Älteste für die Gemeinde

Was genau sagt die Bibel dazu?

Artikel von Phil Newton
26. Mai 2019 — 11 min Lesedauer

Im Laufe des letzten Jahrzehnts habe ich mit vielen Christen über das Thema Älteste geredet. Manche wollen aus Verzweiflung gestörte Gemeindeleitungsstrukturen verändern. Andere haben es satt, die biblische Lehre über Älteste nicht umzusetzen. Manche sehnen sich danach, Leitung durch Älteste in ihrer Gemeinde einzuführen, sind sich aber bewusst, dass viele in der Gemeinde sich dem widersetzen werden. Ein Missionsleiter sagte mir, dass eine Leitung durch Älteste ein wichtiges Thema in seiner Region sei, da die Einwohner, die kirchliche Traditionen und Argumente gegen Leitung durch Älteste nicht kannten, es so in der Schrift sahen und gehorchen wollten.

Christus gab der Gemeinde Leitung durch Älteste zu ihrem Wachstum, ihrer Entwicklung und Einheit. Aber Tradition wiegt oft schwerer als biblische Anordnungen für diejenigen, die sich der Leitung durch Älteste verweigern. Andere haben Älteste, vernachlässigen es aber, die biblischen Standards auf sie anzuwenden. Der Brief von Paulus an Titus bietet große Hilfe in beiden Bereichen (Tit 1,5–9).

Erstens, Leitung durch Älteste ist die Norm für jede Gemeinde: „… damit du … in jeder Stadt Älteste einsetzt, so wie ich dir die Anweisung gegeben habe“. „Älteste“ steht im Plural und „in jeder Stadt“ steht im Singular. Das weist auf eine Mehrzahl an Ältesten hin, die jeder Gemeinde auf Kreta dienten (Tit 1,5). Jede Bezugnahme auf Älteste in der Ortsgemeinde weist auf eine Mehrzahl als neutestamentliche Praxis hin (siehe Apg 14,23; 15,22; 20,17). Der Grund von Paulus für eine Mehrzahl an Ältesten selbst in kleinen Gemeinden macht Sinn. Es schafft Rechenschaft, Unterstützung, Ermutigung, größere Weisheit und eine Verschiedenheit an Gaben, um den Dienst effektiver zu machen.

Zweitens, Älteste sind notwendig für die richtige Ordnung der Gemeinde. Titus sollte „das, was noch mangelt, in Ordnung bringen“ (Tit 1,5). Das würde bedingen, „in jeder Stadt Älteste einzusetzen“. Älteste sollten das fortwährende Werk der Gemeindereformation betreiben. Was musste reformiert werden? Gerissene Lehrer, die Paulus „leere Schwätzer und Verführer“ nannte, brachten ganze Häuser durcheinander „mit ihrem ungehörigen Lehren um schändlichen Gewinnes willen“ (Tit 1,10–11). Älteste müssen falsche Lehre berichtigen, falsche Lehrer ausweisen und immer wieder die Genugsamkeit des Evangeliums betonen. Manche kretische Christen verhielten sich wie „Kreter“ und nicht wie Christen! „Die Kreter sind von jeher Lügner, böse Tiere, faule Bäuche!" (Tit 1,12) Die Ältesten müssen die richtige Anwendung von Gesetz und Evangelium auf das tägliche Leben lehren, biblisches Leben vormachen und wenn notwendig, Gemeindezucht praktizieren. Noch andere wandten sich von der Wahrheit ab, indem sie auf „jüdische Legenden und Gebote von Menschen“ achteten. Dadurch befleckten sie sowohl ihre Gesinnung als auch ihr Gewissen (Tit 1,14–15). Die Ältesten müssen das Werkzeug sein, um das, was noch mangelt, durch gesunde Lehre und ein gottesfürchtiges Leben in Ordnung zu bringen.

Drittens, Älteste geben der Gemeinde ein Vorbild in ihrer Familie, ihrem persönlichen Verhalten und in ihren Beziehungen (Tit 1,6–8). Ein Ältester muss „Mann einer Frau“ sein, der ganz seiner Frau geweiht ist und sie so zu lieben versucht, wie Christus die Gemeinde (Eph 5,25). Seine Kinder müssen „treu“ sein (siehe 1Tim 1,12.15; 3,1; 4,9; 2Tim 2,11.13; Tit 1,9; 3,8), „über die keine Klage wegen Ausschweifung oder Aufsässigkeit vorliegt“.

Im persönlichen Verhalten muss ein Ältester „untadelig“ sein, weil er „Gottes Haushalter“ ist oder ein Verwalter der Herde Gottes. Er muss in seinem Verhalten gewissenhaft sein und sich nicht auf Bereiche einlassen, die Christus oder das Evangelium in Misskredit bringen. Weiterhin darf er nicht „eigenmächtig oder jähzornig“ sein, damit er nicht auf anderen herumtrampelt durch eine schlechte Einstellung oder durch Wutausbrüche. Er darf nicht „der Trunkenheit ergeben sein, nicht gewalttätig, nicht nach schändlichem Gewinn strebend“, sondern muss Selbstbeherrschung in seinen Begierden, Reaktionen und Finanzen üben (Tit 1,7).

Der Älteste ist auch ein Vorbild in seinen Beziehungen, indem er „gastfreundlich“ ist, d.h. andere annimmt und mit ihnen Freundschaften schließt; „das Gute liebend“, indem er das bevorzugt, was am Besten ist; und „besonnen“, indem er den Kopf bewahrt, wenn Probleme auftauchen. In seinem Umgang mit anderen muss er „gerecht“ sein, in seiner persönlichen Frömmigkeit „heilig“ und in seinen natürlichen Impulsen „beherrscht“ (Tit 1,8). Er bleibt sich bewusst, dass er ein „Aufseher“ ist und kein Besitzer, ein Knecht und kein Herr (Tit 1,7). Genauso wie Jesus Christus kam, nicht um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (Mk 10,45), so muss Gottes Haushalter auch in der Gemeinde sein.

Schließlich unterscheidet sich der Hirtendienst der Ältesten von den Diakonen, indem Älteste fähig sein müssen, zu lehren (Tit 1,9; 1Tim 3,1–13). Älteste müssen das Wort Gottes beständig besser kennen lernen und auf sich persönlich anwenden: „Einer, der sich an das zuverlässige Wort hält, wie es der Lehre entspricht“. Sie leben und atmen das Evangelium, freuen sich daran, die Schrift zu studieren und ihr Verständnis der Lehre am Wort zu prüfen. Älteste müssen sich der lehrmäßigen Predigt verpflichten: „… damit er mit der gesunden Lehre ermahne“. Lehre ist für Älteste wichtig. Sie erkennen „gesunde Lehre“ als das Herz des biblischen Verständnisses an und als wesentlich für die Lebendigkeit der Gemeinde. Wenn gesunde Lehre vernachlässigt wird, kann die Gemeinde zwar immer noch eine äußerliche Form des Christentums haben, aber innerlich stirbt sie und gebiert alle Arten von Täuschung und Sünde. Älteste müssen bereit sein, diejenigen zurechtzuweisen, die gesunder Lehre widerstehen: „… auch die Widersprechenden zu überführen“. Keiner von uns weist gerne zurecht. Aber wenn das Evangelium auf dem Spiel steht, die Gesundheit und Einheit der Gemeinde oder wenn jemand vor einem geistlichen oder moralischen Abgrund steht, müssen sich Älteste dieser Herausforderung annehmen. Wie ein Sondereinsatzkommando müssen Älteste lehrmäßig bereitstehen, um jeder Gefahr zu begegnen, die den Leib Christi entzweien oder schädigen will (Tit 1,9).

Als Christi Gabe an die Gemeinde legen Älteste Wert auf Charakter, während sie sich auf die Reife und die Einheit der Gemeinde konzentrieren. Egal ob durch Leugnung oder durch Missbrauch, wenn wir den Plan Christi für Leitung durch Älteste vernachlässigen, entziehen wir der Gemeinde dieses unschätzbare Gut für ihre geistliche Gesundheit.