennengelernt habe. Einige von ihnen haben einen wunderbaren, fruchtbaren Dienst getan, während andere sehr schnell „verbrannten.“ Wenn unsere Gemeinde sich um einen Jugendpastor bemüht, versuchen wir, Letzteres zu umgehen.

Drei notwendige Eigenschaften

Bei der Suche nach einem Jugendpastor achte ich vor allem auf drei Dinge:

Es muss jemand sein, der Gott und sein Wort liebt

Das scheint so grundlegend zu sein, dass sich einige vielleicht wundern, warum ich es überhaupt erwähne. Aber es ist nicht so selbstverständlich, wie man denkt. Ich habe viele Jugendleiter getroffen, deren Beziehung zu Christus sich unter dem Druck des Dienstes als sehr schwach herausstellte. Oft sehen solche Menschen die Jugendgruppe als einen Ort der Bestätigung und Akzeptanz, aber nicht des theologischen Tiefgangs. Sie meinen, einen spaßigen Job als Jugendpastor gefunden zu haben, in der Hoffnung, dort Anerkennung und Akzeptanz zu finden.

Wenn es darum geht, einen Jugendmitarbeiter zu finden, suche ich jemanden, der von der Erfahrung der Akzeptanz in der Gemeinde dahin gekommen ist, völlig in der gnädigen Akzeptanz zu ruhen, die Gott uns durch den Tod und die Auferstehung Jesu Christi schenkt. Ein qualifizierter Mitarbeiter muss darauf vorbereitet sein, sowohl von Jugendlichen als auch von deren Eltern ungeliebt und ungewollt zu sein. Ein Jugendpastor muss die geistliche Reife besitzen, um daran festzuhalten, dass

  • er in Christus jegliche Bestätigung und Akzeptanz bekommen hat, die er jemals braucht;
  • die Bibel eine Quelle des Lebens ist, voll von Gottes Reichtümern, seine unendliche Gnade bezeugt und autoritativ für Glauben und Leben ist;
  • die Jugendlichen Gott und sein Wort mehr brauchen als alles andere;
  • die persönliche Beschäftigung mit Gott und seinem Wort die Grundlage für seinen Dienst bildet.

Es muss jemand sein, der Gottes Volk liebt

Das ist wieder etwas sehr grundlegendes. Trotzdem sollten wir hier kurz innehalten. Der Dienst für Gott verlangt Demut. Ist diese nicht vorhanden, wird die Jugendarbeit entweder dazu beitragen, dass Demut gelernt wird oder aber dass man das Handtuch wirft. Beides kann eine schmerzhafte Erfahrung sein. Ein Jugendpastor, der sich in Gottes Liebe und Wort verwurzelt, ist schon vor dem HERRN gedemütigt. Deshalb wird seine größte Sorge sein, den Jugendlichen das Evangelium immer und immer wieder zu sagen. Seine eigene Beliebtheit wird ihn nicht interessieren.

Wir sollten uns auch nicht nach jemandem umschauen, der einfach ein großes Repertoire an „Tricks“ besitzt, es sei denn, dass sie ihn darin befähigen, den Jugendlichen Gottes Gnade näherzubringen. Wir sollten nicht nur jemanden suchen, der sowohl zu Jugendlichen als auch Erwachsenen sprechen kann, sondern der die Gemeinschaft zu den Jugendlichen und deren Familien sucht, der zuhört, das Wort Gottes lehren und andere anleiten kann. Ich möchte keinen Jugendpastor anstellen, der sich einfach nur gerne Fußballspiele anschaut, sondern der diese als Möglichkeiten sieht, Beziehungen zu den Jugendlichen aufzubauen, die letztendlich dazu führen, dass sie Christus kennenlernen.

Kurzum: Wir sollten keinen Jugendpastor anstellen, der einen spaßigen Job und eine verlängerte Adoleszenz erwartet. Vielmehr sollten wir uns nach jemandem umschauen, der eine robuste Theologie des christlichen Dienstes mitbringt.

Es muss jemand sein, der eine gewisse Professionalität mitbringt

Ich habe einmal mit einem Jugendpastor gearbeitet, der, obwohl er sehr talentiert war, ständig damit zu kämpfen hatte, den angemessenen Respekt von den Eltern und dem Rest der Gemeindeleitung zu erhalten. „Wie viel Geld würdest du ausgeben, um den Respekt zu bekommen, den du dir wünschst?“, fragte ich ihn eines Tages. Er antwortete: „Keine Ahnung, 1000 €?“ „Dann nimm diese 1000 € und kauf dir angemessene Kleidung.“ Er hat nie meinen Rat befolgt. Zu den Treffen mit den Eltern und der Gemeindeleitung kam er weiterhin mit Flip-Flops und zerfetzten Shorts und, obwohl er eine Frau und ein Kind hatte, wurde er nie als Erwachsener wahrgenommen.

„Ein qualifizierter Jugendpastor muss verstehen, dass die Eltern das Gefühl haben wollen, dass ihre Kinder von einem verantwortungsbewussten Erwachsenen geführt werden.“

 

Es mag für einen Jugendlichen angemessen sein, sich wie die anderen Jugendlichen zu kleiden, so zu reden und sich genauso zu verhalten. Aber ein qualifizierter Jugendpastor muss verstehen, dass die Eltern das Gefühl haben wollen, dass ihre Kinder von einem verantwortungsbewussten Erwachsenen geführt werden. Hier gibt natürlich Unterschiede zwischen den jeweiligen Gemeinden, aber im Dienst sollte sich ein Jugendpastor eigentlich nicht anders kleiden oder verhalten als der Pastor selbst oder die Eltern.

Hier sind noch ein paar andere Dinge, wie der Jugendpastor das Vertrauen und die Loyalität der Eltern und der Gemeindeleitung gewinnen kann:

  • Er sollte sich durch Pünktlichkeit auszeichnen und Verspätung rechtzeitig anzeigen. Natürlich gerät jeder mal in einen Verkehrsstau, aber man sollte nicht unbedingt den Ruf haben, immer zu spät zu sein. Ein Trainer sagte seinen Spielern einmal: „Wenn ihr pünktlich da sein könnt, dann kommt früher.“
  • Er sollte Telefonanrufe und E-Mails schnellstmöglich beantworten. Erhält er eine kontroverse Email, sollte er zunächst beten, sich beruhigen und dann mit einem Anruf reagieren.
  • Er sollte sich an seine Worte halten und das durchziehen, was er sich vorgenommen hat. Der Terminkalender und die To-Do-Liste eines Jugendpastors sind nicht nur für ihn wichtig. Von einem Jugendpastor wird viel erwartet. Die Glaubwürdigkeit unseres Dienstes hängt stark davon ab, wie wir in unseren Aufgaben vorangekommen sind und was noch aussteht. Ist man ein wenig organisierter Typ, wäre es hilfreich, sich an dieser Stelle Unterstützung zu holen.

Die wirklich wichtigen Dinge im Auge behalten

Wenn ich mich das nächste Mal nach einem Jugendpastor umsehe, werde ich detaillierte Fragen darüber stellen, wie sehr er den HERRN liebt, wie sehr der dem Wort Gottes vertraut, wie sehr er Gottes Volk liebt und wie er sich angemessen in den neuen Kontext einbringen will.

Joe Gibbes ist Rektor der Episcopal Church of Our Saviour in Jacksonville (Florida, USA). Er und seine Frau Amy sind seit 20 Jahren verheiratet und haben 3 Kinder.