Gibt es zwei Arten von Christen?

Warum die Trennung von Rettung und Nachfolge falsch ist

Artikel von Grant Castleberry
25. Oktober 2019 — 5 min Lesedauer

Christ, aber nicht Jünger?

Vor ein paar Jahren entschieden sich einige Gemeinden in dem Landkreis, in dem ich als Assistenzpastor diene, zusammenzuarbeiten, um eine evangelistische Veranstaltungen zu organisieren. Ich half dabei, das Gremium zu leiten, das die Veranstaltungen organisierte, und wir entschieden uns früh, einen bekannten Radioprediger als Evangelisten einzuladen. Als der Abend der ersten Veranstaltung kam, erschienen mehrere tausend Menschen. Ich werde nie die Einladung des Predigers am Ende seiner Predigt vergessen. Zunächst lud er alle ein, die Jesus als Retter vertraut hatten, nach vorn zu kommen. Etwa dreißig bis vierzig Menschen traten nach vorn. Dann sagte er etwas, das mich überraschte. Er lud alle ein, die Christen waren, aber noch nie Jünger Jesu Christi geworden waren, nach vorn zu kommen. Ich staunte, als viele Gläubige, sogar manche, die ich gut kannte, nach vorn kamen und dachten, dass sie in diesem bedeutenden Moment zum allerersten Mal Jünger Jesu Christi wurden.

Diese zweite Einladung beunruhigte mich. Der Prediger lehrte im Grunde, dass es zwei Arten von Christen gibt: Bekehrte und Jünger. Nach seiner Lehre sind Bekehrte diejenigen, die Christus als Retter vertrauen; während Jünger diejenigen sind, die den späteren Schritt gehen und Christus als ihrem Herrn nachfolgen. Jemand kann also bekehrt und damit ein Christ sein, aber kein Jünger.

Ein Christ ist immer auch ein Jünger

Jesus folgt solch einer Unterscheidung in den Evangelien jedoch überhaupt nicht. Ein Christ zu sein heißt, Jünger zu sein; ein Jünger zu sein heißt, Christ zu sein.

Das ist genau das, woran Jesus sein Jünger im großen Missionsbefehl am Ende des Matthäusevangeliums erinnerte. Beachte, was Jesus sagt: „So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker“ (Mt 28,19). Jesu Auftrag ist nicht, Bekehrte zu machen, sondern Jünger. Mit anderen Worten, Jesus nachzufolgen und ihm zu gehorchen, ist für einen Christen nicht optional. Johannes drückt es noch deutlicher aus. Er schreibt: „Wer sagt: ‚Ich habe ihn erkannt‘, und hält doch seine Gebote nicht, der ist ein Lügner, und in einem solchen ist die Wahrheit nicht“ (1Joh 2,4).

Wahrer, rettender Glaube ist der Glaube, der uns dazu antreibt, Christus nachzufolgen und ihm als Jünger zu gehorchen. Unsere ersten Babyschritte als Christen, wenngleich klein und stolpernd, sind Schritte, durch die wir unserem Retter nachfolgen.

Ich mache mir Sorgen, dass vieles von dem, was wir evangelisches Christsein nennen würden, diese wichtige Wahrheit verloren hat. Viele sind betrogen worden in dem Denken, dass sie, weil sie einmal ein Gebet gesprochen haben oder in einer Veranstaltung nach vorn gekommen sind, die Ewigkeit im Himmel sicher haben. Aber Jesus verlangt mehr. Jesus verlangt, dass wir ihm mit unserem ganzen Leben vertrauen. Jesus verlangt, dass wir ihm mit ganzem Herzen nachfolgen (Lk 9,23). Kurz gesagt, Jesus verlangt, dass wir seine Jünger sind.

Grant Castleberry ist Koordinator der Konferenz des Council on Biblical Manhood and Womanhood und Studentenbetreuer des Southern Baptist Theological Seminary. Er und seine Frau GraceAnna leben zusammen mit ihren beiden Töchtern in Louisville, Kentucky (USA).