Was ist wahre Freiheit?

Jesus befreit von der Herrschaft der Sünde

Artikel von Gene Edward Veith
14. Juli 2019 — 14 min Lesedauer

In Amerika mögen wir die Freiheit. Wir sind ein freies Land. Wir genießen Rede- und Religionsfreiheit, die Freiheit der Presse und die Freiheit, Waffen zu tragen. Und das ist richtig so. Aber obwohl Amerikaner Freiheit lieben, haben viele von ihnen vergessen, was das bedeutet.

Was heute viele Menschen unter Freiheit verstehen

Heutzutage gehen viele davon aus, dass Freiheit bedeutet, das tun zu können, was man will. Jedwede Behinderung unseres Verhaltens – egal ob vom Staat, der Kirche oder einer anderen Person – verletzt unsere Freiheit. Und für viele von uns bedeutet Freiheit vor allem das Recht, zu sündigen.

Die Heilige Schrift versteht unter Freiheit etwas anderes

Aber für die Bibel ist dies das Gegenteil von Freiheit. Sünde hat nichts mit Freiheit zu tun. Sünde zerstört Freiheit. Sünde versklavt.

Jesus selbst macht diesen Punkt deutlich: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist ein Knecht der Sünde“ (Joh 8,34). Der Apostel Paulus redet auch darüber, wie Sünde uns verknechtet (Röm 6,16–22).

Wenn wir ehrlich sind, können wir diese Wahrheit in unserer eigenen Erfahrung sehen. Ein Alkoholiker mag frei sein wollen, sich zu besaufen. Ein Drogenabhängiger mag Freiheit verlangen, Drogen zu nehmen. Aber Alkoholiker und Drogenabhängige sind nicht frei. Ihr Verlangen versklavt sie. Das gleiche gilt für Menschen, die abhängig sind von Pornografie oder gefesselt von einem anderen sexuellen Zwang. Wenn die Sünde vom Sünder seine Selbstachtung, sein Geld und seine Freude wegnimmt, mag der Sünder sogar aufhören wollen, was er tut. Aber er kann es nicht.

Auf einer bestimmten Ebene sind alle Sünden so. Wut beherrscht uns. Stolz hält uns davon ab, andere so zu behandeln, wie wir sollten. Stehlen, Lügen, Respektlosigkeit, Hass, usw. – Sie versklaven uns alle.

Obwohl wir lernen können, durch äußerliche Beschränkungen unsere schlimmsten Impulse zu kontrollieren – egal ob durch Scham, Furcht, Angst, überführt zu werden, oder Selbstdisziplin – Sünde lauert weiterhin in uns. Wir versuchen, unsere Willenskraft anzustrengen. Aber was ist, wenn das Problem genau bei unserem Willen liegt?

Luther sprach von der Verknechtung des menschlichen Willens

Luther schrieb ein Buch mit den Titel Vom unfreien Willen. Seine Kernaussage war, dass unser Wille in Knechtschaft unter der Sünde ist. Was wir tun wollen, wenn wir unseren tiefsten Wünschen folgen, ist, zu sündigen. Die Gesetze der Kirche und des Staates, unser Bewusstsein für die Konsequenzen, unser Gewissen und andere Beschränkungen unseres äußerlichen Verhaltens können eine soziale Ordnung voller sündhafter Menschen ermöglichen. Aber moralisch und geistlich gesehen, sind wir Sklaven der Sünde.

Aber nachdem Jesus davon geredet hatte, wie Sünder versklavt sind, gab er die gute Nachricht weiter: „Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so seid ihr wirklich frei“ (Joh 8,36).

Jesus, durch die Kraft seines Opfertods und seiner Auferstehung, setzt Sünder von der Knechtschaft der Sünde frei. Durch die Kraft des Heiligen Geistes im Evangelium werden wir freigemacht. Obwohl wir immer noch im Fleisch sind und mit der Sünde ringen mögen, sind wir frei von der Herrschaft der Sünde. In dem Ausmaß, wie wir im Glauben in Christus sind, brauchen wir nicht länger das äußerliche Gesetz, um uns auf Kurs zu halten. Wir tun freiwillig den Willen Gottes, nicht aus Zwang oder unter Drohung, sondern weil wir ihm wirklich gefallen wollen, und weil Gott uns wirklich liebt, lieben wir auch wirklich unsere Nächsten.

Luther schrieb auch ein Buch mit dem Titel Die Freiheit eines Christenmenschen. „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan“, schrieb er. Gleichzeitig „ist ein Christenmensch ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“.

Steht fest in der Freiheit

Im Evangelium ist der Christ geistlich frei: „Und das geschieht so, dass ein Christenmensch durch den Glauben so hoch über alle Dinge erhaben wird, dass er geistlich ein Herr über alle Dinge wird und es kann ihm kein Ding zur Seligkeit schaden. Ja, es muss ihm alles untertan sein und ihm helfen zur Seligkeit“. Und doch macht sich im christlichen Leben der Mann des Glaubens freiwillig seinem Nächsten zum Knecht. Luther schreibt:

„Darum soll ein Christenmensch wie Christus, sein Haupt sein, erfüllt und zufrieden, sich auch an seinem Glauben genügen lassen, diesen immer mehren, worin sein Leben, seine Gerechtigkeit und Seligkeit bestehen. Der gibt alles, was Christus und Gott hat, wie oben gesagt ist. Wie Paulus in Galater 1 sagt: ‚Was ich noch in diesem Körper lebe, das lebe ich in dem Glauben an Christus, Gottes Sohn.‘

„Luther sagte: Der Christ soll, da er ganz frei ist, sich umgekehrt bereitwillig zum Diener machen.“

 
Der Christenmensch soll, da er nun ganz frei ist, sich umgekehrt bereitwillig zum Diener machen, um seinem Nächsten zu helfen, mit ihm verfahren und ihn behandeln, wie Gott mit ihm durch Christus gehandelt hat – und das alles umsonst, nichts darin suchen als göttliches Wohlgefallen, und so dabei denken: Wohlan, mein Gott hat mir unwürdigem, verdammtem Menschen ohne alles Verdienst, rein umsonst und aus bloßer Barmherzigkeit durch und in Christus vollen Reichtum der Gerechtigkeit und Seligkeit gegeben, so dass ich weiterhin nicht mehr brauche als glauben, es sei so. Nun, so will ich einem solchen Vater, der mich mit seinen eigenen, überschwänglichen Gütern so überschüttet hat, umgekehrt frei, fröhlich und umsonst tu, was ihm wohlgefällt und meinem Nächsten auch ein Christ werde, wie Christus mit geworden ist, und nichts anderes tun, als nur das, was ich sehe, dass ihm nötig, nützlich und förderlich sei, weil ich ja durch meinen Glauben aller Dinge in Christus genug habe. Sieh, so fließt aus dem Glauben die Liebe und Lust zu Gott, und aus der Liebe ein freies, bereitwilliges, fröhliches Lebens, dem Nächsten umsonst zu dienen. Denn gleich wie unser Nächster Not leidet und unseres Überflusses bedarf, so haben wir vor Gott Not gelitten und seiner Gnade bedurft. Darum, wie uns Gott durch Christus umsonst geholfen hat, ebenso sollen wir durch unseren Leib und seine Werke nichts anderes tun als dem Nächsten zu helfen. Da sehen wir, um was für ein hohes edles Leben es sich beim christlichen Leben handelt, was leider derzeit in aller Welt nicht allein daniederliegt, sondern auch nicht mehr bekannt ist noch gepredigt wird.“

Die Bibel hebt die Freiheit hervor. „So steht nun fest in der Freiheit, zu der uns Christus befreit hat, und lasst euch nicht wieder in ein Joch der Knechtschaft spannen“, sagt der Apostel Paulus (Gal 5,1). Bemerkenswert ist, wie Christus uns „zur Freiheit“ befreit hat. Freiheit ist ein Ziel in sich selbst. Ferner ist Freiheit ein Zeichen der Gegenwart des Heiligen Geistes. „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2Kor 3,17).

Menschen, die Sklaven der Sünde sind, brauchen Gesetze, Vorgesetzte, Polizisten und Regierungskontrolle, um sie daran zu hindern, anderen zu schaden. Aber Menschen, die von der Sünde freigesetzt wurden, brauchen keine äußerliche Kontrolle ihres Verhaltens. Sie internalisieren das moralische Gesetz. Sie tun freiwillig – aus freien Stücken – was sie tun sollten. Sie regieren sich selbst, indem sie ihr eigenes Verhalten frei regeln; deshalb sind sie in der Lage, sich in einer freiheitlichen, politischen Ordnung selbst zu regieren.

Diese freiheitliche, politische Ordnung ist natürlich nicht nur für Christen und andere, die es durch äußerliche Mittel schaffen, ihr Verlangen zu kontrollieren, damit sie die Freiheit genießen können. Aber Gesetze – und Gefängnisse – werden immer noch notwendig sein für diejenigen, die sich weigern, sich selbst zu beherrschen. In der Zwischenzeit müssen diejenigen, die ihre Freiheit bewahren wollen, auf der Hut sein vor sowohl Tyrannen als auch ihrer eigenen Sünde.