Drei Ziele und drei Widersacher der Gemeindegründung

Artikel von Adam Ramsey
7. Juni 2019 — 13 min Lesedauer

Wenn wir eine Gemeindegründung beginnen oder einen pastoralen Dienst, haben wir einen Traum. Eine auf Gebet gestützte Menge an Zielen, die Gott ehren sollen, denen gegenüber sich die Gemeinde verpflichtet und was sie einmal werden soll. Aber haben wir eine genauso klare Menge an Zielen, wer wir werden sollen, während wir uns der Arbeit am Evangelium widmen?

In Philipper 3,10 spricht Paulus ein dreifältiges Gebet, welches das Herz eines jeden Pastors und Gemeindegründers prägen sollte: „Mein Ziel ist, Ihn zu erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden“. Seitdem wir unsere Gemeinde gegründet haben, ist dieser Vers ein innerer Kompass gewesen – der mein Herz immer wieder auf das ausrichtet, was wirklich zählt. Ich habe ihn gebraucht, um drei Ziele zu identifizieren:

  1. Christus zu erkennen.
  2. Täglich in der Kraft seiner Auferstehung zu wandeln.
  3. Leiden um des Evangeliums willen freudig anzunehmen.

Aber, wie es oft bei edlen Zielen und würdigen Bemühungen der Fall ist, sollten wir nicht erwarten, dass alles einfach wird. Auf dem Weg zu jedem dieser vom Geist befähigten Ziele liegt ein ernstzunehmender, fleischlicher Widersacher. Eine dämonische Ablenkung. Eine glaubwürdige Lüge. Hier sind drei solcher Widersacher:

  1. Geschäftigkeit im Dienst.
  2. Vertrauen auf sich selbst.
  3. Weltliche Bequemlichkeit.

Der gemeinsame Nenner dieser drei Widersacher ist Tücke. Oberflächlich gesehen erscheinen sie harmlos, vielleicht sogar tugendhaft. Aber wie die Sirenen bei Odysseus sind sie nichts anderes als Monster, die sich als Schönheiten ausgeben, und unter denen zahllose Schiffbrüchige im Dienst liegen, die dachten, dass sie in Richtung Erfolg segelten.

Egal, ob wir uns darauf vorbereiten, eine Gemeinde zu gründen oder ausgesandt zu werden, ob wir gerade den Lauf beginnen oder die Ziellinie in Sicht haben, möge das Bewusstsein dieser drei Widersacher unsere Augen ausrichten – und die drei Ziele anzuwenden unseren Lauf befähigen – während wir dem Ziel nachjagen.

Ihn zu erkennen

In seinem Buch True Spirituality beschreibt Francis Schaeffer das christliche Leben als eine „persönliche Gemeinschaft Moment für Moment mit Gott selbst“. Diese Sehnsucht kennzeichnete das Leben von David:

O Gott, du bist mein Gott; früh suche ich dich! Meine Seele dürstet nach dir; mein Fleisch schmachtet nach dir. (Ps 63,2)

Das ist es, was Paulus meint, wenn er sagt: „Mein Ziel ist es, Ihn zu erkennen“ (Phil 3,10). Und doch ist es leider möglich, beschäftigt damit zu sein, Dinge für Jesus zu tun, in der Nähe von Jesus zu sein, und doch Jesus nicht wirklich zu erkennen (Mt 7,23). Das war die Tragödie von Judas Ischariot.

Während du also deine Gemeinde gründest, hüte dich vor geistlichem Beschäftigtsein, das arbeitet und schwitzt und dient, aber nicht in Christus bleibt. Lukas 10,40, wo Jesus Martha sanft zurechtweist, dass sie sich „viel zu schaffen machte mit der Bedienung“, sollte sich jeder hinter die Ohren schreiben, der er es liebt „Dinge für Jesus zu tun“.

Das ist besonders wichtig für uns, die wir regelmäßig Gottes Wort predigen und lehren. Eine der verbreitetsten (wenngleich verborgensten) Tragödien unserer Zeit ist die große Zahl an Pastoren, die in der Küche von Gottes Wort arbeiten, um geistliche Mahlzeiten für andere vorzubereiten, während ihre eigene Seele langsam verhungert.

Wie ein Gemeindegründungskollege einmal zu mir sagte: „Ich möchte als ein Mann predigen, der nicht nur in der Bibelschule war, sondern der in der Gegenwart von Jesus gesessen hat“.

Wandle täglich in der Kraft seiner Auferstehung

Paulus betete beständig für Kraft. Das Neue Testament spricht klar darüber, dass normales Christentum nicht nur vom Reden gekennzeichnet ist, sondern von Kraft (1Kor 4,20). Paulus brauchte Kraft:

  • um das Evangelium weiterzugeben (Apg 4,33)
  • zum Dienst (Kol 1,28)
  • um in der Hoffnung überzuströmen (Röm 15,13)
  • für geistliches Wachstum (2Kor 3,18)
  • um auszuharren (Kol 1,11)
  • um die Leiden für das Evangelium zu ertragen (2Tim 1,8)
  • um mit dämonischen Geistern fertig zu werden (Lk 10,17)
  • um jedem Umstand im Leben begegnen zu können (Phil 4,11-13)
  • um die Realität der Einheit mit Christus zu verstehen (Eph 3,16-17).

Angesichts des Ausmaßes unserer Not macht Selbstvertrauen – die große Tugend des westlichen Individualismus – überhaupt keinen Sinn. Es ist eine tödliche und geheime Form von Stolz, die entweder aus falschen Vorstellungen über unsere Gaben oder aus Ungeduld über Gottes Timing fließt.

Für viele christliche Leiter ist der größte Indikator für Stolz im Herzen nicht das Dasein von Angeberei, sondern die Abwesenheit des Gebets. Wenn wir auf unsere Begabungen vertrauen, können wir genauso gut versuchen, auf einem Paragleiter zum Mond zu fliegen. Er mag für eine Weile fliegen. Aber er wird irgendwann abstürzen.

Als wir unsere Gemeinde gründeten, erkannte ich meine Neigung zu Rhythmen in meinem Dienst, die von meinen Begabungen statt von einem Bewusstsein der geistlichen Armut geprägt waren, in die Jesus es liebt, seine Kraft zu gießen (2Kor 12,9). Wie leicht ist es doch, Dienststrategien zu planen und auszuführen, die Gottes Segen unterstellen, statt aus betender Abhängigkeit heraus zu dienen. Also frage ich mich beständig: Offenbart die Art und Weise, wie ich diese Woche angehe, ein betendes Bewusstsein für und eine Abhängigkeit von der Kraft des Heiligen Geistes?

Gebet ist das von Gott souverän verordnete Mittel, um meine niemals endende Bedürftigkeit mit seiner niemals endenden Kraft zu verbinden. Corrie ten Boom drückte es gut aus: „Zu versuchen, das Werk des Herrn in deiner eigenen Kraft zu tun, ist die verwirrenste, ermattendste und anstrengendste Arbeit. Aber wenn du mit dem Heiligen Geist erfüllt bist, fließt der Dienst von Jesus aus dir heraus“.

Nimm Leiden um des Evangeliums willen freudig an

Eines der erstaunlichsten Dinge bei Paulus ist, dass er niemals überrascht schien von Leid. Gleichermaßen muss jeder Gemeindegründer wissen, dass Schmerz genauso normal ist für den christlichen Dienst wie die Schwerkraft für unser irdisches Leben; sie hält unsere Füße auf dem Boden.

Wenn sich Erfolg und Wohlstand mehren, neigen wir dazu, die Kosten der Nachfolge zu vergessen (Mk 8,34-36). Es braucht nur ein wenig Erfolg, um davon verführt zu werden. Um aufzuhören, Risiken einzugehen und um anzufangen, nach innen zu blicken. Um zufrieden zu sein mit einem regelmäßigen Gehalt und sich damit zu begnügen, in Sicherheit zu sein.

Lasst uns durch die Kraft des Geistes Nein sagen zu einem Entscheidungsrahmen, der von dem Götzendienst der uns umgebenden Kultur für Bequemlichkeit angetrieben ist, statt vom Kreuz. Was wäre, wenn es uns nicht überraschen würde, wenn wir Schwierigkeiten im Dienst haben? Was wäre, wenn wir unsere niedrige Stellung akzeptieren würden als „Kehricht der Welt und Abschaum aller“ (1Kor 4,13) – weil wir vollkommen sicher sind in unserem ewigen Heil (Eph 2,6)?

Wenn das Evangelium wahr ist; wenn Christus auf dem Thron sitzt; wenn der gleiche Geist, der ihn aus dem Grab auferweckte, wirklich mit dir und in dir ist und dich befähigt; dann übertreffen deine Ressourcen zum Dienst bei weitem deine Probleme. In Christus bist du reich beladen. Du hast mehr geistliche Kraft zur Verfügung als geistliche Probleme, die auf dich einströmen, egal wie dunkel der Tag ist.