Das Herzstück von Gottes Rettungsplan

Artikel von Steven J. Lawson
8. März 2019 — 12 min Lesedauer

Die Lehren der Gnade sind ein zusammenhängendes, theologisches System, in dem die Souveränität Gottes in der Errettung von erwählten Sündern klar zum Ausdruck kommt. Es wird nicht nur anerkannt, dass Gott über die ganze menschliche Geschichte herrscht, vom Kleinsten bis zum Größten, sondern er wird auch als souverän erachtet im Verteilen seiner rettenden Gnade. Vom 1. Buch Mose bis zur Offenbarung wird Gott in der Bibel ausdrücklich als souverän darin dargestellt, wie er seine Barmherzigkeit zuteilwerden lässt. Es wird davon gesprochen, wie er vor Grundlegung der Welt diejenigen erwählte, die er retten wollte, und sie dann in der Zeit wirklich erlöste.

Der Apostel Paulus verkündigte offen die souveräne Gnade Gottes in der Errettung des Menschen. Er schrieb, dass Gott von aller Ewigkeit her entschied und plante, gewisse Sünder loszukaufen. Zu erwählen heißt, auszuwählen, und Gott wählte aus, wer errettet werden würde. Paulus schrieb: „Denn zu Mose spricht er: ‚Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig, und über wen ich mich erbarme, über den erbarme ich mich‘. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen“ (Röm 9,15-16). Das heißt, Gott entscheidet, wen er retten will, um seine Herrlichkeit zu zeigen: „Wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe. Er hat uns vorherbestimmt zur Sohnschaft für sich selbst durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1,4-5); „Wir wissen ja, von Gott geliebte Brüder, um eure Auserwählung“ (1Thess 1,4); „Wir aber sind es Gott schuldig, allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang an zur Errettung erwählt hat in der Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit“ (2Thess 2,13); Gott „hat uns ja errettet und berufen mit einem heiligen Ruf, nicht aufgrund unserer Werke, sondern aufgrund seines eigenen Vorsatzes und der Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten gegeben wurde“ (2Tim 1,9); und „Paulus, Knecht Gottes und Apostel Jesu Christi, gemäß dem Glauben der Auserwählten Gottes“ (Tit 1,1).

Die Apostel Petrus und Johannes lehrten genau die gleiche oberste Autorität Gottes in der Errettung seiner Erwählten. Petrus schrieb: „Petrus, Apostel Jesu Christi, an die Fremdlinge in der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kappadozien, Asia und Bithynien, die auserwählt sind gemäß der Vorsehung Gottes, des Vaters“ (1Petr 1,1-2); und „…darum, Brüder, seid umso eifriger bestrebt, eure Berufung und Auserwählung fest zu machen; denn wenn ihr diese Dinge tut, werdet ihr niemals zu Fall kommen“ (2Petr 1,10). Der Apostel Johannes schrieb: „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist“ (Offb 17,8).

In diesem theologischen System ist die Herrlichkeit Gottes zentral. Wie sich jeder Planet um die strahlende Sonne dreht, so rotiert jede Wahrheit der souveränen Gnade um diesen einen Fixpunkt – die Herrlichkeit Gottes. Die unübertroffene Vorherrschaft Gottes ist der Mittelpunkt dieses theologischen Universums. Dass Gott das höchste Objekt des Lobes in der Zurschaustellung seiner Gnade sein muss, ist das, was dieses Sonnensystem der Wahrheit antreibt. Wie der Kompass immer nach Norden weist, so weisen die Lehren der Gnade immer nach oben, zu den erhabenen Höhen der Herrlichkeit Gottes.

Was ist Gottes Herrlichkeit? Die Bibel redet von der Herrlichkeit Gottes auf zwei grundlegende Weisen: Erstens, es gibt eine intrinsische Herrlichkeit Gottes, die die Summe all seiner göttlichen Vollkommenheiten und Eigenschaften ist. Sie macht aus, wer Gott ist – seine unendliche Größe. Herrlichkeit bedeutet im alttestamentlichen Wort kabod ursprünglich „Gewicht“ oder „Bedeutung“. Es spiegelte die erstaunliche Pracht bestimmter Gegenstände wider, wie die strahlende Sonne oder die Majestät, die von einem König ausgestrahlt wird. In der Folge wurde Herrlichkeit gebraucht, um die großartige Pracht und die furchteinflößende Ausstrahlung Gottes zu bezeichnen, wie sie dem Menschen offenbart wurde. Im Neuen Testament ist das Wort für „Herrlichkeit“ doxa, was bedeutet, eine „Meinung“ oder eine „Einschätzung“ über etwas zu haben. Wenn es über jemandes Ruf gebraucht wird, bedeutet es „Wichtigkeit“, „Größe“, „Bekanntheit“ oder „Bedeutung“. Gottes intrinsische Herrlichkeit ist die Offenbarung der Größe seiner göttlichen Eigenschaften gegenüber seinen Geschöpfen. Sie umfasst Gottes Größe und Pracht, die sich Sündern darstellt, besonders in der Errettung des Menschen aus der Sünde. Niemand kann etwas zur intrinsischen Herrlichkeit Gottes hinzufügen. Gott ist, wer er ist, niemals abnehmend, niemals zunehmend, immer der gleiche, der souveräne Herrscher, allwissend, allmächtig, allgegenwärtig, immer wahr, immer weise, immer liebend, Gnade schenkend, barmherzig, gerecht und zornig. Es ist diese intrinsische Herrlichkeit, die Gott gerne seinen Geschöpfen bekanntmacht.

Zweitens, die Bibel redet auch von der zugeschriebenen Herrlichkeit Gottes oder einer Herrlichkeit, die ihm gegeben wird. Doxa hat auch mit dem Ausdruck des Lobpreises an Gott zu tun, der auf der Offenbarung seiner erhabenen Majestät gründet. Die einzige richtige Reaktion auf die Zurschaustellung von Gottes Vollkommenheiten muss sein, ihm Herrlichkeit zu geben. Der Mensch muss den Lobpreis bringen, der dem Namen Gottes zukommt. Der Mensch muss die Anbetung bringen, die ausschließlich Gott gebührt. Die Zurschaustellung der intrinsischen Herrlichkeit Gottes führt dazu, dass der Mensch zugeschriebene Herrlichkeit an Gott gibt. Je mehr der Mensch die intrinsische Herrlichkeit Gottes in der Errettung erblickt, desto mehr schreibt er Gott Herrlichkeit zu.

Das ist also das Herzstück von Gottes Rettungsplan im Universum – die Offenbarung und der Lobpreis seiner eigenen Herrlichkeit. Das steht im Zentrum von Gottes Wesen – das leidenschaftliche Streben, seine eigene Herrlichkeit darzustellen, damit ihm alle Herrlichkeit zugeschrieben wird. Das sollte auch im Zentrum jedes menschlichen Lebens stehen – die Förderung der Herrlichkeit Gottes, das heißt, seine Herrlichkeit zu sehen und zu verehren. Das ist die Hauptsache in der Errettung jedes verlorenen Sünders – die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes, damit Sünder sich in der Herrlichkeit Gottes freuen mögen. Kein Wunder, dass Paulus schreibt: „Denn von ihm und durch ihn und für ihn sind alle Dinge; ihm sei die Ehre in Ewigkeit! Amen“ (Röm 11,36).