Wenn das Gründen von Gemeinden töricht erscheint

Warum gründen wir eigentlich Gemeinden?

Artikel von C.J. Quartlbaum
12. Juli 2019 — 11 min Lesedauer

Wir Christen sind schon eine törichte Truppe.

Denk mal darüber nach: In einer geschäftigen, kurzlebigen Welt, wo es immer etwas zu tun gibt, wo wir ständig Druck verspüren, und wo Effizienz regiert, nehmen wir uns die Zeit, uns jeden Sonntag mit anderen zu versammeln. Wir singen, hören einer Predigt zu und verbringen extra Zeit mit Menschen nach dem Gottesdienst zum Mittagessen oder während der Woche.

In einer Welt, die Konsumismus predigt, und uns lehrt, dass Menschen insofern nützlich sind, wie sie uns voranbringen, streben wir nach Versöhnung mit denen, die uns etwas angetan haben. Wir lieben diejenigen, die wir nicht besonders mögen – ja, wir streben nach ihrem Wohl, selbst wenn es uns etwas kostet.

Für die Welt macht das keinen Sinn. Warum geben wir unseren kostbaren Sonntag auf, um zwei Stunden damit zu verbringen, altbackene Lieder zu singen und jemandem zuzuhören, der von einer historischen Persönlichkeit redet, die vor 2000 Jahren gestorben ist? Warum würden wir uns Zeit nehmen für Menschen, die wir gerade erst getroffen haben? Warum würden wir Freundschaften schließen mit Menschen, die uns keinen erkennbaren Mehrwert im Leben liefern?

Ja noch mehr, warum gründen wir immer noch mehr neue Gemeinden in einer Welt, die nichts mit Jesus zu tun haben will? Es macht einfach keinen Sinn. Es ist töricht.

Torheit vs. Kraft

Die Welt hat Recht. Unsere Botschaft ist töricht, wenn man nicht die Ohren hat, sie zu hören. Gemeinden zu gründen in einer Welt, die sie nicht haben will, scheint töricht zu sein. Aber in Wirklichkeit ist es eine Möglichkeit, die Kraft Gottes am Werk zu sehen. „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft“ (1Kor 1,18).

Dieses Werk beinhaltet Anfechtungen. Wenn du eine Gemeinde gründest, wird es unzweifelhaft Menschen geben, die sehen wollen, wie du scheiterst. Manche werden sich dem Evangelium direkt in den Weg stellen. Andere werden denken, dass das, was du tust, töricht ist.

Bei unserer Gemeinde in Brooklyn hatten wir Nachbarn, die uns und unsere Gemeindemitglieder verleumdeten, indem sie Dinge behaupteten, die nicht stimmten, in der Hoffnung, uns gehen zu sehen. Wir rangen darum, ein neues Heim für unsere Gemeinde zu finden, weil viele am Ort gern unser Geld annehmen wollten, aber nicht unsere Botschaft.

Außerdem versuchten wir, einem Obdachlosenheim und einer Suppenküche zu dienen, nur um Widerstand zu erfahren, als sie herausfanden, was wir glauben. Menschen waren bereit, unsere Barmherzigkeit und soziale Gerechtigkeit anzunehmen, aber nicht unseren Grund dafür.

Klein, aber mächtig

Diese törichte Botschaft an schwierigen Orten zu predigen, wird oft langsames Wachstum mit sich bringen. Obwohl Gemeinde-“Erfolg“ nicht daran gemessen werden kann, wie viele Menschen am Sonntag zum Gottesdienst kommen, wollen wir dennoch, dass so viele Menschen wie möglich das Evangelium hören.

In unserem Kontext träumen wir davon, dass das Evangelium in Brooklyn regiert, wie im Himmel. Während wir uns unserem fünften Geburtstag nähern, sind wir immer noch eine kleine Gemeinde (knapp unter 200 Mitgliedern). Das kann sich manchmal entmutigend anfühlen. Und die Welt möchte uns glauben machen, dass unsere Zahlen gleichbedeutend sind mit Scheitern.

Aber eine kleine Gemeinde strahlt genauso das Licht des Evangeliums aus. Und ein kleines, töricht-aussehendes Licht hat die Macht, die tiefste Dunkelheit zu durchbrechen. Gott hat unsere törichte kleine Gemeinde gebraucht, um genau das in unserer Stadt zu tun. In unserem kurzen Leben haben wir miterlebt, wie neue Gläubige getauft, Ehen wiederhergestellt, die Obdachlosen gekleidet, die Hungrigen gespeist, Kindern sichere Heimstätten gegeben wurden und vieles mehr.

Gelobt sei Gott, dass er das Törichte gebraucht, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache, um die Starken zuschanden zu machen (1Kor 1,27).

Wenn du Widerstand erfährst, wenn es so aussieht, als ob du keine Zeit hast, um Luft zu holen, gib nicht auf. Schlage Wurzeln in der Wahrheit. Die Kraft des Evangeliums befähigt dich, festzustehen. Wenn du das tust, zeigst du der Welt etwas, das sie nicht verstehen kann.

Das umgekehrte Reich

Die Welt sehnt sich danach, in einer echten Gemeinschaft zu sein, wirklich erkannt und wirklich geliebt zu werden. Sie blickt auf uns und sieht diese Liebe. Sie sieht die Art und Weise, wie wir füreinander einstehen und umeinander ringen, mit all unseren Makeln.

In einer Welt, die ein Evangelium von „sei dir selbst treu“ predigt, ist die Gemeinde voll von Menschen, die für sich selbst sterben. Möge das unser Evangeliumszeugnis sein. Möge die Welt uns sehen und unsere Liebe füreinander, und dadurch erkennen, wem wir gehören (Joh 13,35).

Die Welt bietet uns alle möglichen Vereine und Organisationen an, um Menschen zusammenzubringen. Als Beispiel kann man sich jede Turnhalle im Land ansehen. Dort findet man Menschen, die ein Team bilden, um gegen andere Fußball zu spielen.

Für die Zeit des Spiels ist das Team eine Einheit, die zusammenarbeitet und einem gemeinsamen Ziel zustrebt. Aber wenn das Spiel vorbei ist, gehen wir unsere getrennten Wege. Der kleine Ball mag Menschen für ein kurzes Fußballspiel zusammenbringen, aber er ist nicht genug, um sie durch Meinungsverschiedenheiten, Schmerz oder Leid, das das Leben mit sich bringt, hindurchzutragen.

Eine Gemeinschaft, die durch die Torheit des Kreuzes gebildet wird, ist alles andere als zeitbedingt und abhängig. Die Gemeinde ist gegründet auf die bedingungslose Liebe Gottes im Evangelium. Und das macht die Gemeinschaft der Gemeinde, und damit Gemeindegründung, unaufhaltsam.

Egal wieviel Widerstand wir bei der Gemeindegründung erfahren; die Botschaft, dass Christus gekommen ist, um Sünder zu retten, kann nicht zum Schweigen gebracht werden. Nero dachte, dass er das mit den Christen in Rom machen könnte, und tyrannische Regierungen versuchen es im Moment überall auf der Welt. Aber der Evangeliumssamen, der inmitten von Verfolgung ausgestreut wird, kann eine reichhaltige Ernte einbringen.

Die Kirche hat eine lange, reiche und wunderschöne Geschichte von törichten Menschen, die zusammen in der Kraft Gottes wandeln, um diese Welt zu verändern. Wenn wir Gemeinden gründen, haben wir das Privileg, diese Geschichte weiterzuführen bis Christus wiederkommt.

Lass die Welt uns töricht nennen. Lass sie sich unseren Kirchen entgegenstellen. Wir wissen, wer der König ist, und eines Tages werden sie das auch.