Schluss mit geistlichen Süßigkeiten

Ich hatte schon immer einen süßen Zahn. Ich mag alle Arten von Desserts – besonders Eiskrem. Süße Dinge sind bequem und manchmal tröstend. Und da ich immer einen Heißhunger habe, scheinen sie immer zu schmecken.

Aber in den letzten Jahren musste ich mein Immunsystem stärken, was bedeutete, dass ich meinen Zuckerkonsum drastisch reduzierte. Und daraufhin passierte Komisches.

Zunächst fiel mir auf, dass Zucker in absolut allem enthalten ist. Ich hatte keine Ahnung, wie viele Dinge ich aß – Dinge, von denen ich dachte, dass sie gut und nahrhaft für mich wären – die aber vollgeladen waren mit Zucker und so langsam meiner Gesundheit schadeten. Dies zu lernen hat mich umso dankbarer gemacht für das Zweite, das mir aufgefallen ist: Je weniger Zucker ich aß, desto weniger Verlangen hatte ich danach.

Aber mein süßer Zahn ist nicht nur auf körperliche Süchte beschränkt. Er ist auch in meinem geistlichen Leben wirksam. In Zeiten geistlichen Ringens habe ich mich an süße und scheinbar wahre Aussprüche gewandt, um mein geistliches Verlangen zu stillen.

Ich habe knackige Zitate gelernt, wie ich ein Überwinder werden kann, der zu allem imstande ist. In Zeiten geistlichen Dursts habe ich auf Influencer in den sozialen Medien gehört, die mir sagten, dass ich alles, was ich brauche, schon in mir trage. In chaotischen Zeiten habe ich die wohlgemeinten Worte von Freunden geschätzt, die mich daran erinnerten, dass ich schon stärker sei, als ich es mir jemals vorstellen kann.

In den Zeiten, in denen ich mich sehr unter Druck fühlte, habe ich nach Süßigkeiten gegriffen: köstliche kleine Erinnerungen daran, wie fähig ich bin, wie unbesiegbar und wie viel ich erreichen kann. Sie sind bequem und tröstend. Und da ich immer einen Heißhunger habe, scheinen sie immer zu schmecken.

Aber diese geschmackvollen Mantras sagen mir nicht die ganze Wahrheit.

Süßer Ersatz für die Wahrheit

Ich bin nicht der Einzige. Christen tauschen oft die nahrhaften Wahrheiten des Wortes Gottes für „süßeren“ Ersatz ein. Besonders, wenn uns das Leben schwerfällt, können wir uns auf Halbwahrheiten über unsere eigene Widerstandsfähigkeit stützen statt auf Erinnerungen an Gottes Souveränität und Genugsamkeit.

Als ich mir zuerst vornahm, meinen Zuckerkonsum zu reduzieren, dachte ich, dass ich es niemals schaffen würde. Ich hatte ein ständiges Verlangen nach Zucker. Eine befreundete Krankenschwester erklärte mir, was in meinem Körper geschah. Sie sagte mir, dass Zucker lügt, indem er unserem Körper vorgaukelt, dass wir mehr Energie haben, als wir tatsächlich besitzen, und uns das Gefühl gibt, etwas Gehaltvolleres gegessen zu haben, als wir tatsächlich zu uns nahmen. Und Schritt für Schritt kann uns Zucker abhängig machen, indem wir immer nach etwas Ausschau halten, das unser Verlangen stillt.

Das Gleiche kann über den geistlichen Ersatz gesagt werden, den ich zu mir nahm. Wie Zucker belogen mich diese wohlklingenden geistlichen Sprüche.

Sie sagen mir, dass ich stark sei, aber sie tun nichts, um mich an Gottes wahre Stärke zu erinnern (Jes 41,10). Sie sagen mir, dass ich fähig sei, aber sie sagen mir nicht, dass Gott die Quelle von allem ist (Jak 1,17). Sie sagen mir, dass ich selbst genug sei, aber sie sagen mir nicht, dass er der ewige „Ich bin“ ist (2Mo 3,14). Sie sagen mir, dass ich mehr tun könne, als ich wirklich imstande bin. Sie verlocken mich dazu, zu glauben, dass sie langanhaltende Nahrung bieten, nur um mich erschöpft und niedergeschlagen zurückzulassen auf der Suche nach dem nächsten Schuss.

Das Verlangen nach der Wahrheit schulen

Auf Zuckerkonsum zu verzichten, hat meinem Körper aufs Neue beigebracht, wahre Nahrung zu verlangen. Durch kleine, tägliche Entscheidungen trainiere ich meinen Körper dazu, zufrieden zu sein mit dem Gemüse aus dem Garten meines Freundes oder einer reifen Tomate. Und dankbarerweise ist es so, dass, je mehr ich diese wahre Nahrung zu mir nehme, ich umso stärker nach den guten Dingen Verlangen habe.

Es ist harte Arbeit, sich nahrungsarmer Geistlichkeit zu entwöhnen. Aber wenn wir die tägliche Entscheidung treffen, uns am unveränderbaren Charakter Gottes zu erfreuen, lehren wir uns selbst, nach dem zu verlangen, der wirklich zufriedenstellen wird. Wenn wir uns schwach fühlen und uns vom Wort Gottes nähren, werden wir zu Menschen geformt, die sich nach seinem Werk in unserer Schwachheit ausstrecken und auf seinen Geist in unserem Mangel vertrauen.

Lasst uns danach streben, dass wir uns von einer nachhaltigeren Quelle ernähren. Lasst uns aufhören, geistlichen Abfall zu uns zu nehmen, der uns nicht ernährt. Lasst uns aufhören, uns zu sagen, dass wir stark genug sind, tapfer genug und gut genug, um das zu tun, was wir in unserer menschlichen Begrenztheit nicht tun können. Lasst uns die Realität von dem annehmen, wer wir sind und wer unser Gott ist. Wir sind beständig schwach; es ist Gott, der eingreifen und seine Stärke erweisen muss.

Wenn wir das tun, werden wir herausfinden, was ich über Zucker herausgefunden habe: Süßer Unsinn steckt fast überall drin. Aber wenn wir lernen, ihn zu identifizieren und wegzulassen, haben wir weniger Verlangen danach. Wenn wir uns an die Wahrheit von Gottes Charakter erinnern, fangen wir an, nach den reichen Wahrheiten des Wortes Gottes zu verlangen. Und wenn wir uns von diesem täglichen Brot ernähren, werden wir uns lehren, nach dem zu verlangen, was auf ewig zufriedenstellt – dem Brot des Lebens selbst.


Dieser Artikel von Amy Gannett erschien zuerst bei Core Christianity. Übersetzung und Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.