Sechs Kennzeichen für die Berufung in den Predigtdienst

Artikel von Steven J. Lawson
29. August 2019 — 14 min Lesedauer

Wenn es irgendetwas anderes gibt, das ein Mann tun kann, außer zu predigen, so Martyn Lloyd-Jones, dann sollte er es tun. Die Kanzel ist kein Ort für ihn. Der christliche Dienst ist nicht etwas, das jemand tun kann, sondern das jemand tun muss. Um die Kanzel zu betreten, muss er eine Notwendigkeit verspüren. Ein von Gott berufener Mann, so glaubte er, würde lieber sterben als zu leben, ohne predigen zu können. Lloyd-Jones zitierte oft den berühmten britischen Pastor Charles H. Spurgeon: „Wenn du irgendetwas anderes tun kannst, dann tu es. Wenn du den christlichen Dienst vermeiden kannst, dann vermeide ihn.“ Mit anderen Worten, nur diejenigen, die glauben, dass sie von Gott zur Kanzel berufen worden sind, sollten diese heilige Aufgabe übernehmen.

„Prediger werden geboren, nicht gemacht“, drückte es Lloyd-Jones aus. „Das ist etwas Absolutes. Du wirst niemals einem Mann beibringen, ein Prediger zu sein, wenn er es nicht schon ist.“ Das war deutlich der Fall im Leben von Lloyd-Jones. Er war sich bewusst, dass er sich keiner Freiwilligenarmee anschließt.

Was macht eine Berufung zum Predigen aus? Lloyd-Jones identifizierte sechs Kennzeichen dieser göttlichen Aufforderung zum Kanzeldienst. Er selbst fühlte das Gewicht jeder dieser Wirklichkeiten schwer auf seiner Seele lasten. Er glaubte, dass die gleichen geistlichen Kräfte auf alle Prediger wirken.

Erstens, Lloyd-Jones bekräftigte, dass es einen inneren Drang in dem geben müsse, der dazu berufen ist, das Wort Gottes zu predigen. Er sagte, es müsse „ein Bewusstsein in sich selbst geben für eine Art Druck, der auf den eigenen Geist ausgeübt wird“. Er identifizierte dies als einen unwiderstehlichen Impuls, als „Unruhe im Reich des Geistes“, sodass „dein Sinn auf die ganze Frage des Predigens ausgerichtet ist“. Dieser innere Zwang wird „eine beherrschende Kraft im Leben“. Lloyd-Jones erklärte: „Das ist etwas, das dir widerfährt und das Gott an dir handelt durch seinen Geist, es ist etwas, dessen du dir bewusst wirst statt etwas, das du tust.“ Mit anderen Worten, der Antrieb zu predigen wird eine Last auf dem Herzen, die erfüllt werden muss. Es ist eine heilige Beschäftigung der Seele, die denjenigen, der berufen ist, dazu führt, im Glauben den Schritt zu wagen und dieses Werk anzugehen.

Diese göttliche Berufung, so glaubte Lloyd-Jones, erfasst die Seele und beherrscht den Geist. Sie wird zu einer überwältigenden Leidenschaft, die nicht ignoriert werden kann. Sie wird nicht weggehen oder den Mann sich selbst überlassen. Er erklärte, dass es irgendwann keinen Ausweg mehr gibt. Solch eine starke Kraft erfasst einen Mann, dass er gefangen wird. Lloyd-Jones erkannte das, als er sagte:

Du tust dein Äußerstes, um diese Unruhe in deinem Geist auf verschiedene Wege loszuwerden. Aber du erreichst den Punkt, wo du das nicht länger tun kannst. Es wird fast wie eine Besessenheit und so überwältigend, dass du am Ende sagst: „Ich kann nichts anderes tun, ich kann nicht länger widerstehen.“

Zweitens, Llyod-Jones betonte, dass es einen äußerlichen Einfluss geben wird, der zu dem kommt, der berufen wird. Der Input und der Rat anderer Christen wird einflussreich wirken auf den, der zum christlichen Dienst berufen ist. Es mag das Feedback eines Pastors oder die Bestätigung eines Ältesten sein. Es kann auch die Ermutigung eines anderen Christen sein. Wenn sie hören, wie dieser Mensch das Wort verkündigt, vielleicht in einer Bibelstunde oder einem Bibelkreis, sind sie oft die besten Erkenner des Mannes, der zum christlichen Dienst berufen ist. Mit anderen Worten, aufmerksame Menschen erkennen oft die Hand Gottes auf einem Menschen, bevor es dieser selbst merkt. Diejenigen, die Gott am besten kennen und sein Wort am meisten lieben, können oft wahrnehmen, wer für dieses Werk ausgesondert wird. Sie geben einsichtsreiche Bestätigung gegenüber dem Menschen, der berufen wird.

Drittens, Lloyd-Jones drückte aus, dass derjenige, der berufen wird, eine liebende Fürsorge für andere erfahren wird. Gott gibt demjenigen, der dazu berufen ist zu predigen, ein überwältigendes Mitgefühl für andere Menschen. Als Teil dieser göttlichen Wahl schenkt der Heilige Geist ein verzehrendes Verlangen nach dem geistlichen Wohl der anderen. Lloyd-Jones schrieb: „Die wahre Berufung umfasst immer eine Fürsorge für andere, ein Interesse an ihnen, ein Bewusstsein, dass sie verloren sind, und ein Verlangen, etwas für sie zu tun, ihnen die Botschaft mitzuteilen und sie auf den Weg der Errettung hinzuweisen“. Diese Liebe für andere beinhaltet oft ein besonderes Bewusstsein dafür, dass zahllose Menschen verloren gehen ohne Christus. Ferner gibt es eine Sorge, dass viele dieser verlorenen Seelen in der Gemeinde sind. Derjenige, der zum Predigen berufen ist, fühlt sich angetrieben, sie aufzuwecken in Bezug auf ihr Bedürfnis nach Christus. Er ist dazu gedrängt, sie mit der rettenden Botschaft des Evangeliums zu erreichen.

Im Leben von Lloyd-Jones erlebte er ein wachsendes Anliegen für andere. Er sagte: „Mir verschlug es in London nachts manchmal die Sprache, als ich dastand und zusah, wie die Autos vorbeifuhren, die Menschen zum Theater oder an andere Orte fuhren, wo es Gespräche und Unterhaltung gab, als mir plötzlich bewusst wurde, dass all das bedeutete, dass diese Menschen nach Frieden suchten, Frieden von sich selbst.“ Sein wachsendes Anliegen galt nun nicht ihrer physischen Gesundheit, sondern ihrem geistlichen Wohl.

Viertens, Lloyd-Jones bekräftigte, dass es einen überwältigenden Zwang gibt in dem, der zu diesem Werk berufen ist. Er ging davon aus, dass es „ein Gefühl des Zwangs gibt“, was bedeutet, dass der Mensch nicht anders kann, als sich diesem Werk hinzugeben. Es ist, als ob Gott ihn nicht freigibt von dieser Verpflichtung, zu predigen. Es gibt nichts, was er tun kann, als diesem inneren Drang zum Predigen zu folgen. Er muss notwendigerweise predigen, egal was andere sagen mögen. Er muss am Wort dienen, egal was für Widerstände dafür überwunden werden müssen.

Fünftens, Lloyd-Jones glaubte, dass ein Mann, der zum Predigen berufen ist, unter eine ernste Demut kommt. Er glaubte, dass diese Person überwältigt ist von einem tiefen Sinn für seine persönliche Unwürdigkeit hinsichtlich solch einer hohen und heiligen Aufgabe und oft zögert, mit dem Predigen zu beginnen, aus Furcht vor seiner eigenen Mangelhaftigkeit. Lloyd-Jones schreibt: „Der Mann, der von Gott berufen ist, ist ein Mann, der sich bewusst ist, wozu er berufen ist, und der folglich die Ernsthaftigkeit dieser Aufgabe so sehr erkennt, dass er davor zurückweicht.“ Obwohl er angetrieben ist zu predigen, fürchtet er sich gleichsam davor. Er ist ernüchtert durch diese gewichtige Aufgabe, für Gott zu sprechen. Er erzittert im Angesicht dieser Verantwortung, die ihm anvertraut ist und der Rechenschaft, die damit einhergeht.

Sechstens, Lloyd-Jones fügte hinzu, dass eine gemeinschaftliche Bestätigung zu dem kommen muss, der zum Predigen berufen ist. Der Mann, der von Gott erwählt ist zu predigen, muss, so Lloyd-Jones, von anderen in der Gemeinde beobachtet und geprüft werden. Nur dann darf er von der Gemeinde ausgesandt werden. Lloyd-Jones argumentierte gemäß Römer 10,13–15, dass Prediger „gesandt“ werden, was er als eine formale Aussendung durch eine Gemeinde verstand. Die Leiter der Gemeinde müssen die Qualifikationen desjenigen, der zum Predigen ausgesondert ist, untersuchen und die Berechtigung seiner Berufung überprüfen. Die Hände müssen ihm aufgelegt werden in Anerkennung dessen, was Gott in seinem Leben tut.

Für Lloyd-Jones sind dies die besonderen Kennzeichen einer Berufung zum Dienst am Evangelium. In einem gewissen Maß müssen all diese sechs Wirklichkeiten präsent sein im Leben dessen, der von Gott ausgesondert ist zu predigen. Jeder dieser Faktoren ist notwendig, um die Berufung eines Menschen zum Predigen zu beurteilen. Lloyd-Jones hatte jeden davon in seinem eigenen Leben erfahren. Er ermutigte daraufhin andere, die Gegenwart dieser Kennzeichen in ihrem Leben zu prüfen.