Vier Merkmale einer gesunden Gemeindemitgliedschaft

Artikel von William Boekestein
8. April 2019 — 11 min Lesedauer

Wenn Beziehungen zerbrechen, sind das oft die schlimmsten Zeiten im Leben einer christlichen Gemeinde. Wenn wir uns ungut von anderen Gliedern am Leib Christi trennen, können wir mit Robert E. Lee beim Tod von General Jackson sagen: „Ich habe meinen rechten Arm verloren“ (siehe 1Kor 12,25-26).

Oft, wenn jemand die Gemeinde verlässt, sind die Leiter, die das abschließende Gespräch führen, mit dem Gedanken konfrontiert: „Wenn wir nur früher darüber hätten sprechen können“.

Aber was ist, wenn wir das aufgreifen, was wir von solchen abschließenden Gesprächen lernen können, und uns mit Paulus fragen: „Wie sollten wir wandeln im Haus Gottes?“ (1Tim 3,15) Diejenigen, die ihr Vertrauen auf Christus setzen und Gott sowie ihren Nächsten lieben, müssen auch bestimmte Merkmale anstreben, die das Gemeindeleben für sie und andere stärken und bereichern werden.

1. Kommunikation

Gemeindemitglieder sind verpflichtet, die „gesunden Worte unseres Herrn Jesus Christus“ zu reden (1Tim 6,3). Wo dies nicht geschieht, ist es ein Anzeichen moralischen Verfalls (1Tim 5,12-13) und fast immer ein Vorzeichen für Probleme mit der Einheit der Gemeinde.

Unter anderem umfasst gesunde Kommunikation in der Gemeinde die Weigerung, zu tratschen. Im Gegensatz dazu, wie Christen manchmal über andere Gemeindemitglieder reden, schreibt Paulus über seine Mitstreiter im Evangelium mit lobenden Worten. Tychikus ist ein geliebter Bruder, treuer Diener und Mitknecht im Herrn. Epaphras ist ein eifriger Mitgefangener. Lukas ist der geliebte Arzt (Kol 4,7-14). Was würde in unseren Gemeinden passieren, wenn wir uns weigern würden, schlecht von anderen zu reden, trotz ihrer unbestreitbaren Mängel?

Die Worte Christi widerzuspiegeln verlangt auch, dass wir nicht zulassen, dass sich Probleme festsetzen. Oft, wenn Gemeindemitglieder endlich ihre Unzufriedenheit äußern, ist der Schaden schon unheilbar. Hätten sie früher geredet und länger ausgeharrt, hätten vielleicht viele Mängel behoben werden können.

Klare, direkte und frühzeitige Kommunikation in der Gemeinde kann einschüchternd sein. Aber Christen müssen ihre Anliegen zu ihren Mitchristen und zu den Leitern in der Gemeinde bringen, wie zu geliebten Vätern, Brüdern, Müttern oder Schwestern (1Tim 5,1-2), und dabei die Wahrheit in Liebe reden (Eph 4,15). Wir müssen glauben, dass die Gemeindefamilie sich ausreichend um die Verletzungen der anderen sorgt, um zuzuhören und angemessen zu reagieren.

2. Überzeugung

Für Paulus nährt gute Lehre, die von Herzen aufgenommen wird, die Seele (1Tim 1,10; 4,6.16). Lehre, die gemeinsam vertreten wird, eint auch Christen. Die historischen christlichen Glaubensbekenntnisse tun mehr, als nur die Schrift zusammenzufassen. Sie bieten auch einen einheitlichen Ausdruck des Glaubens für diejenigen, die vielleicht sonst wenig gemeinsam haben.

Bis Menschen biblische Überzeugungen über die Errettung, Anbetung und die Gemeinde (zum Beispiel) entwickeln, werden sie von jedem Wind der Lehre hin- und hergeworfen und durch die Anziehungskraft der nächstbesten Gemeinde kompromitiert. Und gewiss brauchen diese Überzeugungen Zeit, um sich herauszubilden. Vielen Menschen besuchen Gemeinden aus nichttheologischen Gründen. Sie mögen sich von der Webseite angesprochen fühlen oder von einem Freund eingeladen worden sein. Sie mögen die Gastfreundschaft, den Gesang oder die räumliche Nähe der Gemeinde schätzen. Aber aus diesen Gründen bleiben wenige Leute in der Gemeinde regelmäßige Besucher. Irgendwann können die „kulturellen Stärken“ einer Gemeinde ihre Anziehungskraft verlieren. Ein gemeinsames Glaubensbekenntnis hat eine stärkere Bindungskraft.

Aus diesem Grund müssen alle Christen lernen, wie Theologen zu denken. Nicht jeder wird schwierige theologische Werke lesen. Aber wir müssen alle wissen, was wir glauben und warum. Könntest du zwischen einem arminianischen und einem calvinistischen Konzept des Evangeliums unterscheiden? Hast du eine biblische Sicht auf die Glaubensbekenntnisse? Hast du eine gesunde Theologie der Anbetung?

3. Gemeinschaft

Eine Gemeinde, die nur durch räumliche Nähe zusammengehalten wird – oder sogar durch Theologie – wird niemals eine biblische Familie sein. Wenn Paulus über den richtigen Wandel im Haus Gottes redet (1Tim 3,15), dann ist das Haus, auf das er sich bezieht, nicht das Gemeindegebäude, sondern ein Haushalt, d.h. die neue Familie Gottes, die in Christus gegründet ist (Eph 2,19). Obwohl diese Familie schon ein lebendiger Organismus ist, müssen die Mitglieder dennoch lernen, zusammen zu leben. Wenn Paulus von der Bedeutung der Gastfreundschaft in der Gemeinde spricht (1Tim 3,2), dann ruft er die Gemeinde dazu auf, eine liebende, eng-verbundene Gemeinschaft zu sein, die sich dazu verpflichtet, Fremde aufzunehmen, die Füße der Heiligen zu waschen und den Leidtragenden zu helfen (1Tim 5,10).

Gemeinschaft aufzubauen verlangt, dass wir nicht von Erfahrungen aus der Vergangenheit beherrscht werden. Viele von uns sind enttäuscht worden in unseren Bemühungen, enge Beziehungen in der Gemeinde zu knüpfen. Vielen haben versucht, und es augenscheinlich nicht geschafft, den Pastor, die Ältesten und andere Gemeindemitglieder kennenzulernen. Lass nicht zu, dass eine unglückliche Vergangenheit deine zukünftigen Beziehungen in der Gemeinde bestimmt. Als Christus uns mit sich selbst versöhnte, gab er uns den Dienst der Versöhnung (2Kor 5,18). Diesen Dienst müssen wir fortwährend ausüben.

4. Genügsamkeit

Als er vor Streitigkeiten in der Gemeinde warnte, verkündigte Paulus diese Wahrheit: „Es ist allerdings die Gottesfurcht eine große Bereicherung, wenn sie mit Genügsamkeit verbunden wird“ (1Tim 6,6). Manche Menschen werden keine festen und dienenden Gemeindemitglieder, weil sie keine Genügsamkeit haben. Für gewöhnlich zeigt sich mangelnde Genügsamkeit darin, dass man sich zu sehr auf die Fehler der Gemeinde konzentriert und nicht bereit ist, konstruktiv zu einer besseren Zukunft beizutragen. Die Auswirkungen von unglücklichen, teilnahmslosen und kritischen Gemeindemitgliedern können zerstörerisch sein.

Die Gemeinde hat Flecken und Makel. Dein Pastor wird dich nicht so oft besuchen, wie du es dir wünschst, oder immer die Art von Predigten halten, die deine Familie möchte. Die Programme werden nicht all deine Bedürfnisse ansprechen. Die Musik wird nicht den Stil widerspiegeln, den du bevorzugst. Du wirst verletzt und enttäuscht werden. Aber Christus baut seine Gemeinde und er weiß genau, was er tut.

Der erste Schritt bei der Entwicklung einer gesunden Gemeindemitgliedschaft ist, dass wir Ruhe finden für unsere müden Seelen in demjenigen, der die Gemeinde baut (Mt 11,28-29). Nachdem er Genügsamkeit gelobt hat, ruft Paulus die Gläubigen dazu auf, die Erscheinung unseres Herrn Jesus zu bedenken (1Tim 6,14). Auch wenn er tiefe Kämpfe hat, spricht Paulus von dem Reichtum der Gnade Gottes (1Tim 1,14). Mit Gnade für das hier und jetzt und mit Hoffnung für morgen kann jeder von uns danach streben, christusähnlicher in unserem Wandel im Haus Gottes zu werden.