Rezension: The Devil’s Redemption

The Devil’s Redemption (Bild: Baker)

Der anglikanische Theologe und Jonathan Edwards-Experte Gerald McDermott sprach von einer „theologischen Bombe“, die da gezündet worden sei. Das Buch Die Erlösung des Teufels: Eine neue Geschichte und Interpretation des christlichen Universalismus von Michael J. McClymond sei nämlich „die allererste vollständige Geschichte der Lehre vom universellen Heil“ und sie zerstöre die Annahme, „dass der Universalismus mit exegetischer oder systematischer Integrität aufrechterhalten werden könne“.

Das ist eine steile Aussage. Denn der christliche Heilsuniversalismus oder, wie es oft heißt, die Lehre von der Allerlösung, gehört zum Standardrepertoire theologischer Überzeugungen der Gegenwart. Dabei spielt das x-fach verkaufte und diskutierte Buch Die Liebe gewinnt von Rob Bell nur eine nachrangige Rolle. Mit seinen abgedroschenen „Argumenten“ wird es einen ausgebildeten Exegeten nicht überzeugen. Wirkmächtiger waren große Theologen des 20. Jahrhunderts, etwa Karl Barth, John A. T. Robinson, Urs von Balthasar, Paul Tillich oder Jürgen Moltmann, die allesamt Variationen einer Allerlösungslehre vertreten. Jüngst haben Christine Janowski (Allerlösung, 2 Bde., 2000) und Jens Adams (Paulus und die Versöhnung aller, 2009) zudem exegetisch kraftvolle Plädoyers zugunsten einer entdualisierten Eschatologie vorgelegt, die zumindest im deutschen Sprachraum große Resonanz gefunden haben.

McClymond The Devil’s Redemption gibt einen ausführlichen Überblick über die Geschichte des christlichen Universalismus vom zweiten bis zum einundzwanzigsten Jahrhundert. Untersucht werden im ersten Band die gnostischen, kabbalistischen und esoterischen Wurzeln des christlichen Heilsuniversalismus. Origenes, der mit seiner Apokatastasis-Lehre der Überzeugung war, dass selbst Dämonen und der Teufel am Ende erlöst werden, wird nebst seiner Wirkungsgeschichte ausführlich behandelt. Ebenfalls gründlich untersucht McClymond die Anschauungen des Mystikers Jakob Böhme und die entsprechenden Wirkungen im pietistischen (z. B. Petersen, Dippel, Oetinger, Blumhardt) oder britischen (Law, MacDonald, Jukes, Erskine) Umfeld. Der zweite Band eröffnet mit Studien zum deutschen Idealismus (etwa Kant, Hegel, Schleiermacher) und über Anhänger Böhmes im russischen Umfeld (Solovyov, Berdyaev, Bulgakov). Breit werden Barths Sicht der universellen Erwählung und jüngere katholische Entwürfe diskutiert (Lubac, Rahner, Balthasar). Zeitgenössische Allerlösungslehren werden ebenfalls untersucht (z. B. Frank, Bell, Kruger, du Toit, Crowder) wobei Analysen der gewichtigen Werke von Janowski und Adam leider fehlen.

In seiner kritischen Analyse prüft der Autor biblische, philosophische und theologische Argumente. Er zeigt, dass das Bemühen, die Gnade auf alle auszudehnen, das Prinzip der Gnade untergräbt. McClymond schreibt:

„Wann immer die universelle Erlösung als Teil eines größeren theologischen Systems dargelegt wurde – etwa bei Origenes, Gregor von Nyssa, Eriugena, Bulgakov oder Moltmann – sind seine metaphysischen Grundlagen meist deutlich sichtbar geworden. Die universalistische Theologisierung beruht auf Annahmen über die Natur Gottes, die Natur der Menschheit oder die Natur von Gut und Böse, die weder in der Schrift gelehrt noch in der größeren christlichen Tradition verankert sind. Aufgrund des unvollständigen Charakters vieler universalistischer Theologien wird diese Tatsache nicht allgemein anerkannt. Wie die vorhergehenden Kapitel gezeigt haben, ist es einfach, die Erlösung für alle zu bestätigen, ohne sämtliche Konsequenzen dieser Zustimmung zu berücksichtigen. Der Universalismus fand im Laufe der Jahrhunderte seine stärkste Unterstützung in gnostischen, kabbalistischen und esoterischen Interpretationen des Christentums. Deshalb konnte er sich, wie wir gesehen haben, im Allgemeinen nicht im vitalen Zentrum, sondern nur am Rande der christlichen Tradition erfolgreich ausdehnen. Dass viele christliche Denker in jüngster Zeit den Universalismus angenommen haben, ist für die zeitgenössische Kirche kein hoffnungsvolles Zeichen. Es deutet darauf hin, dass metaphysische Spekulationen mit wenig oder gar keiner Unterstützung in der Schrift oder Tradition fast so akzeptabel geworden sind wie Lehren, die starke biblische und traditionelle Unterstützung haben“ (Bd. 2, S. 1001).

Michael J. McClymond hat ein Werk verfasst, das in den nächsten Jahren als Standardreferenz zum Thema Heilsuniversalismus dienen wird. Kevin J. Vanhoozer sagt zum Buch: „McClymonds Studie bietet sowohl eine gründliche historische Untersuchung der alten und modernen Wurzeln des christlichen Universalismus als auch eine durchdachte theologische Bewertung ihrer Voraussetzungen, Ansprüche und Folgen.“ Und Hans Schwarz, emeritierter Systematischer Theologe der Universität von Regensburg, meint: „Mit immenser Gelehrsamkeit verfolgt der Autor den Begriff des Universalismus im Verlauf der Jahrhunderte; stellt uns seine Befürworter im christlichen Raum und anderswo vor und zeigt überzeugend, dass er sich auf eine nonliterale Deutung der Schrift und eine massive Ablehnung der kirchlichen Tradition stützt, … Diese beiden Bände bieten uns eine Fülle von Erkenntnissen, eine enorme Menge an sorgfältig ausgearbeitetem Material sowie wichtige Schlussfolgerungen.“ Das zweibändige Werk ist bereits als Logos-Ausgabe erhältlich und als solche aufgrund der Verknüpfungen mit anderen Referenzwerken und der mächtigen Suchfunktionen ein erstklassiges Set für Forschungszwecke.

Die Bücher

  • Michael J. McClymond. The Devil’s Redemption: A New History and Interpretation of Christian Universalism. 2 Bde. Grands Rapids (Michigan) Baker, 2018. ISBN: 978-0801048562. 1325 S. Ca. € 55,00.

Die Rezension erschien zuerst in Glauben und Denken heute 1/2019, Nr. 23, S. 79–80. Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung.