Wir arbeiten aus Gnade

Podcast von John Piper – gelesen von Robin Dammer
15. Juli 2019
„Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin; und seine Gnade, die er an mir erwiesen hat, ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe mehr gearbeitet als sie alle; jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.“ (1Kor 15,10)

Paulus war sich bewusst, dass der erste Teil dieses Verses missverstanden werden kann. „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle.“ Darum fährt er fort: „jedoch nicht ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir ist.“

Er begründet seinen Gehorsam nicht mit seiner Dankbarkeit über die Gnade, die er in der Vergangenheit erlebt hat. Er begründet ihn mit der immer neuen Gnade, die ihn Augenblick für Augenblick trägt. Er baut auf die Verheißung, dass er auch in Zukunft in jeder Stunde der Not auf Gottes Gnade zählen kann. In all seinem Streben und Mühen, Christus zu gehorchen, war es immer Gottes Gnade, die diese Bestrebungen und Bemühungen entfachte. Paulus arbeitete nicht einfach nur aus einer Dankbarkeit über die vergangene Gnade, sondern auch im Vertrauen auf das immer neue Kommen der verheißenen Gnade. Paulus will betonen, dass die immer neue Gnade Gottes die entscheidende Ursache seiner Arbeit ist.

Aber steht das wirklich da? Steht da nicht lediglich, dass Gottes Gnade mit Paulus gearbeitet hat? Nein, da steht noch mehr. Wir müssen uns mit den Worten auseinandersetzen „jedoch nicht ich“. Paulus will die Gnade, die ihn Augenblick für Augenblick trägt, großmachen. Es soll hier klar werden, dass Paulus nicht der eigentliche, entscheidende Akteur in seiner Arbeit ist.

Nichtsdestotrotz tut er seine Arbeit. „Ich habe mehr gearbeitet als sie alle.“ Er hat gearbeitet. Doch er sagt, dass es die Gnade Gottes war, die an ihm wirkt.

Wenn wir alle Teile dieses Verses zusammennehmen, lautet das Endergebnis, dass die Gnade Gottes, die entscheidende Rolle im Leben des Paulus spielt. Da Paulus aber ebenso am Handeln ist, wird deutlich, dass die Gnade dadurch zum Hauptakteur wird, indem sie Paulus überhaupt erst zum Dienst befähigt.

Ich verstehe das folgendermaßen: Wenn Paulus die Bürde jedes neuen Tages vor sich sah, ging er auf die Knie und bekannte, dass er sein Tageswerk nicht ohne die zukünftige Gnade tun konnte.

Vielleicht erinnerte er sich an die Worte Jesu: „Getrennt von mir könnt ihr nichts tun.” (Joh 15,5). Also bat er Gott um zukünftige Gnade für den Tag und vertraute auf die Verheißung, dass diese Gnade mit Kraft kommen sollte. „Mein Gott aber wird allen euren Mangel ausfüllen nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus“ (Phil 4,19).

Und dann handelte Paulus mit aller seiner Kraft.