Was ist so großartig an der Souveränität Gottes?

Bild: Ligonier

Viele Christen können die umwälzenden Auswirkungen bezeugen, die sich ergeben, wenn man sich der Souveränität Gottes bewusst wird. Die gleiche Art von Zeugnissen findet sich in der Bibel, vielleicht keines tiefergehender als der Bericht des Propheten Jesaja über seine lebensverändernde Begegnung mit dem souveränen Herrn. Wenn der Apostel Paulus die Person aus dem Neuen Testament ist, die am meisten damit verbunden wird, die Souveränität Gottes zu lehren, dann ist sein alttestamentliches Gegenstück sicherlich Jesaja. Wie erlangte Jesaja sein Verständnis von Gottes Souveränität und was für Auswirkungen hatte das auf sein Leben? Mit anderen Worten, wie würde Jesaja die Frage beantworten: „Was ist so großartig an der Souveränität Gottes?“

Was für einen Unterschied macht die Souveränität Gottes? Für Jesaja bedeutete sie alles. In seiner Reaktion auf die Vision der souveränen Herrschaft Gottes können wir vier Kennzeichen beobachten, die sich auch in unserer Erfahrung zeigen werden, wenn unser Glaube auf eine biblische Vision der souveränen Gnade Gottes ausgerichtet ist.

Die erste Veränderung kam für Jesaja unmittelbar auf seine Vision des thronenden Herrn. Das erste Kennzeichen seines Bewusstseins für die völlige Souveränität Gottes war seine Bereitschaft, zu dienen: „Und ich hörte die Stimme des Herrn fragen: Wen soll ich senden, und wer wird für uns gehen? Da sprach ich: Hier bin ich, sende mich!“ (Jes 6,8) Wir kennen nicht Jesajas Einstellung vor dem Empfangen dieser Vision, aber wir wissen, wie sie unmittelbar danach war. Als er Gottes souveräne Herrlichkeit sah, rief er aus: „Hier bin ich, sende mich!“

Weil Gott der wahre Souverän ist, gibt es kein größeres Privileg, als ihm zu dienen. Ehrfurcht vor seiner Herrlichkeit lässt andere Ambitionen zurückweichen. Nicht alle sind zum prophetischen Amt berufen. Gott beruft Menschen dazu, Tischler, Rechtsanwälte, Ärzte, Tontechniker und Müllmänner zu sein. Aber die, die die Souveränität Gottes gesehen haben, sehen ihre ganze Arbeit als eine Möglichkeit an, seine Herrschaft auszuweiten und seinem Reich zu dienen. Wenn wir realisieren, wie groß der Gott ist, dem wir dienen, wie vollkommen seine Souveränität über alles ist und wie herrlich sein Reicht ist, dann wollen wir ihm dienen in allem, was wir tun. Jesaja wusste noch nicht einmal, welche Aufgabe Gott für ihn vorgesehen hatte, aber als er die Frage hörte: „Wen soll ich senden?“, brachen seine neuerlich geweihten Lippen hervor: „Hier bin ich, sende mich!“ Wenn wir nur einen kleinen Teil davon sehen, was er sah, werden wir das Gleiche tun, und nicht die Schwierigkeiten, sondern das hohe Privileg schätzen, so einem großen Herrn zu dienen.

Viele Menschen glauben nicht an die Souveränität Gottes und dienen trotzdem dem Herrn. Aber es gibt einen großen Unterschied. Die, die den Herrn in seiner souveränen Herrlichkeit sehen, haben einen inneren Antrieb, diesem Gott zu dienen. Gott zu dienen ist die Herrlichkeit ihres Lebens. Ihr Dienst wird nicht so sehr daran gemessen, was sie erreichen – oder was Gott durch sie erreicht – sondern in dem schieren Staunen über den Gott, dem sie dienen. Wie bei kleinen Jungen, die sich auf dem Spielplatz in Teams aufteilen: Wenn man für dieses Team ausgewählt wird, so ist das die größte Freude, die vorstellbar ist, besonders für diejenigen, die so unwürdig sind. „Hier bin ich, sende mich!“ ist nicht nur die Reaktion derer, die Gottes souveräne Herrlichkeit sehen, es ist ihre Freude. Weil Gott gewisslich verherrlicht wird, wollen sie unter denen sein, die Gott verherrlichen.

Ein zweites Kennzeichen eines Bewusstseins für die Souveränität Gottes taucht in dieser Bibelstelle auf: ein demütiger, vertrauender Gehorsam gegenüber Gottes Geboten. Kapitel 6 schließt mit Gottes Beschreibung dessen ab, was Jesaja tun sollte, und worüber der von Ehrfurcht ergriffene Prophet schockiert war:

Und er sprach: Geh und sprich zu diesem Volk: Hört immerfort und versteht nicht, seht immerzu und erkennt nicht! Mache das Herz dieses Volkes unempfänglich, und mache seine Ohren schwer und verklebe seine Augen, damit es mit seinen Augen nicht sieht und mit seinen Ohren nicht hört, und damit sein Herz nicht zur Einsicht kommt und es sich nicht bekehrt und für sich Heilung findet! Und ich fragte: Wie lange, Herr? (Jes 6,9-11)

Jesajas Berufung war es, eine Verhärtung über Jerusalem zu bringen. Sein Dienst würde Hornhaut als Vorzeichen des Gerichts erzeugen, denn Gott hatte vor, sein Volk zunächst zu reinigen und es erst dann zu retten. Wir können hören, wie Jesaja bei diesem Auftrag einen Aufschrei unterdrückt, und doch ohne Beschwerde, ohne Widerspruch gegen die Weisheit seines Souveräns. Er stellte einfach die vernünftige Frage: „Wie lange, Herr?“ Die Antwort hat den Propheten mit Sicherheit entsetzt:

Er antwortete: Bis die Städte verwüstet liegen, so dass niemand mehr darin wohnt, und die Häuser menschenleer sein werden und das Land in eine Einöde verwandelt ist. Denn der HERR wird die Menschen weit wegführen, und die Verödung inmitten des Landes wird groß sein. Und bleibt noch ein Zehntel darin, so fällt auch dieses wiederum der Vertilgung anheim. Aber wie die Terebinthe und die Eiche beim Fällen doch noch ihren Wurzelstock behalten, so bleibt ein heiliger Same als Wurzelstock! (Jes 6,11-13)

Zweifelslos betrat Jesaja den Tempel, weil er sich um das Wohl Jerusalems Sorgen machte, nachdem König Ussija gestorben war. Als er jedoch dem wahren Souverän begegnete, lernte er von Schrecken, die seine ursprünglichen Ängste weit überstiegen. Aber Jesaja ist einzigartig unter den großen Propheten, indem er sich nie beschwerte. Er hatte einen souveränen, rettenden Gott gesehen. Wenn er zu einem Dienst der Verhärtung berufen war, dann würde er ihn ausführen. Es fiel Jesaja nicht ein, dass er es besser wusste als der Herr der Heerscharen. Wenn es dem Herrn gefiel, seine Kirche durch einen treuen Dienst auf einen Wurzelstock heiligen Samens zu reduzieren, dann würde Jesaja diesen Rest zum Gegenstand seiner Mühen machen.

Eine ähnliche Hingabe an Gottes rettende Souveränität würde uns zu einem demütigen, vertrauenden Gehorsam gegenüber Gottes Wort inspirieren. Wenn wir auf Gottes souveränen Plan vertrauen, wissend, dass es hinter allem, was passiert, einen Ratschluss wunderbarer Gnade gibt, können wir mit schwierigen Umständen umgehen, ohne in Bezug auf Gottes Gesetz schwankend zu werden. Wir können die Feindschaft der Welt ertragen und sogar den Abfall der Kirche, ohne in unserem Dienst ins Schwanken zu geraten. Wir können der Weisheit eines souveränen Gottes vertrauen und seinen Geboten gehorchen, der alles wirkt nach dem Ratschluss seines Willens. Wie Jesaja später erklärte: „Und ich will warten auf den HERRN, der sein Angesicht verbirgt vor dem Haus Jakobs, und will auf ihn hoffen“ (Jes 8,17).

Ein drittes Kennzeichen von Jesajas Dienst zeigt sich in der Stelle, die sich unmittelbar anschließt, eine Stelle, die gewisslich mit dem Thema von Kapitel 6 verbunden ist, selbst wenn die Ereignisse fast ein Jahrzehnt auseinanderliegen. Jotam, Ussijas Sohn und Nachfolger, hatte seine Regierungszeit beendet. Es war eine Zeit des Niedergangs und der Anfang des Verfalls. Aber mit Jotams Nachfolger, Ahas, würde eine Zeit offenen Ungehorsams gegenüber Gott beginnen.

Die unmittelbare Ursache der Probleme war eine Invasion Judas durch das Nordreich zusammen mit seinem Nachbarn Aram. Der ungläubige Ahas fing an, nach einem weltlichen Alliierten zu suchen, der ihm aus der Schlinge helfen sollte, selbst wenn es bedeuten würde, sein Volk in den Götzendienst zu führen. Seine Wahl fiel auf Assyrien, die wachsende Macht auf der Nordseite seiner Feinde. Aber Gott sandte Jesaja, um ihm entgegenzutreten und dem König eine Botschaft auszurichten:

Und sprich zu ihm: Hüte dich und sei ruhig; fürchte dich nicht, und dein Herz verzage nicht vor diesen zwei rauchenden Feuerbrandstummeln, vor der Zornglut Rezins und der Aramäer und des Sohnes Remaljas! Weil der Aramäer Böses gegen dich geplant hat samt Ephraim und dem Sohn Remaljas, die sagen: "Wir wollen nach Juda hinaufziehen und es in Schrecken versetzen und es für uns erobern und dort den Sohn Tabeels zum König einsetzen!", deshalb spricht GOTT, der Herr: Es soll nicht zustandekommen und nicht geschehen! (Jes 7,4-7)

Gottes Botschaft an Ahas war eine Anwendung der Vision, die Jesaja früher gesehen hatte: Die mächtigen Könige Israels und Arams waren nicht die wahren Souveräne. Der wahre Souveräne ist der Herr, der über alle regiert. Jesaja verwies den König Ahas darauf mit den klassischen Worten, die zum Glauben aufrufen: „Wenn ihr nicht glaubt, so werdet ihr gewiss keinen Bestand haben!“ (Jes 7,9)

Das war die Botschaft, mit der Gott Jesaja aussandte, sie dem König Ahas zu überbringen, einem Monarchen, der mit all seiner irdischen Souveränität ausgestattet war.

Wenn du nicht glaubst, dass das eine furchteinflößende Begegnung war, dann betrügst du dich selbst. Den meisten von uns ist bange bei dem Gedanken, unseren Freunden auf der Arbeit von Gott zu erzählen, wieviel mehr einem König ein Ultimatum zu überbringen. Aber das ist der Unterschied, wenn man die Souveränität Gottes gesehen hat. Was für eine Furcht Jesaja auch vor dem König Ahas fühlte wurde beiseitegeschoben durch seine viel größere Furcht vor dem souveränen Herrgott.

Ein Bewusstsein von Gottes Souveränität verleiht uns eine heilige Kühnheit vor der Welt und ihren Mächten. Das ist es, was Jesaja brauchbar machte: Er konnte das Wort des Herrn, selbst das Gerichtswort, einer dekadenten und gefährlichen Generation verkünden. „Wehe der sündigen Nation“, so beschuldigte er sie im Anfangskapitel, „dem schuldbeladenen Volk! Same der Übeltäter, verderbte Kinder! Sie haben den HERRN verlassen, haben den Heiligen Israels gelästert, haben sich abgewandt“ (Jes 1,4). Mir ist bewusst, dass solch eine Rede heutzutage kein Stadion füllen würde. Es bringt eine Gemeinde vielleicht nicht auf die Liste von Erfolgsgeschichten für Gemeindewachstum. Aber die Bereitschaft, die Wahrheit Gottes zu reden, Gottes Gericht einer Generation zu verkünden, die so verdorben ist wie die unsere, ist ein sicheres Zeichen, dass der Redner die Souveränität Gottes gesehen hat.

Schließlich sehen wir in dem Propheten Jesaja ein viertes Kennzeichen, dass er den Herrn in seiner souveränen Majestät gesehen hat – eine vollkommene Abhängigkeit von Gottes souveräner, rettender Gnade.

Das zeigt sich in dem Zeichen, das Jesaja König Ahas gab. Jesaja wollte durch dieses Zeichen den Glauben von Ahas wiederbeleben. Es war ein Zeichen, das in den Augen der Welt töricht war, aber in den Augen Gottes herrlich: „Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, die Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären und wird ihm den Namen Immanuel geben“ (Jes 7,14). In der Gegenwart des abgefallenen Unglaubens von Ahas, legte Jesaja seine Hand auf das größte Zeichen souveräner Gnade, dass er sich vorstellen konnte: Eine Jungfrau würde einen Sohn gebären.

Später sprach Jesaja von der Geburt durch eine Unfruchtbare als ein Zeichen rettender Gnade (Jes 54,1). Ein unfruchtbarer Mutterleib repräsentiert menschliche Werke, die gescheitert sind. Aber der Mutterleib einer Jungfrau spricht von einem Feld, wo der Mensch überhaupt nicht gesät hat. Aus diesem Mutterleib kommt der Retter, Jesus Christus. Stell dir vor, wie wenig ein Mann wie Ahas die Geburt eines Babys als Grund erachtet hätte, Gott mit seinen Problemen zu vertrauen, genauso wie heutzutage viele die Verkündigung des Evangeliums als „Torheit“ erachten. Aber sowohl Gott, der als Baby Mensch geworden ist, als auch die Verkündigung des Evangeliums sind heute die Kraft Gottes zur Errettung für jeden, der glaubt.

Das erinnert uns daran, dass wahrer Evangeliumsdienst nur erfolgreich sein kann, wenn ein jungfräuliches Mädchen einen Sohn gebiert. Was für eine Torheit für die Welt! Aber sie tat es. Und das Wunder der Gnade setzt sich bis heute fort. Wenn das uns nicht ermutigt, in den ansonsten unfruchtbaren Feldern des Gebets und der einfachen Bibelverkündigung zu arbeiten, ganz abzusehen von Demut, Langmut, Selbstverleugnung und heiligem Gehorsam gegenüber Gott, dann wird es nichts schaffen. Jesajas Zeichen der Jungfrauengeburt sagt uns, dass wir nicht auf menschliche Weisheit vertrauen und auch nicht verzweifeln sollen angesichts menschlicher Schwierigkeiten oder persönlichem Versagen. Denn wenn wir, wie Jesaja, eine Sicht von Gottes souveräner Herrlichkeit erlangen, besonders in der Errettung von Sündern, werden wir es als unser Privileg erachten, diesem souveränen Gott zu dienen, der unseren Retter durch den Leib einer Jungfrau zur Welt brachte, und der viele zur Errettung bringen wird, wenn wir auf gleiche Weise auf seine souveräne, rettende Gnade vertrauen.


Dieser Auszug entstammt dem Buch What’s So Great about the Doctrines of Grace von Richard D. Phillips. Er erschien als Artikel zuerst bei Ligonier Ministries. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.