Warum die Bibel nicht sexistisch ist

Artikel von Adriel Sanchez und Michael Horton
20. Dezember 2018 — 5 Min Lesedauer

Das Bild Gottes = männlich + weiblich

Es stimmt nicht, dass Gott Frauen weniger liebt als Männer, vor allem nicht, wenn man die heidnischen Sichtweisen auf Frauen vergleicht; die Bibel ist in diesem Bezug völlig anders. Erstens, schau auf die Tatsache, dass Gott in der Schöpfung sprach: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“ (1Mose 2,18). In der antiken Welt außerhalb Israels hatten Frauen diese Stellung nicht. Frauen wurden in der Antike wie Eigentum erachtet, nicht aber in der Bibel. Hier, in 1. Mose, wird Adam ohne Eva als unvollständig gesehen. Kein anderes Geschöpf konnte ihm genügen, bis Gott Eva erschuf – nicht aus Adams Füßen, wohlgemerkt, sondern aus seiner Rippe. Die Geschichte unterstreicht dies in 1. Mose 1,26–27: „Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen nach unserem Bild, uns ähnlich; die sollen herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde, auch über alles Gewürm, das auf der Erde kriecht! Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bild Gottes schuf er ihn; als Mann und Frau schuf er sie.“ Bemerke, dass hier der Mensch, der im Bilde Gottes geschaffen wurde, sowohl männlich als auch weiblich ist.

„Bemerke, dass hier der Mensch, der im Bilde Gottes geschaffen wurde, sowohl männlich als auch weiblich ist.“
 

Dann im direkt anschließenden Vers: „Und Gott segnete sie; und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehrt euch und füllt die Erde und macht sie euch untertan; und herrscht über die Fische im Meer und über die Vögel des Himmels und über alles Lebendige, das sich regt auf der Erde!“ (1Mose 1, 28). Eva wurde diese Herrschaft zusammen mit Adam gegeben. Sie war ein ebenbürtiges menschliches Wesen.

Sie wurde gleichermaßen nach dem Bild Gottes geschaffen, und selbst im Bericht des Sündenfalls in 1. Mose 3 spielt sie eine wichtige Rolle. Sie ist mittendrin im ganzen Geschehen. Tatsächlich ist sie nicht die erste Person, die der Versuchung der Sünde erlegen ist. Wir lesen in 1. Mose 3,6: „Und sie gab davon auch ihrem Mann, der bei ihr war.“ Wir überlesen dieses Detail oft, aber es ist wichtig. Adam war die ganze Zeit bei ihr, während sie vom Satan versucht wurde, und er hat keinen Laut von sich gegeben.

Nach dem Sündenfall verheißt Gott, dass der Messias aus dem Nachkommen der Frau hervorgehen wird. Die Bibel zeigt wieder und wieder, dass Gott sich um Frauen sorgt. Selbst Hagar: Er stand ihr bei und sorgte für sie, selbst als er sie in 1. Mose 21 mit Ismael aus der Familie Abrahams fortsandte. Er verhieß ihr einen Sohn, der der Vater einer großen Nation sein würde.

Beispiele für Gottes Liebe für Frauen

Gott zeigt immer wieder in vielen Geschichten seine Fürsorge und Liebe für Frauen. Tamar in 1. Mose 38; Rahab – sieh dir ihre bedeutende Rolle an. Sie wird sogar im Matthäusevangelium im Geschlechtsregister von Jesus erwähnt. Debora war eine Richterin. Naomi und Ruth und die ganze Beziehung zwischen den beiden. Starke Frauen, stark im Glauben, mit einem starken Charakter.

Aber, was am allerwichtigsten ist, Gott liebte sie und Gott gebrauchte sie mächtig in der Heilsgeschichte. Hanna ist eine wichtige Figur in dieser Geschichte. Lies 1. Samuel 1,1–21. Das wird dein Herz schmelzen lassen, wenn du darüber nachdenkst, wie Gott Frauen liebt und sich um sie in ihren Nöten sorgt. Abigail, Ester; die reine Tatsache, dass die Gemeinde die Braut Christi ist.

Jesus liebte Frauen

Schau auf die Rolle, die Martha und Maria im Dienst von Jesus haben (Joh 11). Die Tatsache, dass Jesus mit der samaritischen Frau spricht (Joh 4,10–30). Sie ist nicht nur eine Samariterin, sondern auch eine Frau. Ein Rabbi redete niemals mit einer Frau. Frauen waren niemals Jünger von Rabbis, und doch bringt Jesus Frauen in den Zirkel seiner Jünger und macht sie sogar zu den ersten Zeugen seiner Auferstehung.

„Wir sehen nicht nur, dass Gott Frauen liebt, sondern dass er sie im Besonderen liebt.“

Viele Menschen wissen das nicht, aber im Alten Testament gibt es ein ganzes Motiv, bei dem ein Mann im heiratsfähigen Alter eine Frau im heiratsfähigen Alter an einem Brunnen trifft. Das ist der Ort, wo man hinging, um eine Ehefrau zu finden. Im Kontext des Johannesevangeliums, vor der Begegnung mit der samaritischen Frau, hatte Johannes der Täufer in Johannes 4 gerade erst über den Christus gesprochen, der gekommen ist und eine Braut hat; dann trifft Jesus diese Frau an einem Brunnen. Er geht seiner Braut nach. Er sucht nach ihr. Wir sehen nicht nur, dass Gott Frauen liebt, sondern dass er sie im Besonderen liebt. Ich denke, dass dies eine der Dinge ist, mit denen wir als Gläubige oft zu kämpfen haben. Nicht nur, dass Gott Liebe ist, sondern dass Gott mich liebt.

„Gottes Liebe ist nicht nur allgemein und irgendwo da draußen. Sie ist für dich.“
 

In den Evangelien sehen wir, wenn wir Gott sehen, wie Jesus bestimmte Frauen liebt, und zwar nicht auf der Grundlage ihrer Vollkommenheit. Denk an die Frau am Brunnen: Sie war mit all diesen anderen Männern zusammen. Sie hatte ein schwieriges Leben, und doch geht er zu ihr und will sie in seine Familie aufnehmen. Er will sie zu einem Teil seiner Braut machen – der Braut Christi. Gottes Liebe ist nicht nur allgemein und irgendwo da draußen. Sie ist für dich. Sie ist für bestimmte Menschen.

Und das ist einer der Gründe, warum der Herr das Abendmahl eingesetzt hat. Wir hören das Evangelium verkündigt und es gilt allen von uns. Das ist: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, so will ich euch erquicken!“ (Mt 11,28). „Denn so [sehr] hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“ (Joh 3,16). Aber ich kann mich immer noch fragen: Ja, aber gilt das auch mir? Und dann komme ich zum Abendmahl und Jesus sagt mir durch die Lippen des Pastors in den Einsetzungsworten: „Das ist mein Leib, der für dich gebrochen worden ist. Das ist mein Blut, das für dich vergossen worden ist.“ Wenn sie zum Abendmahl kommt, soll sie erkennen, dass Jesus sich selbst für sie hingibt, ja sich ihr hingibt als ihr größtes Geschenk.